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Von Warder nach Frankreich : Kleiner Esel auf großer Reise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der kleine Poitou-Esel „D’Artagnan“ fährt morgen in seine neue Heimat Frankreich. Heute gibt es um 14 Uhr eine Abschiedsführung in der Arche Warder mit Tierpfleger Thomas Petersen.

Morgen früh um 6 Uhr muss der kleine Poitou-Hengst „D’Artagnan“ von seiner Mama „Ulote“, seinen Spielgefährten „Dorin“ und „Denny“ und seinen Tanten „Tadjine“ und „Pauline“ Abschied nehmen. Denn dann wird der Eseljunge in der Arche Warder verladen, um die zweitägige Reise zu seinem neuen Zuhause anzutreten: einem Poitou-Zuchtbetrieb in Aigonnay (Westfrankreich). Für alle Tierparkbesucher, die Publikumsliebling „D’Artagnan“ Tschüs sagen wollen, veranstaltet Tierpfleger Thomas Petersen heute von 14 bis 15 Uhr eine Abschiedsführung über die Poitou-Weidefläche der Arche Warder.

„Das ist natürlich schon blöd, wenn man sich jetzt von ihm verabschieden muss“, meint Thomas Petersen mit Blick auf „D’Artagnan“, „gerade wenn man so viel zusammen erlebt hat und sich ihm durch so viel Mühe und Herzblut verbunden fühlt.“ Petersen war die ersten drei Tage rund um die Uhr an der Seite des Poitou-Hengstfohlens, denn „D’Artagnan“ hatte eine ganz schwere Geburt. Weil er verkehrt herum in seiner Mutter „Ulote“ lag, dauerte die Geburt am 28. März fünf Stunden, und „Ulote“ war danach so kaputt, dass sie erstmal nicht mehr aufstehen und infolgedessen auch nicht als Milchbar für ihren Sprössling dienen konnte. Die nötige Colostralmilch wurde von einem Haflingergestüt besorgt, während „Ulote“ und „D’Artagnan“ in die Pferdeklinik nach Wahlstedt verfrachtet wurden. Petersen übernachtete auf dem Pferde-OP-Tisch, um den kleinen „D’Artagnan“ alle zwei Stunden mit frisch von der Mutter abgemolkener Milch zu versorgen. Petersen schaffte es dann auch noch, „D’Artagnan“ das eigenständige Trinken am Euter von „Ulote“ beizubringen.

„D’Artagnan“ ist der letzte Nachkomme von Poitou-Hengst „de Gaulle“, und das ist auch der Grund dafür, dass er jetzt nach Frankreich auswandert. Als „de Gaulle“ 2010 bei einem Treffen der deutschen Poitou-Züchter im hessischen Witzenhausen den 1. Platz errang, wurden die Mitglieder einer Zuchtbewertungskommission aus Frankreich auf ihn aufmerksam. Als neues Kapitel der „deutsch-französischen Freundschaft“ (Petersen) wurde ein Zuchtprogramm zwischen der Arche Warder und der privaten Poitou-Züchterin Christine Sambussy in Aigonnay vereinbart. Folgender Deal wurde ausgehandelt: Die Arche Warder bekommt Poitou-Stute „Ulote“ aus Frankreich und verpflichtet sich im Gegenzug, „Ulotes“ Erstgeborenen nach Frankreich abzugeben.

Anfang März 2012 traf „Ulote“ in Warder ein und wurde auch prompt von „de Gaulle“ belegt, der dann Ende März 2012 im Alter von 22 Jahren verstarb. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Tod seines Papas kam der kleine „D’Artagnan“ zur Welt, ein paar Wochen später seine Spielkameraden „Denny“ und „Dorin“. „Die haben hier seitdem ordentlich zusammen rumgetobt“, merkt Tierpflegerin Sabrina Cornils an. „Das ist ideal, wenn die Fohlen fast gleichaltrige Spielkameraden haben“, ergänzt Petersen. Schnell avancierten die drei kleinen Poitous zu Publikumslieblingen. „Weil unsere Poitous so handzahm sind, konnten wir hier mit Schulklassen, Kita- und Rentnergruppen auf die Koppel“, berichtet Petersen.

Mit sieben Monaten ist „D’Artagnan“ alt genug, sich vom „Hotel Mama“ abzunabeln. „Sechs Monate alt sollten Eselfohlen sein, um sie von der Mutter abzusetzen“, erklärt Sabrina Cornils, „Milch ist nun nur noch ein Zusatz-Leckerli, und das wird irgendwann anstrengend für die Mütter.“ Womit nicht gesagt sein soll, dass „Ulote“ froh darüber ist, dass ihr „D’Artagnan“ auf Nimmerwiedersehen ins Heimatland der Poitous abreist. Das Verladen auf den Anhänger haben die Tierpfleger nicht extra geübt. „Da wird nicht lange rumgetrödelt, das wird nach der Zack-und-Hopp-Methode erledigt.“

Die erste Reiseetappe von Sabrina Cornils, Thomas Petersen und „D’Artagnan“ führt morgen zum Ferienbauernhof Neumühlen in Altscheid (an der Grenze zu Luxemburg). Wenn sie am Freitag in Aigonnay in Westfrankreich ankommen, haben sie 1400 Kilometer zurückgelegt. Auf der Rücktour werden Cornils und Petersen einen für einen Züchter im hessischen Burgwald-Ernsthausen bestimmten Poitou-Junghengst mitnehmen und außerdem ein Maultier für die Arche Warder, das „Dijo“ heißt und für das Petersen seit Ende September im Tierpark mit der Spendendose unterwegs war: „Da möchte ich mich bei allen Spendern bedanken, die den Kauf dieses Maultiers mit ermöglicht haben.“

 

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erstellt am 23.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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