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Landeszeitung

17. August 2017 | 02:02 Uhr

Kirchenmusik mit vollem Körpereinsatz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

50 Konzerte, finanziert durch Spenden des Publikums, sind ein Zeichen für Qualität, großes Interesse an außergewöhnlichen Programmen und Vertrauen zu den St. Marien-Kirchenmusikern. Für das Jubiläumskonzert der „Stunde der Kirchenmusik“ hatte Volker Linhardt keinen Aufwand gescheut und mit dem Hornung & Møller-Flügel sowie dem Alexandre-Kunstharmonium zwei historische Instrumenten-Originale in die Marienkirche bringen lassen.

50 Konzerte, finanziert durch Spenden des Publikums, sind ein Zeichen für Qualität, großes Interesse an außergewöhnlichen Programmen und Vertrauen zu den St. Marien-Kirchenmusikern. Für das Jubiläumskonzert der „Stunde der Kirchenmusik“ hatte Volker Linhardt keinen Aufwand gescheut und mit dem Hornung & Møller-Flügel sowie dem Alexandre-Kunstharmonium zwei historische Instrumenten-Originale in die Marienkirche bringen lassen. Damit nicht genug, hatte er mit Paul Taubitz und Roman Reichel noch zwei ausgezeichnete Pianisten engagiert.

Zusätzlich zeigte Volker Linhardt vollen Körpereinsatz. Weil das Kunstharmonium nicht über einen Motor verfügt, mussten die beiden Blasebälge während des Spiels von ihm getreten werden. Das funktionierte bestens auf Strumpfsocken, „da habe ich ein besseres Gefühl.“ Die Art des Tons bestimmte Linhardt mit der Wahl der Register, wobei er mit den Knien noch zwei Jalousieschweller bediente, um die Lautstärke zu verändern. Unter alldem durften seine Tastenkünste nicht leiden – ihretwegen war man ja ins Konzert gekommen.

100 Jahre zurück in die Vergangenheit – altes Haus, alte Instrumente, alte Musik. Nur die Interpreten und einer der Komponisten waren jünger. Andreas Willschers (Jahrgang 1955) drei Stücke zu Pastellen von Eugène Boudin erlebten sogar ihre Uraufführung: Das interessierte Publikum lauschte genau auf den Ausdruck und die Wirkung dieser Musik, und konnte anhand der ins Programmheft eingelegten Farbkopien selbst nachfühlen, wie Bild und Musik in den drei kurzen Stücken zusammenpassten. Das war Bestens gelungen!

Mit vor einem Jahrhundert entstandenen Werken, interpretiert auf zeitgenössischen Instrumenten im ältesten Gebäude Rendsburgs gelang eine Fantasiereise rückwärts, wie man sie nur ganz selten erleben kann. Wenn sie dann noch mit einer absolut passenden Bearbeitung des ersten Satzes der „Mondscheinsonate“ Ludwig van Beethovens endet, sind Glücksgefühle und Zufriedenheit der Konzertbesucher kaum noch steigerbar.

Der Wiener Adolf Wallnöfer (1854 - 1946), in Linhardts Heimatstadt Bayreuth als Tenor und Wagner-Spezialist bekannt, sorgte mit der „Méditation über das Adagio aus Beethoven’s Sonate in Cis moll“, in der ein zusätzlich eingefügtes Instrument „Violine, Violoncell, A-Clarinette oder Horn“ eine weitere Stimme spielt. Die Rolle dieses Solo-Instrumentes hatte Volker Linhardt mit dem Kunstharmonium übernommen. Es wurde zum Traumstück dieses Konzerts. „Schön!“, „Gerne wiederhören“ war danach das einhellige Urteil des in schönste Mondscheinträume verführten Publikums. Damit ist auch die Erwartung auf weitere Stunden der Kirchenmusik in St. Marien berechtigt. Das nächste Jubiläum kommt bestimmt.


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erstellt am 02.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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