Waldkindergarten : Kita-Hütte wird zum Landtagsthema

<p>Die 'Tummetotts', Eltern und Erzieherinnen hoffen auf eine schnelle Lösung durch die Politik.</p>

Die "Tummetotts", Eltern und Erzieherinnen hoffen auf eine schnelle Lösung durch die Politik.

Der Bau eines Witterungsschutzes für den Waldkindergarten soll nicht länger an Vorschriften scheitern. Die CDU fordert die Regierung zum Handeln auf.

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29. Januar 2017, 14:18 Uhr

Der Waldkindergarten „Die Tummetotts“ rückt in den Fokus der Landespolitik. Anlass ist die Entscheidung der Stadt Rendsburg, den derzeit 16 Waldkindern eine Schutzhütte zu verweigern. Die Stadt begründet ihre Ablehnung mit Landesvorschriften. Das hat die Parteien alarmiert. Sie setzen sich dafür ein, dass die Schaffung eines Witterungsschutzes nicht an bürokratischen Vorgaben scheitert. Der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Dolgner will über eine Kleine Anfrage an die Landesregierung herausfinden, wo die Stolpersteine liegen. Die CDU geht noch einen Schritt weiter: Landtagsabgeordneter Hans Hinrich Neve kündigte an, das Thema im Februar auf die Tagesordnung des Landtages zu setzen.

Neve besuchte gestern die „Tummetotts“ im Gerhardshain. „Die fühlen sich da pudelwohl“, sagte er im Anschluss und lobte das pädagogische Konzept. „Das Spielen im Wald macht die Kinder deutlich robuster.“ Er zeigte Verständnis für den Wunsch des Waldkindergartens, eine Schutzhütte zu errichten, betonte allerdings auch, dass die Stadt das Anliegen habe ablehnen müssen: „Die Stadt kann gar nicht anders handeln, weil das Land den Paragraphen 35 des Baugesetzbuches so streng auslegt.“ In diesem Paragraphen ist geregelt, was in einem Wald oder auf einer Wiese gebaut werden darf, zum Beispiel Einrichtungen für forst- und landwirtschaftliche Zwecke. Die Energiewirtschaft hat ebenfalls eine Fülle an Optionen. Möglich seien auch Einrichtungen für „sonstige Zwecke“. Letzteres wäre ein Ansatzpunkt für den Waldkindergarten, wenn es nicht einen sogenannten „Klarstellungserlass“ gäbe, den das Innenministerium im Jahr 2014 formuliert hat. Dieser schließt praktisch aus, dass Kindergärten den Paragraphen 35 für sich nutzen könnten. Selbst zur Unterkunft umgebaute Bauwagen sind im Wald seitdem nicht mehr erlaubt.

Neve sieht Handlungsbedarf, nicht zuletzt weil nahezu alle Wald- und Naturkindergärten im Land betroffen sind. Seine Forderung: Die Landesregierung muss den Klarstellungserlass zurückziehen. Bauwagen sollten nicht mehr als „bauliche Anlage“, sondern als „temporärer Unterschlupf“ betrachtet werden.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Dolgner hat „mit Bedauern von der Nichtgenehmigung aus der Presse erfahren.“ Rendsburg sei mit dem Problem nicht allein. Er lässt prüfen, ob der ablehnende Bescheid zur Schutzhütte auf die Rechtsauslegung des Landes zurückzuführen ist. In ähnlich gelagerten Fällen im Land seien es Bundesgesetze gewesen, die eine Genehmigung verhinderten, so Dolgner: „Auch hier scheint es ja wieder einmal das Bundesbaugesetzbuch und das Bundesnaturschutzrecht zu sein. Deshalb werde ich dafür werben, dass Schleswig-Holstein eine Bundesratsinitiative startet, das Bundesbaugesetzbuch entsprechend zu ändern.“

Bürgermeister Pierre Gilgenast hat sich für die kommende Woche im Innenministerium einen Termin geben lassen. Er will das Problem mit den zuständigen Beamten erörtern und über Lösungen diskutieren. „Alle Beteiligten müssen doch ein Interesse daran haben, weitere Kindergartenplätze zu schaffen.“ Er erwartet vom Land ein klares Bekenntnis zu den Waldkindergärten. In der Konsequenz müssten die Vorschriften so angepasst werden, dass für die Kinder ein Unterschlupf zur Verfügung gestellt werden kann.

Martin Richter-Sojka, Vorsitzender des Waldkindergarten-Vereins „Kind und Demokratie“, freut sich darüber, „dass das Thema jetzt so viele Zuhörer findet.“ In die Debatte sei Schwung gekommen. Seine Hoffnung auf eine „möglichst schnelle Lösung“ ist größer geworden.

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