Entscheidung des Kreistags : Kiel: „Die Stadtregionalbahn ist mausetot"

So hätte die Stadtregionalbahn durch die Kieler Olshausenstraße fahren können.
So hätte die Stadtregionalbahn durch die Kieler Olshausenstraße fahren können.

Keine Chance mehr für die Stadtregionalbahn Kiel? Nach dem Nein des Kreistags in Rendsburg zu Planungsmitteln sieht es so aus. Die Stadt Kiel und der Verkehrsminister bedauern das.

shz.de von
16. Dezember 2014, 13:05 Uhr

Rendsburg/Kiel | Dem umstrittenen Projekt einer Stadtregionalbahn (SRB) im Großraum Kiel droht das Aus. Rendsburg-Eckernfördes Kreistag hat den SPD-Antrag abgelehnt, für das 380-Millionen-Euro-Vorhaben Planungsmittel einzustellen.

Der Kreistag votierte bei zwei Enthaltungen mit 26 Ja- zu 20 Nein-Stimmen gegen eine Beteiligung. Vor der Abstimmung gab es eine Diskussion über den SPD-Antrag zur SRB.

Die Stadtregionalbahn sollte Kiel eng an die Nachbarkreise Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie an die Stadt Neumünster ankoppeln. Wegen Zweifeln am Kosten-Nutzen-Verhältnis gab es von Anfang an Kritik an dem Vorhaben. Sogar von einer „Bimmelbahn“ war die Rede.

Die CDU als größter Gegner der Bahn profitierte von der gespaltenen Grünen-Fraktion, die nicht geschlossen abstimmte.

Kreisvorsitzender Raoul Steckel etwa stimmte nicht zu: „Nur durch Busse kann die sternförmige Verbindung der kleinen Gemeinden mit den Zentren erreicht werden“, sagte er. Durch eine Bahn wären ihm zufolge weiter zu viele Orte vom Nahverkehr ausgeschlossen. Zudem befürchte er, dass durch die Verbindung nach Kiel zu viel Kaufkraft aus dem Kreis dorthin abfließe.

Die SPD hielt dagegen. Dr. Kai Dolgner, SPD-Fraktionsvorsitzender sagte: „Nur wenn man schnell nach Kiel kommt, ist es attraktiv, im Umland wohnen zu bleiben.“ Gudrun Rempe von den Grünen hingegen warb aus Gründen des Klimaschutzes für die Bahn. Fraktionsvorsitzender Armin Rösener enthielt sich der Stimme, obwohl auch er nicht von der SRB überzeugt ist. Ihm zufolge gibt es genug Möglichkeiten, aus Rendsburg-Eckernförde per Zug nach Kiel zu gelangen.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Verkehrsminister Reinhard Meyer (beide SPD) bedauerten die Entscheidung des Kreistages. „Der Beschluss des Kreistags ist ein Schlag ins Kontor für das nach wie vor sinnvolle Projekt der Stadtregionalbahn“, sagte Kämpfer der Deutschen Presse-Agentur. „Nun müssen wir mit allen Verantwortlichen auf Kommunal- und Landesebene klären, wie wir mit dieser neuen Lage umgehen.“

Es sei schade, dass es keinen vollständigen Zuspruch für das Projekt gibt, sagte Verkehrsminister Meyer. Ein solches Vorhaben müsse von allen betroffenen Kommunen gewollt werden. Sollte es doch noch entsprechende Entscheidungen geben, würde das Land auch zu seinen Unterstützungszusagen stehen. Meyer hatte angekündigt, das Land würde 44 Prozent des Defizits ausgleichen.

Der CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp forderte den Verkehrsminister auf, jetzt schnellstens 16 Millionen Euro umzuwidmen, die bisher aus Bundesmitteln bis 2016 für die Kieler Stadtregionalbahn vorgesehen sind. Das Geld müsse zügig für die Planung der S-Bahn-Linien 4 und 21 im Großraum Hamburg genutzt werden, sagte der Landtagsabgeordnete. „Dem Kreistag Rendsburg-Eckernförde sei Dank: Die grünen Blütenträume sind geplatzt“, kommentierte Arp.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt, sagte am Dienstag: „Die Stadtregionalbahn ist mausetot. Das sollten auch SPD und Grüne endlich einsehen. Diese Bahn ist zwar an sich eine gute Idee und ein schönes Projekt für die Region, aber das große Problem bleiben die hohen Kosten und die mehr als wackelige Finanzierung.“

Im Moment ist es unklar, wie und ob es mit dem Projekt weitergeht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen