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Landeszeitung

14. Dezember 2017 | 15:57 Uhr

Keine Wende im Wohnmobil-Streit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Es bleibt dabei: Die Gemeinde Schacht-Audorf setzt die Betreiber der Stellplätze am Kanal vor die Tür

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 19:36 Uhr

Es bleibt beim politischen Beschluss aus dem Dezember, doch der Streit ist längst nicht beigelegt. So lautet das Fazit der mit Spannung erwarteten Sondersitzung der Gemeindevertretung von Schacht-Audorf gestern Abend. Mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde der gemeinsame Antrag von CDU und Wählergemeinschaft ASW, die kurz vor Weihnachten besiegelte Kündigung der Pächter des beliebten Wohnmobilplatzes am südlichen Kanalufer doch noch abzuwenden. Den Ausschlag gab das Ein-Sitz-Übergewicht der SPD-Fraktion im Ortsparlament.

Alle neun Sozialdemokraten hoben die Hand zum „Nein“, als darüber abgestimmt wurde, ob der entsprechende Beschluss vom 18. Dezember wieder aufgehoben werden soll. Im Gegensatz zur Sitzung im alten Jahr waren die Beratungen dieses Mal öffentlich. Mehr als 60 Bürger wohnten der Gemeindevertretung bei. Der Streit hatte zuvor über Schacht-Audorf hinaus Aufsehen erregt. Grund waren Vorwürfe einiger Gemeindevertreter an Bürgermeister Eckard Reese (SPD). Vor dem Beschluss im Dezember seien sie durch ihn bewusst nicht vollständig informiert worden. Den Gemeindevertretern habe Reese versichert, die Auflösung mit den Pächtern geschehe einvernehmlich, so die CDU-Fraktionsvorsitzende Beate Nielsen. Die Betreiber selbst hatten die Presse eingeschaltet, nachdem sie nach eigener Schilderung aus der „Gerüchteküche“ über die bevorstehende Kündigung erfahren hatten. Kai Eichstedt aus der Betreiberfamilie, deren Pachtvertrag nun zum 31. Mai ausläuft, untermauerte gestern diese Sichtweise: „Mit uns wurde niemals seitens des Bürgermeisters gesprochen. Wir sind vom Verhalten des Herrn Reese maßlos enttäuscht.“ Man habe in die Infrastruktur des Platzes investiert, die Steuerlast getragen und kaum Überschüsse erzielt. 2014 betrug das Plus nach seinen Angaben 3800 Euro. Beate Nielsen appellierte vor der Abstimmung, die Anlage in der Obhut der Familie Eichstedt zu belassen. „Wir haben ein Unternehmen, das diesen Platz fantastisch betreibt.“ Niemand könne so gut wirtschaften wir die Privatwirtschaft. Frank Dekarz (CDU) entschuldigte sich bei der Familie Eichstedt für das Dezember-Votum und argumentierte ähnlich: „Es ist nicht Sache der Gemeinde, einen solchen Platz zu betreiben, wenn die Möglichkeit besteht, auf dem freien Markt einen Bewerber zu bekommen.“ Dirk Hirsch, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Eiderkanal, wies darauf hin, dass die Gemeindeordnung es einer Kommune sehr wohl erlaube, in der Erholungswirtschaft selbst als Betreiber tätig zu werden. In vielen Tourismusorten sei das Praxis. Nach der Sitzung machte Kai Eichstedt seinem Ärger Luft: „Wir haben schon gedacht, dass es auf den Parteizwang hinausläuft. Es ist traurig, wie Politik so läuft.“ Man sei weiter zu Gesprächen über den Platz bereit, „aber nicht mit jedem Gemeindevertreter“.

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