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Gut Bossee : „Kieler Blechmusikanten“ – Revue mit alten Autos

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

13 alte Autos haben am Wochenende ihren großen Auftritt. „Die Kieler Blechmusikanten“ heißt das Stück, das den Fahrzeugen eine Stimme gibt. Idee und Realisation stammen von dem Projektkünstler Heinz Ratz.

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erstellt am 16.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Einen Auftrittsort zu finden, war für Heinz Ratz nicht ganz einfach. Schließlich holt er für seine aktuelle Inszenierung 13 Autos auf die Bühne, wenn auch nicht alle auf einmal. „Die Kieler Blechmusikanten“ heißt das Stück des Kieler Musikers, Schriftstellers und Projektkünstlers, mit dem sich die Theater deutschlandweit allerdings schwer tun. Ein Intendant schrieb ihm als einzige Reaktion: „Ich fahre Fahrrad“. An diesem Wochenende rollen die Autos in die Scheune von Gut Bossee (Kreis Rendsburg-Eckernförde), werden von einer aufwändigen Lichttechnik in Szene gesetzt und erzählen Geschichten, die die Autos als Spiegel ihrer Besitzer zeigen.

Der Titel weist bewusst Parallelen zu den „Bremer Stadtmusikanten“ auf. Genau wie die Tiere sollen Autos aufs Abstellgleis geschoben werden, obwohl sie noch leistungsfähig sind. „Sie sind Wegwerfprodukte geworden“, sagt Ratz. „Sie werden heute auf Zerfall gebaut. Man kann sie nicht mehr selbst reparieren. Das ist nicht kundenfreundlich.“

Dem Künstler geht es um das Thema Nachhaltigkeit, nachdem er sich in den vergangenen Jahren politisch engagiert hatte – unter anderem für Menschenrechte, Umweltschutz und Flüchtlinge. Mit seiner Band „Strom & Wasser“ hatte er mit Flüchtlingen eine CD aufgenommen. „Ich wollte das Thema in die Gesellschaft tragen zu einer Zeit, als sich noch niemand für die Situation der Flüchtlinge interessierte“, sagt Ratz.

Er hat viel von der Welt gesehen, hat in Saudi-Arabien, Peru und Deutschland gelebt, in insgesamt acht verschiedenen Ländern – und wohnt jetzt seit einigen Jahren in Kiel. „Freiwillig“, wie er sagt. „Ich habe in schönen Städten in Süddeutschland gelebt, aber es herrschte eine moralische Enge. Städte die nicht so schön sind, sind ehrlicher – so erscheint es mir.“ Jetzt, wo das Thema Flüchtlinge überall präsent ist, „da fühle ich mich nicht so gebraucht“.

Und Heinz Ratz hat noch eine poetische Seite. Von ihm stammen die Texte, die – elektronische – Musik von seinem Sohn Luca Seitz. Ratz und eine Kollegin werden den Autos ihre Stimme leihen, die übrigens auf eigenen Rädern in die Bosseer Scheune rollen. Alle sind angemeldet, versichert und werden regelmäßig vom Künstler gefahren. Erst hatte Ratz auf Schrottplätzen nach geeigneten Wagen für seine Revue gesucht. „Aber die dürfen nicht wiederverkauft werden, auch wenn sie nach einer Reparatur wieder funktionstüchtig wären.“ Dann hat er deutschlandweit den Gebrauchtwagenmarkt nach Modellen abgeklappert, die stellvertretend für ihre verschrotteten Kollegen sprechen sollen. Dabei hat er auch kleine Schätze entdeckt, wie einen seltenen Honda Prelude von 1981. „Das war ein Gebrauchsfahrzeug, das wurde nie gesammelt. Der Wagen hat 35 Jahre in der Garage gestanden, verborgen hinter lauter Gerümpel.“ Ein japanischer Händler wollte ihm den Wagen sogar abkaufen.

Zu den ersten Aufführungen der „Blechmusikanten“ in Bremen waren viele Männer im Publikum, die sonst nie ins Theater gehen würden. „Die Schrauber genauso wie die elitären Oldtimer-Fans“, so Ratz. Damit rechnet er auch in Bossee. Allerdings sollten sich die Zuschauer warm anziehen, denn die Scheune ist nur begrenzt beheizbar.


Aufführungen:

 

Freitag, 16. Oktober / Sonnabend, 17. Oktober / Sonntag, 18. Oktober, Einlass jeweils 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr. Karten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro. Ort: Gut Bossee, Westensee
Informationen: www.kieler-blech.de




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