zur Navigation springen

Bäckerei Stabler geschlossen : Keine Brötchen mehr in Borgstedt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ende September ist Schluss – die Gründe sind vielfältig.

von
erstellt am 09.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Jene Kunden, die sich gestern Nachmittag bei der Bäckerei und Konditorei Stabler noch mit einem Stück Torte versorgen wollten, standen vor verschlossenen Türen, denn ab sofort ist das Geschäft in der Rendsburger Straße 41 in Borgstedt an sieben Tagen in der Woche nur noch bis 12.30 Uhr geöffnet. Der Grund: „Zum 30. September schließen wir unseren Betrieb“, ist auf einem Schild zu lesen. Und: „Wir bedanken uns recht herzlich bei all unseren Kunden für ihr Vertrauen und ihre langjährige Treue.“ Das Aus kommt für die meisten Brötchen- und Kuchen-Käufer völlig überraschend. Das Familienunternehmen in Borgstedt hat Tradition; es wurde von dem heutigen Geschäftsführer Marcus Stabler vor rund sechs Jahren von seinem Vater gepachtet. Gegründet hatte es sein Großvater.

„Wir sind nicht pleite, wir sind nicht insolvent“, erklärt Marcus Stabler gegenüber der Landeszeitung. Es sind mehrere Gründe, die ihn und seine Lebensgefährtin Fenja Braack dazu bewogen haben, andere Wege einzuschlagen. Der 40-jährige Bäckermeister betont: „Ich denke über diesen Schritt seit einem Jahr nach“. 2016 hätte der neue MarktTreff fertig sein sollten. In den Bäckerei-Räumen war ein größeres Lebensmittel-Sortiment geplant, ein „rollender Supermarkt“ sollte die Region mit Lebensmitteln versorgen (die Landeszeitung berichtete). Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger hatte sich bei der AktivRegion für Unterstützung stark gemacht. Die Anträge waren auf den Weg gebracht worden, die Mittel auch bewilligt – allein der mobile Laden ließ auf sich warten, weil sich der Innen-Ausbau aus Krankheitsgründen verzögerte. Sommer 2017 war der MarktTreff immer noch nicht eröffnet, der neue Wagen immer noch nicht fertig.

„Unser Verkaufswagen ist alt und klapperig“, erklärt Marcus Stabler. Dieser ist schon seit Jahren in der Region zum Brotverkauf unterwegs. Mehrmals musste er ihn vom ADAC abschleppen lassen, einige Monate musste er mit einem teuren Mietwagen überbrücken. Diese Lage frustrierte den Bäckermeister. Dazu kam der stetige Arbeitseinsatz. Jede Nacht von zwei bis acht Uhr steht Stabler in der Backstube – denn auch am Sonntag können in Borgstedt frische Brötchen und Torten aus eigener Herstellung gekauft werden. Koordination für die Fahrten des Bäckermobils, Buchhaltung, die immer schwieriger werdende Personalbeschaffung – ein Arbeitseinsatz, der kaum Zeit für Freizeit oder Familie lässt. Dann fraßen die Abgaben ans Finanzamt noch einen Teil der Einnahmen auf.

„Ich habe ein tolles Jobangebot“, sagt Marcus Stabler. Ja, eigentlich sind es sogar mehrere Angebote. Er kann seinem Gewerbe treu bleiben, aber als Angestellter entspannter arbeiten, hofft er. Jetzt mit 40 habe er noch die Chance zum Wechsel, in zehn Jahren sehe es wahrscheinlich anders aus, gesteht er ganz offen. Seine Partnerin, die als Bäckereifachverkäuferin im Betrieb arbeitete, kehrt in ihren erlernten Beruf als Krankenschwester zurück. Finanziell werden sie dann besser stehen, so Stabler – und mehr Freizeit haben. „Es tut uns wirklich sehr leid. Wir hatten gute Kunden und gute Wiederverkäufer“, sagt Stabler. So wie den MarktTreff in Sehestedt, der Brötchen der Bäckerei verkauft – auch an Sonntagen. Das Bäckermobil macht hier ebenfalls Station. Der Bäcker ist jetzt auf der Suche nach einem Nachfolger, hat auch jemanden an der Hand. „Ich höre ja nicht auf und lasse alle hängen“, sagt er. So hat er unter anderem dafür gesorgt, dass seine Angestellten einen neuen Job haben.

„Dieses Geschäft ist schon wichtig für den Ort“, sagt Bürgermeister Gero Neidlinger, auch wenn nur 1300 Meter entfernt in Büdelsdorf ein großes Angebot vorhanden sei. Der Verkaufswagen sollte Anfang kommenden Monats geliefert werden. Das Aus für das Projekt Bäcker plus MarktTreff plus rollender Supermarkt „kam überraschend“, erklärt Gero Neidlinger und sei mehr als bedauerlich. Aber ganz will er die Hoffnung noch nicht aufgeben, bevor er nicht eine offizielle Aussage vom Senior habe, den er bisher noch nicht erreichen konnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen