Kanalgeflüster : Klares Bekenntnis

8515de86e77a58ea6cac813be74d0e04.jpg

Avatar_shz von
02. März 2013, 08:36 Uhr

Ob Adolf Hitler noch Ehrenbürger ihrer Stadt ist, wissen die Nortorfer nicht so ganz genau. Seit etwa 20 Jahren ist dieses Thema in der Stadt bekannt, zu der Entscheidung, die Ernennung aus dem Jahre 1933 zu revidieren, konnte sich aber bis heute niemand durchringen. Stattdessen verließ man sich darauf, dass sich dieses lästige Problem mit dem Tod des Geehrten automatisch erledigt. Richtig geklärt wurde die Frage nie. Man verließ sich einfach darauf.

Auf Nachfrage der Landeszeitung waren sich das Kieler Jusizministerium und die Kommunalaufsicht in Rendsburg gestern einig, dass die Nortorfer Hoffnung wohl richtig sein könnte.

Als Bestätigung für ihre Tatenlosigkeit in Sachen "Ehrenbürger Hitler" aber sollten die Nortorfer diese Einschätzungen lieber nicht werten. Rechtlich waren sie wahrscheinlich die ganze Zeit auf der sicheren Seite. Aber das ist nicht der springende Punkt. Es ist allgemein bekannt, dass Hitler ein verbrecherischer Diktator war, der Millionen Menschen in den Tod getrieben hat. Und natürlich will den in Nortorf niemand als Ehrenbürger. Tausende Kommunen haben Hitlers Ehrenbürgerschaft durch Beschlüsse von Stadt- und Gemeindevertretungen rückgängig gemacht und sich auf diese Weise klar distanziert.

Warum nicht Nortorf? Gleichgültigkeit, Scheu vor dem peinlichen Thema? Es ist möglich, dass sich die rechtliche Seite der Affäre in den nächsten Tagen klärt. Die moralische aber wird Nortorf so lange erhalten bleiben, bis sich die Stadtvertretung zu einem klaren Bekenntnis durchringt.

Das kann doch nicht so schwer sein - und wird wirklich allerhöchste Zeit.

Behörden haben in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch einen ziemlich schlechten Ruf. Paragrafen und der rechtzeitige Feierabend seien wichtiger als die Bedürfnisse der Bürger, heißt es häufig, wenn von den Mitarbeitern von Verwaltungen die Rede ist.

Aber es gibt immer häufiger Gegenbeispiele, die genau das Gegenteil beweisen. Als sich gestern kurz vor 12 Uhr in der Redaktion die Frage stellte, ob denn nun wirklich eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tode endet, wurden zeitgleich um 11.46 Uhr zwei Telefonate geführt. Groß war die Hoffnung ehrlich gesagt nicht, dass es bei der Kommunalaufsicht im Rendsburger Kreishaus und beim Justizministerium in Kiel tatsächlich noch Auskünfte gibt - zumal diese Recherche erfordern würden.

Doch es kam anders: Beide Behörden nahmen die Fragen freundlich auf und antworteten einigen Stunden später ausführlich. Beamte, die freitags Punkt 12 Uhr den Griffel fallen lassen und sich ins Wochenende verabschieden? Nichts als üble Nachrede.

Ist das wirklich ein Hoffnungsschimmer oder wieder nur eine gut gemeinte Aktion, die irgendwann wirkungslos verpufft? Für die geplagten Standorte der Hertie-Ruinen soll nun eine Gesetztes-Initiative gestartet werden. Ziel: Die Stadt darf das Gebäude zum Marktpreis verkaufen, wenn es mindestens fünf Jahr leersteht.

Das würde für Rendsburg bedeuten: Noch knappe anderthalb Jahre, dann kann Bürgermeister Pierre Gilgenast das Haus verkaufen.

Diese Vorstellung aber ist leider pure Theorie. Wer kann schon voraussagen, ob und wann der Bundesrat entscheidet. Danach muss ein Investor gefunden werden, der die Ruine kauft. Und wie schwierig gerade in Rendsburg die Suche nach Investoren ist, zeigt das Beispiel Obereiderhafen.

Wir müssen uns wohl noch einige Zeit in Geduld üben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen