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Mastbrook : Kinder bringen neue Ideen in ihren Stadtteil

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Künstlerin leitete Projekt der Grundschule Mastbrook.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2016 | 17:02 Uhr

Das Ostlandhaus ist so hässlich und grau. Das könnte man doch viel bunter machen. Gesagt getan im Projektunterricht „Ich und Du im Stadtteil Mastbrook“ an der Grundschule Mastbrook. In den vergangenen fünf Wochen schauten sich die 21 Schüler der Klasse 3b zusammen mit der Künstlerin Manuela Rathje ihr Stadtviertel an, überlegten, was man verbessern kann, und malten anschließend ihre Vorstellungen auf Papier.

Zunächst einmal hieß es, an den insgesamt vier Terminen im Februar die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. Eric-Justin Vogt (9) war ganz überrascht vom Geruch, den Moos verströmt. „Das hat richtig nach Wald und Mutter Natur gerochen“, freut er sich. Die Schüler schauten sich Straßen und Häuser an, befühlten das raue Gestein von Skulpturen, strichen durchs feuchte Gras. „Ich fand es toll, dass wir mal draußen waren und so viele Dinge erlebt haben“, sagt Artemis Angelouli (9). „Die Kinder setzen sich mit dem Ort, in dem sie leben und sich bewegen, auseinander“, erklärt Manuela Rathje enthusiastisch. Das sei nicht allen sofort leicht gefallen. „Auch mal die Augen zu schließen, die Kontrolle abzugeben, macht eben auch Angst.“

Manuela Rathje bietet regelmäßig Mal-Kurse und -Workshops unter anderem für Kinder an: in ihrem Atelier Manou in Flintbek oder auch an Schulen. Ihre Projekte leitet sie nach dem unter dem Stichwort BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) bekannten Prinzip. Dabei soll den Schülern selbstständiges und zukunftsorientiertes Denken und Handeln vermittelt werden. „Die Kinder fühlen sich ernst genommen mit dem, was sie erreichen. Sie merken: Ich kann etwas bewegen. Das stärkt auch ihr Selbstwertgefühl.“

Nach anfänglichem Zögern wurden die Drittklässler schnell warm mit dem Thema – spätestens als es daran ging, die gesammelten Eindrücke künstlerisch zu verarbeiten. „Ich konnte gar nicht so viel Papier heranschaffen, wie die Kinder verbrauchten“, sagt die begeisterte Klassenlehrerin Mechthild Gierse-Schmidt. Auf ihren Bildern, die die Kinder neben Farbe mit Mehl, Schnüren, Kartoffelnetzen und Papierfetzen gestalteten, erneuerten sie hässliche Hochhausfassaden, setzten einen Spielplatz und Skateboardpark auf das ehemalige Kasernengelände, malten den tristen Zaun rund herum bunt an oder reparierten einen kaputten Kaugummi-Automaten.

Nicht alle Werke wurden so konkret. Viele kleine Künstler lebten auch ganz abstrakt ihre Empfindungen aus. Eric-Justin etwa hat beim Malen „einfach an die Natur gedacht.“ Klassenlehrerin Gierse-Schmidt: „Es gab keine Noten. Alles war richtig, nichts war falsch. Kinder, die sonst Angst vorm weißen Blatt haben, haben ohne zu zögern angefangen zu arbeiten. Manche, die es sonst im Unterricht schwer haben, stellten fest: Ich kann hier etwas.“

Schulleiter Detlef Vogel ist bemüht, kulturell vielfältige Angebote an die Schule zu bringen. Erfolge in Mathematik und anderen Fächern seien wichtig. „Das Erproben der eigenen Person auf eine neue Art und Weise führt aber zu ganz anderen wertvollen Erfahrungen und Erfolgserlebnissen“, so Vogel. Auch ließen sich die Kinder mit Migrationshintergrund, deren Anteil an der Grundschule 65 Prozent beträgt, durch das gemeinsame künstlerische Tun sehr gut integrieren.

Die Künstlerin zieht ein durchweg positives Fazit: „Es war eine sehr gute Zusammenarbeit. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich so herzlich aufgenommen werde.“ Die Klassenlehrerin stimmt ihr zu: „Es war für mich und die Klasse eine ganz tolle Erfahrung.“


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