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Musik-Festival : Klanggemälde zum Geburtstagsfest

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Blomstedt zum 90.“ stand über dem Konzert des Schleswig-Holstein Musik-Festivals in der Rendsburger Christkirche. Am Pult vor dem NDR Elbphilharmonieorchester stand Star-Dirigent Herbert Blomstedt.

Wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag ist der Star-Dirigent Herbert Blomstedt bei einem Konzert des Schleswig-Holstein Musik-Festivals von den Zuhörern in der Rendsburger Christkirche mit Ovationen beschenkt worden. Die Besucher würdigten den Jubilar, der am 11. Juli Geburtstag gefeiert hatte, sowie das NDR-Elbphilharmonie-Orchester mit minutenlangem Applaus. Es erklang Anton Bruckners monumentale Sinfonie Nr. 5. Dem Werk des Komponisten fühlt sich Blomstedt, der als weltweit ältester noch aktiver Dirigent von internationalem Format gilt, seit Jahrzehnten besonders verbunden.

Dabei ist Bruckners Fünfte keine leichte Kost. Ein Werk mit extremen Herausforderungen an alle; besonders an den Mann am Pult. Herbert Blomstedt, der als einer der besten Bruckner-Dirigenten gilt, hat die Aufgabe auf faszinierende Weise gemeistert. Der Maestro lieferte von dem mehr zu ahnenden, als zu hörenden Anfang mit großer Ruhe – wie unter einer Lupe betrachtet – 75    Minuten Spannungsbogen als Geschichte eines Lebens. Magische Konzentration ging von der ersten Sekunde an von dem sitzend und auswendig dirigierenden Blomstedt aus. Das war ein scheinbar müheloser Kraftakt, mit gewaltigen Klängen, voller schwelgerischer Schönheit, die beim Zuhören aber auch Geduld erforderte. Immer dabei: Die Ahnung von Blomstedts schwedischer Muttersprache mit typisch sanglichem Verlauf und Betonungen, die auch deutlich in seinen Dirigier-Bewegungen sicht- und hörbar wurden. Bis ins letzte Detail durchleuchtete und betrachtete Blomstedt mit dem Orchester bis zum choralartigen Schluss die Sinfonie mit dem tröstenden und optimistischen Ende. Es entstand ein Klanggemälde besonderer Art und Eindringlichkeit. Auch durch die große Strahlkraft Blomstedts, der ohne Dirigierstab das Orchester „spielen“ ließ. Meist waren es zwei Finger seiner rechten Hand, denen deutliche Hör-Akzente folgten.

Hatte ihn das Publikum anfangs schon stehend mit Applaus begrüßt, kam zum Schluss bei ebenfalls stehend dargebrachten Ovationen noch verdiente Bewunderung dazu. Allerdings zeitlich viel zu früh: Sekunden des Aus- und Nachklingens waren den Zuhörern nicht vergönnt. Beifall und Bravo-Rufe ertönten schon in den letzten Klängen. Teilen des Publikums fehlte genau die Gelassenheit, die Blomstedt zuvor deutlich gezeigt hatte und es fehlte ihnen auch die Ruhe abzuwarten, bis der Dirigent das Ende der Sinfonie anzeigte. Schade. Wenige Sekunden später hätte die Anerkennung besser gepasst. Verdient war sie allemal.

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erstellt am 17.Jul.2017 | 10:51 Uhr

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