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Heimischer Rohstoff : Kiesunternehmer: „Wir sind keine Ausbeuter“

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Firmen wünschen sich Kompromissbereitschaft. Wirtschaft betont die Bedeutung der Vorkommen.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 11:08 Uhr

Ungeachtet seiner Entscheidung gegen den Kiesabbau im Schutzgebiet „Obere Eider“ (siehe Artikel rechts) bekennt Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer: „Der Kreis hat ein Interesse daran, dass die Rohstoffversorgung gesichert ist.“ Das deutliche Signal der Kiesunternehmen beim Treffen im Dezember 2013 im Kreishaus bewege ihn und seine Mitarbeiter durchaus. Damals ging es um zunehmende Schwierigkeiten beim Abbau hochwertigen Materials. Damit spricht er den Kiesabbauern aus dem Herzen – sie schätzen die Bedeutung für Arbeitsplätze und Baustellen in der Region als immens ein.

„Die besten Abbaugebiete sind mittlerweile erschöpft“, sagt Bernhard Zimmermann von der Firma Nissen in Lohe-Föhrden. Sowohl die Menge als auch die erforderliche Qualität sei in den insgesamt rund 60 Abbaugebieten im Kreis nicht mehr ausreichend vorhanden. Um Beton herzustellen, sei Körnung nötig. Die Steine müssen demnach mindestens zwei Millimeter im Durchmesser groß sein. „Für eine Tonne Körnung brauche ich heute viel mehr Land als früher“, beschreibt er die Situation. In den 1970er-Jahren sei ein Verbrauch von etwa zwei Hektar Land (20 000 Quadratmeter) für die Jahresmenge üblich gewesen, heute seien es zehn Hektar (100 000 Quadratmeter).

Eine wirtschaftliche Grube müsse schon aus 15 Prozent Körnung bestehen, der Rest sei Sand. Das Mischungsverhältnis von Beton betrage jedoch eins zu eins. In einer Grube entstünde also viel mehr Sand als nötig. Gute Betreiber vermarkten den laut Zimmermann umgehend, damit er sich nicht in der Grube sammelt und vom Wind in die Umgebung getragen wird. Das sei eine Maßnahme für ein gutes Miteinander mit den Anwohnern. Bei Nissen gehörten dazu aber auch moderne, geräuscharme Maschinen. Um den Schmutz auf ein Minimum zu reduzieren, verwende das Unternehmen unter anderem selbstreinigende Reifensysteme und Abdeckplanen auf den Kipplastern. „Wir werden oft als Ausbeuter dargestellt, dabei ist der ‚Wildwest-Abbau‘ der 60er- und 70er-Jahre vorbei“, sagt Zimmermann. „Wo wir Kies abbauen, hinterlassen wir Landschaften, wie sie die Natur nicht besser herstellen kann.“ Die Bildung von Rückstellungen für Rekultivierung sei selbstverständlich.

Schon jetzt spiele der Import eine zunehmende Rolle im Geschäft. „Kies wird überall gebraucht“, sagt Geschäftsführer Sönke Nissen. Aufträge über 100 000 Tonnen innerhalb kurzer Zeit kommen ihm zufolge durchaus vor, etwa für Windparks. „Das kann kein einzelnes Unternehmen liefern“, so Nissen. Wegen schwindender Vorkommen den Kies nur zu importieren, sei jedoch keine Lösung. Das Material müsse schließlich trotzdem transportiert werden, und das über weite Strecken. Hinzu komme der höhere Preis, der Bauvorhaben vor Ort teuer mache. Deshalb müsse den Unternehmen der Zugang zu den Vorkommen möglich gemacht werden.

Das sieht auch Rainer Bock so. Der Leiter der Zweigstelle Rendsburg der Industrie- und Handelskammer spricht bei Import-Kies aus Schottland, Schweden oder Russland von einer „katastrophalen Ökobilanz“. Heimischen Kies etwa für den Ausbau der A7 und der A20, für die Kanaltunnelsanierung und den NOK-Ausbau zu verwenden, garantiere nicht nur günstige Preise, sondern auch kurzfristige Verfügbarkeit. Zu spät angeliefertes Material verschleppe ganze Bauvorhaben. Zudem hingen an den Branchen Kies- und Sandabbau, Transportbeton und weiterer Baustoffe allein im Kreis etwa 700 Arbeitsplätze. Darin seien Straßen- und Brückenbau noch nicht enthalten, auch nicht die mittelbar abhängigen Arbeitsplätze. Letztendlich mache das Beispiel Grevenkrug klar: „Neue Abbaugebiete müssen jetzt erschlossen werden, denn die Verfahren dauern lange.“

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