Modellschiffe : Keine Leerfahrt dank Tanker

Eine Figur des Seefahrer-Schutzheiligen Christophorus schmückte als Galionsfigur den Tanker. Der Bronzeguss war 6,5 Meter hoch und 5 Meter breit.
Eine Figur des Seefahrer-Schutzheiligen Christophorus schmückte als Galionsfigur den Tanker. Der Bronzeguss war 6,5 Meter hoch und 5 Meter breit.

Vom größten Schiff der deutschen Handelsmarine zum Auslaufmodell in 25 Jahren: die „Bertha Entz“

shz.de von
21. Januar 2015, 05:49 Uhr

Mehr als 100 Modelle zählen zum Bestand des Rendsburger Schifffahrtsarchivs – die Geschichte der markantesten Schiffe, ihrer Reeder und der Besatzungen erzählen wir in unserer Serie „Rendsburg maritim“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die zivile Schifffahrt in Deutschland danieder und den Neubau von Schiffen hatten die Siegermächte untersagt. Ab 1948 ging es jedoch wieder voran und nach dem Washingtoner Abkommen vom Frühjahr 1949 war, wenn auch mit Einschränkungen, der Schiffbau wieder erlaubt. Auch die Reederei der Firma Zerssen & Co. in Rendsburg nutzte die Gunst der Stunde zum Wiederaufbau ihrer Flotte und gründete im April 1950 als Zweigunternehmen die Thomas Entz Tanker GmbH.

Zwei Monate später nahm die Reederei mit einem 14    410 Tonnen tragenden Tankschiff, der „Elisabeth Entz“, den Betrieb auf. Als zweites Schiff kam die „Margot Entz“ am 4. Februar 1952 ein 1929 gebauter und 11  435 Tonnen tragender Tanker hinzu. Das dritte Schiff der Thomas Entz Tanker GmbH war ein Neubau der Kieler Howaldtswerke AG. Es hatte eine Tragfähigkeit von 21  954 Tonnen und wurde auf den Namen „Bertha Entz“ getauft. Beim Stapellauf am 27. November 1954 zerschellten drei Flaschen Sekt am Bug des Schiffes, denn es gab, abweichend von der Tradition, anstelle der einen Taufpatin gleich drei von ihnen. Es handelte sich dabei um die Schwestern des Reeders. Getauft wurde das Schiff auf den Namen der Mutter. Die Übergabe an die Reederei erfolgte am 5. Februar 1955.

Mit der Länge von 178,22 Metern, der Breite von 13,7 Metern, der Seitenhöhe von 13,7 Metern bis zum Hauptdeck und dem Tiefgang von 9,81 Metern war die „Bertha Entz“ ihrerzeit das größte Schiff der deutschen Handelsmarine und eines der modernsten weltweit. Ein 8000 PS starker MAN-Zweitakt-Achtzylinder-Motor verlieh ihr eine Geschwindigkeit von 15 Knoten. Eine Besonderheit stellte ein 6,5 Meter hoher und 5 Meter breiter Christophorus dar, der als Galionsfigur den Vordersteven zierte. Diese Figur des Schutzheiligen der Seefahrer war ein Bronzeguss der Rendsburger Ahlmann-Carlshütte.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Schiffen der Reederei war die „Bertha Entz“ kein reines Tankschiff, sondern ein Erztanker, wie die kombinierten Erz-/Ölschiffe in Seefahrtskreisen vereinfachend genannt wurden. Dieser neuartige Schiffstyp sollte die langen und kostspieligen Leerfahrten der Tanker vermeiden, wenn sie, nachdem sie ihre Ladung gelöscht hatten, ohne Fracht zurückkehrten in die Häfen, in denen sie neues Öl aufnehmen konnten. Öl konnte auf der „Bertha Entz“ in 20 Tanks geladen werden. Das Erz wurde in einer Art Wanne transportiert, die in der Mitte auf der ganzen Länge des Schiffes angeordnet war.

Ausgelöst unter anderem durch die Suezkrisen wurde der Ruf nach größeren Tankern immer lauter. Bald waren Tanker in Größenordnungen von bis zu 500  000 Tonnen Tragfähigkeit auf den Weltmeeren unterwegs und ließen die „Bertha Entz“ mit ihren knapp 22  000 Tonnen alt aussehen. Infolgedessen trennte sich die Firma Zerssen & C0. von ihrer Tankerflotte. Die „Bertha Entz“ ging 1970 als „Trade Daring“ nach Liberia, dann 1971 als „Nikos Kazantakis“ nach Griechenland und 1975 als „Westwind“ nach Panama. 1978 sollte sie in Japan zu einem Bohrschiff umgebaut werden, wurde dann aber 1979 in China verschrottet.









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