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Rendsburg : Keiner bietet die Stadt-Flagge an

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Rendsburg-Fahne ist nur in Fockbek und im Internet erhältlich.

Frank Stäcker will Flagge zeigen, aber nicht irgendeine. Der 65-Jährige möchte an einem sechs Meter hohen Mast in seinem Garten am Bugenhagenweg (Mastbrook) eine Fahne mit dem Wappen von Rendsburg hissen. Immerhin sind er, sein Vater und sein Großvater väterlicherseits in der Stadt geboren. „Da identifiziert man sich mit Rendsburg. Da muss man mal irgendwann Flagge zeigen“, sagte er gestern. Außerdem will er einem Nachbarn Paroli bieten, der eine russische Fahne hochgezogen hat. Aber Stäcker musste feststellen: Kein einziger Laden in der Stadt führt ein Tuch mit dem Rendsburger Wappen. Es zeigt über silberfarbenen und blauen Wellen eine rote Ziegelburg, auf deren drei Türmen blaue Spitzdächer sitzen. In ihrem offenen Tor prangt das holsteinische Wappen, ein silberfarbenes Nesselblatt auf rotem Grund.

Stäcker hat auf seiner Suche etliche Geschäfte und Einrichtungen abgeklappert: die Tourist-Information am Altstädter Markt, das Rendsburger Rathaus, einen Bücherladen im Einkaufszentrum Eiderpark, den Bahnhofskiosk, das Warenhaus Famila und eine sogar eine Niederlassung der Bäckerei Steiskal. Aber niemand verkauft, was er sucht. „Sie kriegen eine HSV- und eine Bayern-München-Fahne, aber keine Stadtflagge. Das kann doch nicht sein!“, empörte sich der ehemalige Angestellte des Verkehrsministeriums in Kiel.

Stäcker entdeckte zwar im Internet einen Online-Handel in Hannover, der eine Rendsburger Flagge für etwa 50 Euro anbietet. „Aber ich will sie in Rendsburg kaufen“, sagt der 65-Jährige beharrlich. Die Firma Fahnen-Jensen in Fockbek führt Rendsburger Flaggen aus Hochglanzpolyester in Drei-Faden-Qualität in Größen von 60 mal 90 Zentimeter bis 1,50 Meter mal 2,50 Meter. Sie kosten 25 bis 100 Euro. „Das ist mir zu teuer“, befindet Stäcker. Er erstand in einem Outlet-Center einst eine Schleswig-Holstein-, eine Deutschland- und eine Nato-Fahne in der Größe von jeweils 1 Meter mal 1,50 Meter für fünf Euro pro Stück. Solch ein Angebot gebe es in Rendsburg nicht. Nicht einmal Aufkleber mit dem Stadtwappen seien erhältlich.

Dörte Riemer, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Rendsburger Rathaus, erläuterte, dass es sich bei Wappen um Hoheitszeichen handelt. Entsprechende Flaggen dürfen nur mit Genehmigung des Bürgermeisters hergestellt werden. Der Firma Fahnen-Jensen liegt nach eigener Aussage eine Erlaubnis vor. Im Rathaus werden die Flaggen aber nicht verkauft. Souvenirs gibt es in der Tourist-Information, die jedoch keine Fahnen führt. „Das ist das erste Mal, dass jemand danach fragt“, sagte Monika Heise, Geschäftsführerin des Vereins Tourismus Mittelholstein. Aufkleber mit dem Wappen gab es früher im Angebot. Inzwischen verkauft der Laden Sticker mit der Hochbrücke. Auf Schlüsselanhängern und Kugelschreibern prangt das Rendsburg-Logo in Rot und Blau, die stilisierte Eisenbahnbrücke über dem Kanal. Die Büdelsdorfer Verwaltung bot einst Flaggen zum Kauf an. Doch dort fiel die Nachfrage sehr gering aus.

Stäcker gibt nicht auf. Sein Fazit lautete gestern: „Herr Bürgermeister, nun sind Sie am Zug.“

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erstellt am 18.Jul.2017 | 12:26 Uhr

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