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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 14:46 Uhr

Kleine Probleme?

vom

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Die Wirtschaft im Lande nimmt enormen Schaden durch die Sperrung der Rader Brücke und das Verkehrs-Chaos, das daraus resultiert. Von Millionen-Verlusten ist die Rede, von gefährdeten Arbeitsplätzen und schwindendem Image. Ob der Pfusch am Bau vor 40 Jahren daran schuld ist, das fehlende Geld für die Bauunterhaltung oder die gestiegene Verkehrsbelastung mit immer gewaltigeren Lastzügen - es ist müßig, darüber zu spekulieren. Der Schaden gewaltig.

Das gesamtwirtschaftliche Debakel darf allerdings nicht den Blick für die scheinbar kleinen Probleme verdecken, die den Menschen das Leben schwer machen. Da ist die Anwohnerin der Bundesstraße 77 in Ahrenstedt, die morgens die Fahrbahn überqueren muss, um die Zeitung aus dem Sammelbriefkasten zu holen. Diese Woche musste sie acht Minuten warten, ehe sie eine Lücke im Verkehr fand. Sie verglich es mit dem Leben auf einem Mittelstreifen der Autobahn.

Oder die Ängste von älteren Menschen, die sich nicht trauen, die Büdelsdorfer Hollerstraße zu überqueren, weil dort die Ampelschaltung der langen Lkw-Schlange Vorrang gewährt. Dort wurden auch ungeduldige Kinder beobachtet, die nicht auf ihr Signal warten wollten und über die Straße rannten. All dies sind indirekte Auswirkungen der Brücken-Teilsperrung, die Lebensqualität einschränken und Gefahren bergen.

In den Gesprächen auf höchster Ebene spielen solche Probleme leider kaum eine Rolle. Da wird die Planung einer neuen Brücke gefordert, vielleicht sogar mit Tunnel. Da wird nach Verantwortlichen gesucht oder darauf verwiesen, dass jetzt die Sanierung der Brücke Vorrang habe. Das ist alles richtig, aber kein Grund, die "kleinen" Probleme der Menschen aus dem Blick zu verlieren.

Verkehrsminister Reinhard Meyer und sein Staatssekretär Frank Nägele sind rund um Rendsburg zurzeit fast allgegenwärtig. Und sie wissen inzwischen, was hier los ist. Deshalb kam Nägele auf die gute Idee, mit dem Zug zu einem Termin in Rendsburger Rathaus anzureisen. Das klappte prima. Die Rückreise scheiterte jedoch: Der Staatssekretär hatte so viele Fragen zu beantworten, dass er den Zug zurück nach Kiel um eine Minute. Aber weil Rendsburger nun mal nette Leute sind und in Krisenzeiten selbstverständlich helfen, war das kein Problem. Bürgermeister Pierre Gilgenast spielte selbst Chauffeur für den hohen Gast.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht - auch wenn sie zunächst nicht so klingt: Die Baumarktkette Praktiker ist pleite und 51 Märkte in Deutschland werden geschlossen. Die Filiale im Rendsburger Eiderpark aber ist nicht darunter. Sie gehört offenbar nicht zu den Standorten, die "seit längerem deutlich Verluste erwirtschaftet" haben. Der Eiderpark bleibt also erhalten. Und die Arbeitsplätze bei Praktiker sind erst einmal gerettet.

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