Hohenwestedt : Kleine Steine ganz groß

„Silberpfeil“: Günter Rohwedder vom Museumsverein mit seinem Lego-Rennwagen.
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„Silberpfeil“: Günter Rohwedder vom Museumsverein mit seinem Lego-Rennwagen.

Exponate im Mini-Format: Im Heimatmuseum Hohenwestedt ist eine Lego-Ausstellung eröffnet worden.

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26. August 2018, 12:43 Uhr

„Hohenwestedt ist da, wo Lego ist“: Diese Ortsangabe, die von 1956 bis 2007 gang und gäbe war, hat in der Hohenwestedt-Woche wieder ihre Gültigkeit. Denn im Heimatmuseum in der Friedrichstraße ist eine Ausstellung mit Exponaten aus sechs Jahrzehnten Lego zu sehen. Die Sonderschau zeigt, dass man aus Legosteinen so ziemlich alles bauen kann: Schiffe, Burgen, Frösche, Pinguine, Krokodile, Schaufelradbagger, Formel 1-Rennwagen und „Star Wars“-Raumschiffe.

Vor 63 Jahren waren erstmals Lego-Bausteine in Deutschland zu sehen: 1955 bei der Spielwarenmesse in Nürnberg. Ein Jahr später gründete Lego seine erste ausländische Vertriebsgesellschaft: die Lego Spielwaren GmbH in Hohenwestedt. Dass dieser neue Logistikstandort zunächst im Obergeschoss des einstigen Bahnhofshotels untergebracht war, wusste bei der Ausstellungseröffnung am Sonnabend ein absoluter Experte zu berichten: Hilmar Scheinpflug, ehemaliger Hohenwestedter Gemeindevertreter und von 1956 bis 1998 in Diensten von Lego. Scheinpflug erzählte, wie der Lego-Baustein in der Bautischlerei der Familie Christiansen in Billund in Dänemark erfunden wurde und dass sich „Lego“ vom dänischen „led godt“ („spiel gut“) ableitet.

Ein Fernsehfilm über Lego im Herbst 1956 mit dem einprägsamen Slogan „Alle Kinder, groß und klein, spielen mit dem Legostein“ habe dem dänischen Unternehmen zum Durchbruch in Deutschland verholfen. Scheinpflug: „Der Damm war gebrochen, und innerhalb von zwei, drei Monaten hatte Lego seine erste Million Umsatz gemacht.“ 1957 baute der Spielwarenhersteller in der Itzehoer Straße in Hohenwestedt – also direkt an der Bundesstraße 77 – ein neues Logistikzentrum. Scheinpflug ließ die Blütezeit, in der Lego in Hohenwestedt bis zu 320 Mitarbeiter beschäftigte, Revue passieren, um dann zu erklären, „warum sich Lego in Hohenwestedt vom Acker machen musste.“ Angesichts von sinkenden Absatzzahlen, nach der Wiedervereinigung neu zu konzipierenden Vertriebswegen und der internationaleren Ausrichtung des Unternehmens sei „die Standortfrage auf den Tisch“ gekommen. 1999 verlegte Lego Vertrieb, Marketing und Backoffice von Hohenwestedt nach München, 2007 auch die noch in Hohenwestedt verbliebene Logistikabteilung nach Tschechien.

Was der Museumsverein nun anlässlich der Hohenwestedt-Woche an Exponaten zusammengetragen hat, findet Scheinpflug „sensationell“: „Alle, die Lego kennen, finden hier im Museum eine überzeugend dargestellte Geschichte des Sortiments.“ Leihgaben aus der Bevölkerung sorgen für reichlich Material auf zwei Etagen. Nicht nur für „Star Wars“-Fans besonders beeindruckend ist das „Falcon Millenium“-Raumschiff von Han Solo, das Sven Timm aus fast 8000 Einzelteilen in über 50 Stunden zusammengebaut hat.

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