Strassen- und Tunnelbau : Kein Verständnis für Straßen-Chaos

Im Kreistags-Sitzungssaal: Die Abgeordneten sind konzentriert bei der Arbeit.
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Im Kreistags-Sitzungssaal: Die Abgeordneten sind konzentriert bei der Arbeit.

Für Landrat Rolf-Oliver Schwemer ist die Verkehrssituation im Wirtschaftsraum Rendsburg die größte Baustelle im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

shz.de von
17. Juni 2014, 06:00 Uhr

Straßenbaustellen an gleich vier neuralgischen Punkten im Kreis mit langen Staus und Unfällen auf den Umleitungsstrecken – dieses Szenario vom vergangenen Mai soll sich nicht wiederholen. Dafür will Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer sorgen und hat mit einem Gipfelgespräch bereits den Anfang gemacht. Das sagte er gestern vor dem Kreistag. Außerdem bemängelte er, dass die Baustelle im Kanaltunnel zu langsam vorangeht und fand deutliche Worte zur Rader Hochbrücke.

Zwischen dem 12. und 18. Mai hatte sich gezeigt, wie fragil die Verkehrssituation im Wirtschaftsraum Rendsburg ist. Seinerzeit hatte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr auf der Rader Hochbrücke eine Spur Richtung Süden für Asphaltarbeiten gesperrt. Dadurch verlagerte sich der Verkehr erneut auf die B77 durch den ebenfalls durch die Baustelle auf eine Röhre beschränkten Kanaltunnel und im weiteren Verlauf auf die B202, die zu der Zeit wegen Arbeiten an der Eisenbahnhochbrücke Richtung Kiel gesperrt war. Der Verkehr wurde durch Osterrönfeld geleitet, „was innerorts zu erheblichen Beeinträchtigungen führte“, so Schwemer gestern in seinem Verwaltungsbericht vor dem Kreistag. „Und auch die großräumigere Umgehungsstrecke, die L328, war zwischen Nortorf und Timmaspe gesperrt“, beschrieb er die damalige Situation, die „drastisch vor Augen geführt“ habe, „dass eine bessere Abstimmung der einzelnen Baumaßnahmen geboten ist.“

Um das voranzutreiben, habe die Straßenverkehrsbehörde des Kreises am 27. Mai Vertreter des Landesbetriebs, des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) und der Netz AG der Deutschen Bahn an einen Tisch geholt. Das hatte bereits die Landesregierung am vergangenen Freitag auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Günther bekannt gemacht (wir berichteten). Günther wirft der Behörde vor, den Kreis Rendsburg-Eckernförde bei der Baustellenplanung nicht einbezogen zu haben. Verkehrsminister Meyer bestreitet das, woraufhin Günther ihn bezichtigt, in der Antwort auf seine Anfrage nicht die Wahrheit zu sagen. Landrat Schwemer bestätigte gegenüber der Landeszeitung, dass der Kreis zunächst nicht involviert war. Erst das Engagement des Kreises hat zu dem gemeinsamen Termin geführt.

Dennoch wurde beim Gipfelgespräch vereinbart, „dass die Verkehrsaufsicht des Kreises zukünftig einmal jährlich zu einem Koordinierungsgespräch einlädt, um dauerhaft eine bessere Abstimmung zu gewährleisten“, sagte Schwemer. Er sei zuversichtlich, damit Probleme wie im Mai in den Griff zu bekommen. Das Gespräch habe ergeben, dass es zumindest in diesem Jahr nicht mehr so viele Baustellen gleichzeitig gebe.

Mit Baustellen sei aber weiterhin zu rechnen. Wenn sich damit zeige, „dass wieder mehr Geld in die Sanierung der Straßen gesteckt wird, wäre das jedenfalls zu begrüßen“. Anders sei es, wenn „Baustellen nicht mit dem gebotenen Tempo abgearbeitet werden“, wie beim Rendsburger Kanaltunnel. Die Grundinstandsetzung sei bereits seit 2003 Thema. Seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2011 folge eine Hiobsbotschaft der nächsten, die Fertigstellung werde immer wieder verschoben. Für eine weitere Verzögerung fehle ihm jedoch „jegliches Verständnis“. Er sehe zwar den guten Willen und die Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter im WSA, doch das helfe nicht dagegen, dass die Verzögerungen schwere wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen. Die Region werde von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt, befürchtet Schwemer. Deshalb appellierte er an den Kreistag: „Nutzen Sie Ihre Einflussmöglichkeiten.“ Die Abgeordneten sollten mit Entscheidungsträgern im WSA und mit den heimischen Mandatsträgern im Bundestag sprechen. Die Großbaustelle müsse mit allen Mitteln beschleunigt werden.

Auch in Sachen Rader Hochbrücke bat Landrat Schwemer die Kreistagsabgeordneten um Unterstützung. So sinnvoll ein Tunnel für Straßen- und Schienenverkehr auch sei – es nütze nichts, darüber zu diskutieren, im Wissen, dass die Brücke nur noch zwölf Jahre halte. Denn die Planung eines kombinierten Tunnels dauere länger. Zudem sei aus dem Berliner Ministerium zu hören, dass dort lediglich eine Ersatzbrücke für den Straßenverkehr präferiert wird. „Wir sollten uns den Realitäten beugen“, sagte Schwemer. Nun müsse schnell das für Ende Mai angekündigte Gutachten zur Restlaufzeit der Brücke her, damit die Planung beginnen könne.

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