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Landeszeitung

24. September 2017 | 21:36 Uhr

khl Urteil

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Kirchengemeinde Hademarschen hat einen vor zweieinhalb Jahren gestarteten Prozess am Landgericht Kiel gewonnen. Die Richter haben verkündet, dass die Architekten des Kirchenwiederaufbaus für alle aus einer falschen Mörtelwahl resultierenden Gebäudeschäden und dadurch notwendigen Sanierungsmaßnahmen haften müssen. Die Freude bei Pastorin Diana Krückmann und ihren Mitstreitern ist allerdings insofern noch gedämpft, als die verurteilten Planer jetzt einen Monat Zeit haben, ein Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht zu beantragen.

„Man sieht ja mit bloßem Auge, was die letzten Jahre und insbesondere der Regen angerichtet haben“, meint Pastorin Diana Krückmann mit Blick auf die tiefen Risse im Mauerwerk der St.-Severin-Kirche, „die Gebäudesubstanz verschlechtert sich immer mehr.“ Die schnellstmögliche Sanierung der maroden Mauern wäre dringend angeraten – aber noch kann die Kirchengemeinde nicht so richtig loslegen, denn eine nochmalige Verzögerung durch ein Berufungsverfahren ist zu befürchten.

Am 27. Dezember 2003 brannte das Gotteshaus bis auf seine mittelalterlichen Grundmauern nieder. Denkmalschutz und kirchliches Bauamt waren sich einig, dass diese Mauern beim Wiederaufbau unbedingt erhalten werden sollten. Nach einem Architektenwettbewerb begann der Neuaufbau 2005 mit einer Mauerwerksertüchtigung. Um die Mauern wieder tragfähig zu machen, wurde ihnen ein Spezialmörtel injiziert. Wie man heute weiß, orderte die vom Architekten beauftragte Baufirma damals aufgrund einer Produktbezeichnungsänderung einen falschen Verpressmörtel. Im Sommer 2007 wurde die Wiedereinweihung der St.-Severin-Kirche gefeiert – und schon 2008 bildeten sich erste Risse im Mauerwerk. Im April 2011 leitete die Kirchengemeinde ein Beweissicherungsverfahren ein. Die Risse nahmen so besorgniserregende Ausmaße an, dass das Kreisbauamt im Herbst 2013 anordnete, das Portal der Hademarscher Kirche zuzumauern. Seitdem finden keine Gottesdienste mehr in der St.-Severin-Kirche statt. Im September 2014 wurde das Beweissicherungsverfahren abgeschlossen. Pastorin Krückmann und ihr Kirchengemeinderat waren sich sicher: Der falsche Mörtel, der wie ein Hefeteig wirkt und das Mauerwerk von innen sprengt, ist schuld an dem Desaster. Weshalb der Kirchengemeinderat die Planer des Wiederaufbaus verklagte.

Der Prozess beim Landgericht Kiel begann im November 2014. Im Frühjahr 2016 beantragte das Gericht ein Gutachten, das klären sollte, ob die gleichen Mauerwerksschäden bei Verwendung des richtigen Mörtels vielleicht ebenfalls aufgetreten wären. Anfang November konnte die Kirchengemeinde den Befund der Experten vom „Tu Tech Innovations“-Zentrum (Hamburg) präsentieren, wonach „die Schäden in der Verfugung des Feldsteinmauerwerks der St.-Severin-Kirche in Hademarschen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht entstanden wären, wenn der Tubag HSV-p Verpressmörtel für gipshaltiges Mauerwerk verwendet worden wäre“ (wir berichteten). Ein halbes Jahr später hat das Landgericht Kiel nun ein für die Kirchengemeinde Hademarschen „sehr positives Urteil“ gefällt, wie Rechtsanwalt Dr. Jürgen Punke feststellt. Die Planer des Kirchenwiederaufbaus müssen für sämtliche Kosten aufkommen, die auf den fehlerhaften Mörteleinsatz zurückzuführen sind. „Die Planer haften als Gesamtschuldner für alle aus dem Fehler resultierenden Schäden sowie für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen“, führt Punke aus. Die Berufungsfrist betrage einen Monat. „Da können wir jetzt nur abwarten, ob die Gegenseite von diesem Rechtsmittel Gebrauch macht – ob es also eine weitere Verhandlungsrunde beim Oberlandesgericht in Schleswig gibt.“

„Die große Herausforderung für die Kirchengemeinde besteht jetzt darin, ein Sanierungskonzept zu entwickeln, das von dritter Seite nicht als Übermaß, sondern notwendige Maßnahme betrachtet wird“, erläutert der Rechtsanwalt aus Kiel: „Idealerweise sollte das Sanierungsprogramm schrittweise von einem neutralen Sachverständigen überwacht werden, der die ganze Maßnahme begleitet.“ „Es ist schön, dass sich das Gericht unsere Sicht der Dinge zu eigen gemacht hat“, vermerkt Pastorin Diana Krückmann. Eine nochmalige Verzögerung der Sanierungsmaßnahmen durch ein zwölf- bis 16-monatiges Berufungsverfahren wäre fatal, meint Doris Hedrich vom Kirchenkreis, denn es gelte nach wie vor: „Der Zustand des Gebäudes verbessert sich nicht – gerade am Westgiebel müsste man zeitnah handeln, damit die Folgeschäden nicht noch größer werden.“


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