Serie über Flüchtlinge in Rendsburg : Keine neue Heimat, aber ein neues Zuhause

Raisan Hameed präsentiert eine Auswahl seiner Werke.
Raisan Hameed präsentiert eine Auswahl seiner Werke.

Der Künstler Raisan Hameed flüchte vor der Gewalt aus dem Irak. In Rendsburg fand er Ruhe. Inzwischen studiert der 27-Jährige Grafik und Buchkunst in Leipzig.

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19. Oktober 2018, 20:47 Uhr

Rendsburg | Im Irak musste Raisan Hameed seine Leidenschaft zur Kunst aufgeben. Fanatische Anhänger des Islamischen Staates (IS) haben seine Werke missbilligt und zerstört – genauso wie die Universität, an welcher der heute 27-Jährige in Mossul studiert hatte. Inzwischen kann Hameed wieder malen, fotografieren, zeichnen und Skulpturen fertigen. Er hat in Deutschland eine zweite Chance bekommen und studiert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er möchte von seinen Mitbürgern nicht als Flüchtling abgestempelt, sondern in seiner neuen Heimat als Künstler ernst genommen werden.

Als Raisan Hameed vor drei Jahren mithilfe von Schleppern nach Deutschland geflohen ist, landete er schließlich im nördlichen Schleswig-Holstein. Dort habe er das erste Mal seit langem wieder erleben dürfen, was es bedeutet, frei zu sein. Er sei dankbar dafür, was die Menschen in der Region für ihn getan hätten. Er habe viel Unterstützung und Toleranz erfahren. Er konnte bei verschiedenen Projekten mitwirken, wie zum Beispiel bei der Theatergruppe des Rendsburger UTS „Szol Ha“. Noch immer kommt Hameed häufig zu Besuch in den Norden.

Doch Leipzig ist inzwischen sein neues Zuhause geworden. Seit September 2016 studiert er an der Hochschule. Er hat ein Stipendium von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommen und verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Fotografie-Aufträgen. „Ich habe eine eigene Steuernummer und alles, was dazu gehört. Das ist noch sehr neu für mich aber ein gutes Gefühl, wieder selber mein Geld zu verdienen“, sagt er. Sein Deutsch sei inzwischen sehr gut, trotzdem besucht er zwei Mal die Woche einen Sprachkursus. „Das Schreiben ist noch mein Problem. Lesen, Sprechen und Verstehen fällt mir deutlich leichter.“

Warum es ausgerechnet Ostdeutschland als neue Heimat sein sollte? Diese Frage musste er sich vor seinem Umzug nach Leipzig von mehreren Freunden anhören. Sie hätten ihn gewarnt, dass er dort besonders aufpassen müsse, wenn er allein unterwegs ist. „Ja, es sind viele unschöne Dinge in Sachsen passiert. Aber ich persönlich habe davon noch nichts mitbekommen. Ich bin auch viel unterwegs allein – bisher habe ich zum Glück noch nichts Schlimmes erleben müssen“, erzählt Hameed. Natürlich beobachte er aber das Geschehen in seiner Umgebung.

Ob er sich vorstellen könne, später wieder in den Irak zurückzukehren? Für Raisan Hameed ist und bleibt der Irak seine Heimat. Sollte es für ihn wieder möglich sein, dort als Künstler frei leben zu können, würde er wieder zurückgehen. Schließlich habe er Familie und Freunde dort. Sein größter Traum ist es, an der Hochschule in Mossul eine künstlerische Fakultät mitaufzubauen und eine eigene Ausstellung in Deutschland zu haben.
 

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