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Westerrönfeld : Kinder entwischt: Zaun-Zoff in der Kita Zauberwald

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eltern fordern höhere Begrenzung, aber das Amt sieht keinen Handlungsbedarf.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 10:23 Uhr

„Kinder brauchen Grenzen“ steht am Eingangstor der Kita „Zauberwald“. Doch was den Zaun angeht, scheinen diese Grenzen nicht allzu schwer zu überwinden zu sein. Zwei Jungen sind vor etwa drei Wochen über die Begrenzung geklettert und abgehauen. Es soll nicht der einzige Vorfall dieser Art in der Einrichtung gewesen sein. Betroffene Eltern machen eine zu geringe Höhe des Drahtgeflechts verantwortlich und fordern Amt und Gemeinde zum Handeln auf. Doch diese Behörden verweisen darauf, dass die Mindesthöhe von einem Meter eingehalten wird und daher kein Handlungsbedarf besteht. Trotzdem wird sich nach Auskunft von Westerrönfelds Bürgermeister Hans-Otto Schülldorf nun ein Ausschuss mit dem Thema befassen.

Marcel Becker kann nicht nachvollziehen, dass die offiziellen Stellen sich nicht stärker für die Sicherheit der Kinder im „Zauberwald“ einsetzen. Er hat Angst um seine Tochter Leonie. Die Vierjährige ist Teil der Gruppe, aus der Ben Lukas (4) gemeinsam mit einem Spielkameraden vor zirka drei Wochen ausgebüxt ist. Die beiden haben einen benachbarten Spielplatz angesteuert. Um diesen zu erreichen, muss man eine viel befahrene Straße überqueren. Über eine Stunde sollen sie weg gewesen sein. Bei einem Elternabend Ende September ist nach Beckers Angabe zudem herausgekommen, dass es bereits im vorigen Jahr mehrere solcher Vorfälle gegeben habe. Becker hat Angst, dass auch seine Tochter entwischt und auf einer Straße oder im nahegelegenen Kanal verunglückt. Becker hat sich bereits an die Behörden gewandt. Doch diese berufen sich „die ganze Zeit“ darauf, dass die Begrenzung den Vorgaben entspricht und dass ein neuer Zaun sowieso „zu teuer“ sei, klagt er. Leonies Mutter Jasmin Lüders ist erbost: „Die können sich ja aussuchen, was teurer ist: Ein neuer Zaun oder die Prozesskosten, wenn etwas passiert.“

Marcel Rohwer, Leiter des Fachbereichs Innere Dienste im Amt Jevenstedt, der unter anderem für die kommunalen Kindertagesstätten zuständig ist, teilt auf Anfrage mit, dass der Zaun der Kita „Zauberwald“ die maßgeblichen Richtlinien der Unfallkasse Nord erfüllt. Diese schreiben eine Höhe von einem Meter vor. „Dass so etwas passiert, ist tragisch“, kommentiert Rohwer die erfolgreiche Flucht der Jungen. Weitere Fälle entlaufener Kinder sind ihm aber nicht bekannt. Er vermutet, dass die Jungen ein Spielgerät als Leiter benutzt haben, um die Begrenzung zu überwinden. Das Betreuungspersonal ist seiner Meinung nach in dem konkreten Fall der Aufsichtspflicht „nicht gut nachgekommen“.

Die Heimaufsicht des Kreises schreibt keine Mindesthöhe für Kita-Begrenzungen vor. Empfohlen werden 90 bis 100 Zentimeter, teilte Kreissprecher Martin Schmedtje auf Anfrage mit. Mit Hilfe eines Zollstocks kann man feststellen, dass dies im „Zauberwald“ eingehalten wird.

Eine Erhöhung des Zauns würde aus Sicht von Westerrönfelds Bürgermeister Hans-Otto Schülldorf nichts bringen, sondern wäre sogar kontraproduktiv. Die Kinder würden auch über einen höheren Zaun klettern und sich wegen der größeren Fallhöhe dann zusätzlich noch verletzen. Schülldorf betont, dass es nie „hundertprozentige Sicherheit“ gibt. Er sieht „keinen großen Handlungsbedarf“, schlägt aber vor, an der Stelle, an der die Jungen die Begrenzung mutmaßlich überwunden haben, das Gebüsch zu schneiden, damit die Betreuer leichter bemerken können, wenn Kinder versuchen, sich vom Gelände zu entfernen.

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