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Schacht-Audorf : Kleingärtner hortet 140 Tiere in Parzelle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kleine Verschläge und zu wenig Wasser für die Tiere. Lösung bis heute Abend gefordert.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Etwa 40 Hühner, 60 Tauben, 25 Enten, drei Gänse und drei Goldfasane, eingesperrt in kleinen Verschlägen, Boxen und in einem Gewächshaus: Dieses Bild bot sich am Dienstagabend in einer Kleingarten-Parzelle im Schrebergarten Schacht-Audorf. Der Pächter hielt viel zu viele Tiere auf zu engem Raum. Geahnt hatte davon niemand etwas, da die Tiere nicht ins Freie gelassen wurden und die Verschläge vom Weg aus nicht einzusehen waren. Doch jetzt sind Ordnungs- und Kreisveterinäramt nach einem Hinweis alarmiert.

Dieser kam von Andreas Delfs, der sich zunächst selbst ein Bild von den Zuständen gemacht hatte. „Ich halte selbst auch Hühner, das geht gar nicht“, so der Hohner, der den Pächter schon lange kennt. „Ich hätte heulen können, als ich das gesehen habe.“

Nachdem Delfs das Veterinäramt des Kreises informiert hatte, ging alles ganz schnell: Das hinzugerufene Ordnungsamt benachrichtigte die beiden Vorsitzenden des Schrebergartenvereins, die sich ebenfalls einen Eindruck verschafften. „Wir haben die Parzelle betreten, weil nach unseren Informationen Gefahr für die Tiere bestand“, berichtet der Vorsitzende Hans Dieter Knipp. Generell sei die Geflügeltierhaltung in der Anlage erlaubt, „aber nur, wenn sie artgerecht ist. Wir hatten keine Ahnung“. Dem Tierhalter hat er nun ein Ultimatum gestellt: Bis heute Abend muss ein Großteil der Tiere woanders untergebracht werden. Höchstens sieben Hühner und einen Hahn darf der Pächter behalten. Gesprächsbereit sei er auch noch, was die drei Goldfasane anbelangt. „Mehr gehört da nicht rein und wäre definitiv nicht artgerecht“, so Knipp, der Sorge hat, dass der Schrebergartenverein nun in Verruf gerät.

Seit einem Jahr ist der Tierhalter Mitglied des Vereins. Anfangs hatte er deutlich weniger Tiere. Nach und nach nahm er immer mehr auf – angeblich, um Bekannte zu entlasten. „Ich weiß, dass ich zu viele Tiere habe, aber ich hatte keine Möglichkeit, welche wegzugeben“, erklärt er. Eine Aufstallungspflicht durch die Vogelgrippe nennt er als Grund, warum die Tiere nicht ins Freie durften. „Selbst dann wären es aber viel zu viele gewesen“, widerspricht der stellvertretende Vorsitzende des Schrebergartenvereins, Andreas Strauß.

Beim Ordnungsamt ist der Tierhalter kein Unbekannter, weiß Joachim Haller vom Amt Eiderkanal. Ihm sei schon mal in einem anderen Zusammenhang aufgetragen worden, die Zahl seiner Tiere zu reduzieren. Bei Nachkontrollen sei dann alles in Ordnung gewesen.

Verena Schmidt und Hannelore Schwarz vom Veterinäramt konnten Dienstagabend in geringem Maße Entwarnung geben: Es sei zumindest keine Gefahr für die Tiere im Verzug. Dennoch seien die baulichen und hygienischen Bedingungen nicht tragbar. „Die Behausungen sind viel zu klein und nicht in Ordnung. Von Stall mag ich da gar nicht sprechen. Außerdem wurden die Tiere nicht rund um die Uhr mit Trinkwasser versorgt“, so Hannelore Schwarz.

Der Tierhalter muss bis heute Abend entweder eine neue Bleibe für seine Tiere finden oder sie schlachten lassen. In jedem Fall muss er dem Veterinäramt nachweisen, wo die Tiere verblieben sind. Dessen Hilfsangebote lehnt er ab – trotz guter Zurede: „Sie haben jetzt die Möglichkeit, alles richtig zu machen. Es findet sich immer eine Lösung“, so Verena Schmidt.

Dass die Tiere dem Mann Halt geben und dessen wichtigster Lebensinhalt zu sein scheinen, dafür hatten alle Verständnis – aber nicht auf Kosten der Tiere.

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