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Kinder-Garten Museums-Irrsinn Frage-Stunde

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung


Es muss eine großartige Aufgabe sein, einen Kindergarten planen zu dürfen. Man schafft Spiellandschaften, legt einen Abenteuergarten an, kann eine Einrichtung organisieren, die den Bedürfnissen der Kleinen gerecht wird – wunderbar. Doch diese Sicht auf die Dinge ist leider naiv und träumerisch. Sie hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Begeben wir uns also direkt in den real existierenden Verwaltungs-Dschungel, der eine kreative Kindergartenplanung in einen anstrengenden bürokratischen Akt verwandelt. So soll im neuen Wohngebiet Eiderkaserne eine Kindertagesstätte für vier Gruppen entstehen. Die BIG-Städtebau hat für das Rathaus ein Gebäudekonzept entwickelt. Es entspricht selbstverständlich den aktuellen Anforderungen an Hygiene, Kindeswohl, Umgang mit chemischen Produkten, Arbeitssicherheit, Erholungsbedürfnissen der Mitarbeiter sowie Therapiemöglichkeiten für die Kinder. 541 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur Verfügung. Doch davon sind lediglich 160 bis 200 Quadratmeter für vier Gruppenräume vorgesehen, in denen gespielt werden darf. Der Rest der insgesamt 37 Räume (!) muss unter anderem auf Abstellkammern, Toiletten, Garderoben, Besprechungszimmer, Technikräume, einen Parkplatz für Kinderwagen, einen Putzmittelraum, exakt definierte Windfänge und einen gesonderten Bereich für Hygieneartikel verteilt werden. Wohlgemerkt, es ist alles gesetzeskonform. Fehlt nur noch eine Gummizelle für den verrückt gewordenen Planer.

Dr. Martin Westphal, Leiter der städtischen Museen im Kulturzentrum, ist unser Held der Woche. Obwohl ihm sein Arbeitgeber immer wieder Knüppel zwischen die Beine wirft, wird Westphal nicht müde, in schöner Regelmäßigkeit neue Ausstellungen zu organisieren oder den Gottorfern stets für eine gewisse Zeit das Fragment der Rendsburger Gutenberg-Bibel abzuluchsen. Die jüngste Attacke aus dem Rathaus: Westphal entwickelte ein modernes und wahrscheinlich publikumsträchtiges neues Ausstellungskonzept, und die Mannen von Bürgermeister Pierre Gilgenast schlagen der Politik im Gegenzug Stellenstreichungen vor. Selbstverständlich hat man darüber mit Westphal vorher nicht gesprochen. Warum auch? Im Rathaus wollte man sich wohl nicht unnötig mit Fachwissen belasten. Dort zählen nur Zahlen: Der Landesrechnungshof hat das hohe Defizit des Museums bemängelt, also wird der Rotstift angesetzt. Das geschieht auf eine so herrlich hilflose Weise, dass man gar nicht weiß, ob man darüber lachen oder weinen soll. Die Streichliste umfasst das gesamte Kassenpersonal. Dann hätte das Museum gar keine Einnahmen mehr – und ein noch größeres Defizit.

Auf die Stimme des Volkes zu hören, ist für Politiker wichtig. Das sagen sie immer. Die Bürger sollen mitreden können. Dafür wurde die Einwohnerfragestunde eingeführt. Auf jeder Tagesordnung der städtischen Gremien steht sie ganz weit oben, gleich nach der obligatorischen Begrüßung und der „Feststellung der Richtigkeit des Protokolls“. Burkhard Tesche, Vorsitzender des Fördervereins für die städtischen Museen, wollte dieses Forum neulich im Kulturausschuss nutzen, um auf die Folgen der geplanten Stellenstreichungen im Museum hinzuweisen. Doch von seinen fünf Fragen wurde laut Protokoll nur eine beantwortet, eine andere nahm man „zur Kenntnis“, bei einer dritten wurde auf die weitere Sitzung verwiesen. Dass Tesche sich darüber ärgert, ist verständlich. Er reagierte mit Spott. „Der Tagesordnungspunkt sollte in Einwohnerfrage- und Antwortstunde umbenannt werden.“

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