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Leben in Krisengebieten : Kinderwünsche aus dem Irak

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schüler aus den Flüchtlingscamps im Krisengebiet schrieben Botschaften an ihre Rendsburger Altersgenossen.

Wie sieht das Leben von Kindern in Krisengebieten aus? Was wünschen sie sich? Gehen sie zur Schule? Fragen, mit denen sich die Klasse 8e des Helene-Lange-Gymnasiums (Hela) beschäftigte – und auf die sie Antwort erhielten: Neuntklässler aus dem Irak teilten ihnen in Briefen ihre größten Wünsche mit.

Silwa schrieb: „Wir brauchen Schultische, Lehrer und Bücher. Unsere Klasse ist zu eng.“

Die Botschaften brachte der Rendsburger Dr. Martin Klopf aus dem Norden Iraks mit nach Rendsburg zurück. Der HNO-Arzt war bereits mehrfach in dem Gebiet, das sich unter kurdischer Kontrolle befindet. Klopf leistete in Flüchtlingscamps ärztliche Hilfe und verteilte Spenden (wir berichteten). Unter anderem von den Schülern der 8e. Sie stellten Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Im Gegenzug erhielt der Mediziner neben dem Dank der Iraker Schüler eben jene Briefe.

Miasa schrieb: „Wir haben wenig Unterrichtszeit. Und wir sind zu viele in der Klasse.“

Eineinhalb Stunden Unterricht erhalten die Kinder in den Flüchtlingslagern pro Tag. Er findet in völlig überfüllten Klassen statt, teils ohne Mobiliar. Die jungen Rendsburger waren überrascht, dass ihre irakischen Altersgenossen nicht forderten, der Krieg in ihrem Land möge endlich aufhören. Die Wünsche beziehen sich zum größten Teil auf das Leben in den Flüchtlingslagern. Und auf den Schulunterricht. „Bildung ist eben der Schlüssel für die Zukunft“, sagte Hela-Schüler Tilman Sievers (14), als Dr. Klopf der achten Klasse und Lehrerin Katja Bolte im Unterricht von seinen Auslandseinsätzen berichtete.

Zeada schrieb: „Wir wollen mit der Schule nicht in Zelte umziehen.“

Das Gebiet, das Klopf besucht hat, sei zwar sicher vor Angriffen, wie er sagt. Verschiedene Glaubensrichtungen würden hier akzeptiert, weshalb zahlreiche Menschen aus dem Rest des Landes vor dem IS in das Gebiet geflohen seien. Doch die Flüchtlinge besitzen fast nichts. „20  000 Menschen leben in Zelten.“ Erstauntes Raunen ging durch die Klasse. Angesichts der Not war der Mediziner vom Einfallsreichtum der Menschen im täglichen Überleben überrascht. Von ihrer Gastfreundschaft – und von der Fröhlichkeit und Neugier trotz schrecklicher Erfahrungen. Was der 8e auch auffiel: In keinem der zwölf Briefe wird der Wunsch geäußert, das Land zu verlassen. Die jungen Verfasser wollen lieber zurück in ihre Heimat.

Faisal Mirza schrieb: „Mein einziger Wunsch ist: Zurück nach Shingal. Ich will die Erde von Shingal riechen. Shingal ist meine einzige Mutter. Ich denke die ganze Nacht an sie.“


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erstellt am 03.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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