SHMF : Klangerlebnis der Extraklasse

Die vier Musiker des Hornquartetts „german hornsound“ überzeugten das Publikum. Fotos: Frank (3)
1 von 3
Die vier Musiker des Hornquartetts „german hornsound“ überzeugten das Publikum. Fotos: Frank (3)

Kammerphilharmonie Bremen begeistert in der Christkirche. Vor dem Konzert probten die Musiker an der freien Luft.

shz.de von
05. August 2018, 11:48 Uhr

Rendsburg | Robert Schumanns Sinfonien stehen selten auf Konzertprogrammen. Umso erfreulicher, dass im Rahmen der Komponistenporträts im Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF) alle vier aufgeführt werden. Als Abschluss einer Reihe aus drei Konzerten an verschiedenen Orten erklang die Vierte als Krönung des Abends in der voll besetzten Christkirche. Es spielte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung des estnisch-amerikanischen Dirigenten Paavo Järvi.

Zuerst die Ouvertüre zu „Hermann und Dorothea“, in der das Thema der „Marseillaise“ eine wichtige Rolle einnimmt. Danach das Konzertstück für vier Hörner und Orchester Opus 86. Die Klänge eines Horns üben schon eine besondere Faszination aus. Vier erst recht. Besonders, wenn sie so geblasen werden wie vom „german hornsound“: Das war Können und Emotionen pur. Nichts mehr zu spüren vom Wagnis oder der Furcht vor „Kieksern“ des sensiblen Instruments.

Die Sinfonie dirigierte Paavo Järvi auswendig. Sicht- und hörbar die Spielfreude und Lebendigkeit, mit der die Musiker spielten. Eine wogende Menge von Menschen und Instrumenten, durch die Robert Schumanns Sinfonie zum nach- und mitfühlbaren Klangerlebnis wurde. Zusammenspiel und Zusammenklang: Vorbildlich. Die groß besetzte Kammerphilharmonie bot auch ein Lehrstück über die Kraft der Gleichzeitigkeit: Alle hätten auch auf Hockern sitzend spielen können, denn die Rückenlehnen ihrer Stühle blieben ungenutzt. Bis zum furiosen Ende der Sinfonie spielten sie mit voller Kraft, Empfindsamkeit und Energie, die man – wie im letzten Satz – eher von einem wütenden Beethoven als dem sensiblen Romantiker Robert Schumann vermuten würde.

Stehender Applaus, eine Zugabe: Der Arabische Tanz aus Peter Tschaikowskys Nussknacker-Suite: Entspannende orientalische Stimmung. Fünf Minuten heile Welt bei feinsten Edelklängen. Unvergesslich nach diesem explosiven Schluss des letzten Satzes der Schumann-Sinfonie. Mit großer Ruhe zeigten die Bremer die Macht der Stille: Einmal fast unhörbar, dennoch deutlich spürbare Verzauberung. Wenn alles vorher schon meisterhaft war, war das doch die wahre Krönung des Abends. Unvergesslich auch die magische Wirkung aus Harmonie und Stille nach dem Ausklingen des letzten Tones. Danach wenige Sekunden Pause. Gefühlt eine kurze Ewigkeit, bis die Stundenglocke ertönte und den Beifall freigab. Einzigartig, dieses Zusammenspiel unsichtbarer Mächte. Passte bestens und war mit himmlischer Unterstützung einmalig gut gelungen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen