Rendsburg : Kita-Kinder stürmen das Büro des Bürgermeisters

Am Montagmorgen strömten zahlreiche Eltern mit ihren Kindern ins Rathaus. Sie fordern mehr Unterstützung von der Stadt.
Am Montagmorgen strömten zahlreiche Eltern mit ihren Kindern ins Rathaus. Sie fordern mehr Unterstützung von der Stadt.

Streik der Erzieher: Eltern fordern schnelle Lösung von der Stadt. Drei Kindergärten ab heute geschlossen.

shz.de von
19. Mai 2015, 06:00 Uhr

Rendsburg | Die Mitarbeiter im Rendsburger Rathaus staunten nicht schlecht, als gestern Morgen etwa 60 Eltern und Kinder in das Gebäude marschierten. „Wo, bitte, können wir unsere Kinder hier abgeben?“, fragte Familienvater Robert Mandic die Dame am Empfang. Ein ratloser Blick – dann schickte sie die aufgewühlte Gruppe in den ersten Stock. Dort versammelten sich Eltern und Kinder im Büro des Bürgermeisters, um ihn zur Rede zu stellen. Die Betroffenen wollten wissen, wie ihre Kinder während des Streiks betreut werden können und ob man ihnen die Kita-Gebühren erstattet.

Im Büro stießen die Eltern und Kinder zunächst auf Sekretärin Adelheid Kulp, die ihren Vorgesetzten sofort anrief. Pierre Gilgenast erreichte die Nachricht von dem Menschenauflauf in seinem Büro auf dem Weg zu einem Termin. Diesen sagte er sofort ab, um sich den Fragen der Eltern zu stellen.

„Die Stadt muss kurzfristig, unbürokratisch und schnell agieren“, so die Meinung von Mandic, der in der Elternvertretung der Kita Butterberg aktiv ist. Die Informationspolitik sei bisher ungenügend, über Notgruppen würde zu spät informiert. Und die Platzvergabe nach dem „Windhundprinzip“ sei gegenüber berufstätigen Eltern nicht fair, machte er deutlich. Für dieses Argument bekam der Familienvater reichlich Zustimmung von den anderen Eltern. Gilgenast versuchte sich inmitten von Kindergeschrei und aufgeregten Vätern und Müttern Gehör zu verschaffen. „Natürlich ist die Situation für Sie unbefriedigend“, bemühte er sich, die Gruppe zu beruhigen. „Für uns ist das auch eine große Herausforderung. Wir wünschen uns auch eine schnelle, faire Lösung.“ Aktionen wie diese seien seiner Meinung nach ein wichtiges Zeichen, um den Tarifparteien zu zeigen, dass sich schnell etwas ändern müsse.

Die Stadt versuche derzeit, mehr Tagesmütter zur Unterstützung zu bekommen und auf der Internetseite www.rendsburg.de Informationen zu den Notgruppen bereitzustellen, so Gilgenast. Weiter soll geprüft werden, inwieweit Eltern selbst eine Betreuung in den Räumen der Kita organisieren dürfen und ob Kinder in anderen Einrichtungen betreut werden können.

Für die Eltern bleibt die Situation erst einmal unbefriedigend, sie wissen nicht mehr, wohin mit den Kleinen. Annika Robert, Ärztin in der Imland-Klinik, spannt die Großeltern ein, die dafür eine Fahrzeit von fünf Stunden auf sich nehmen müssen. Und Hausfrau Eileen Thomsen hat zwar keinen Druck vom Arbeitgeber zu spüren bekommen, dafür aber ein völlig unausgelastetes Kind zu Hause sitzen. „Mein Sohn versteht nicht, warum er nicht in die Kita darf und vermisst seine Freunde.“

Viele fordern inzwischen auch die Gebühren zurück. „Wir zahlen 450 Euro plus 56 Euro Essensgeld im Monat“, berichtete Jessica Schenk von der Kita Neuwerk. Da sie jetzt zu Hause für die zweijährige Lucy kochen muss, bezahlt sie sogar doppelt. Selbstständige Eltern wie Robert Mandic haben noch mehr Kosten: „Ich bin in der Gastronomie tätig und stelle jetzt mehr Personal ein, weil ich auf meinen Sohn aufpassen muss.“

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