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Rohstoff-Mangel : Kein Kies für neue Rader Hochbrücke? Firma schlägt Alarm

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nachdem ein Abbau in Grevenkrug nicht genehmigt wurde, warnt ein Glindemann-Chef: „Große Infrastrukturplanungen des Landes sind in Gefahr.“

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 12:46 Uhr

Kein Material für den Bau der Rader Hochbrücke: Nachdem klar ist, dass es auf einer unter Landschaftsschutz stehenden Fläche in der Gemarkung Grevenkrug keinen Kiesabbau geben wird, zeigen sich die Geschäftsführer des Unternehmens Glindemann bestürzt – und entwerfen ein düsteres Zukunftsszenario für Projekte in der Region.

Landrat Rolf-Oliver Schwemer hatte diese Woche im Kreistag verkündet, dass er den Antrag der Grevenkruger Firma auf Kiesabbau in dem Gebiet ablehne. Sie seien weder über diese Entscheidung informiert worden, noch hätten sie mit einem solchen Ausgang rechnen können, sagt Lars Glindemann aus der Geschäftsführung in einem Gespräch mit der Landeszeitung. Gemeinsam mit seiner Mutter Elke Glindemann und Guntram Lauenstein lenkt er die Geschicke des Familienunternehmens in zweiter Generation.

2009 hatte die Firma den Antrag bezüglich der Fläche in Grevenkrug gestellt. Schon damals habe sich abgezeichnet, dass die Sand- und Kies-Ressourcen bald erschöpft sein würden. Die Prognosen hätten sich bestätigt: Das Vorkommen reiche schon jetzt nicht mehr aus, um die Bauindustrie immer zuverlässig zu versorgen. „Es gibt bereits Beton-Werke, die nicht oder nur vermindert produzieren konnten“, berichtet Lars Glindemann. Sand und Kies werden unter anderem benötigt, um Lärmschutzwälle, Straßen und Häuser zu bauen. „Schon heute fehlen in Schleswig-Holstein eine Million Tonnen Sand und Kies.“ Das Land steuere auf einen Versorgungsnotstand zu. „Große Infrastrukturplanungen des Landes sind in Gefahr“, sagt Glindemann.

Betroffen sei auch der Kreis Rendsburg-Eckernförde, sagt Elke Glindemann mit Blick auf den bevorstehenden Bau der neuen Rader Hochbrücke. Schlimmstenfalls würden künftig Baustellen stillstehen. Der Import aus anderen Gegenden sei nicht rentabel, weil der Preis pro Tonne deutlich teurer wäre als das heimische Material, erklärte Lauenstein. „Wer soll das Material außerdem transportieren?“, fragt Lars Glindemann. Häfen könnten die Abfertigung in diesen Mengen nicht leisten, außerdem würden durch vermehrten Lkw-Verkehr Straßen und Umwelt stärker belastet.

Die Entscheidung des Landrats stößt bei den drei Glindemann-Verantwortlichen auf Unverständnis: Schwemer und die Untere Naturschutzbehörde seien in die Pläne und die Erarbeitung des Antrags eingebunden gewesen. Schwemer hatte laut Lauenstein lediglich zwei Forderungen: die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens durch die Untere Naturschutz- und Wasserbehörde sowie den Beirat für Naturschutz. Von allen Seiten habe es Zustimmung gegeben, Gutachten seien vorgelegt worden und die betroffenen Gemeinden Grevenkrug und Schmalstede hätten ihren Segen gegeben. „Es sind alle Auflagen erfüllt, wir wissen nicht, woher der Sinneswandel kommt. Wir fragen uns, wieso Herr Schwemer die Fläche trotz Rohstoff-Knappheit nicht aus dem Landschaftsschutz entlässt.“

Schwemer hatte erklärt, bei der Abwägung zwischen Landschaftsschutz und Abbauinteresse der Firma Glindemann habe der ökologische Faktor Vorrang. Ökologie und Ökonomie könnten gut zusammenpassen, sagt Lars Glindemann. Das Landschaftsschutzgebiet ist etwa 2250 Hektar groß. Auf der rund 23 Hektar großen Teilfläche, um die es geht, liegen rund sieben Millionen Tonnen Material – das soll für 20 bis 25 Jahre reichen. Weil die Fläche an das Glindemann-Gelände reicht, war ein unterirdischer Transport geplant. „So hätte es keine zusätzliche Straßenbelastung gegeben“, sagt Glindemann. Der Kiesabbau sei letztlich für alle positiv: „In alten Kiesgruben entstehen schöne Seenlandschaften mit Biotopen.“ Derzeit ist die Fläche noch mit Mais und Gras bewachsen und wird außerdem als Tannenbaumschonung genutzt.

Die Geschäftsführer von Glindemann wollen nun wissen, wie die Position der Landesregierung in dieser Angelegenheit ist. Deshalb haben sie Hans-Jörn Arp aus der CDU-Landtagsfraktion eingeschaltet. Arp sagt auf Nachfrage: „Hier geht es um ein volkswirtschaftliches Interesse: Im Land haben wir in nächsten Jahren so viele Baumaßnahmen, dass wir den Rohstoff Kies unbedingt brauchen.“ Es könne nicht sein, dass Sand aus Dänemark oder Mecklenburg-Vorpommern importiert werden müsse. „Das verteuert sonst jede Baumaßnahme.“ Er werde mit den Beteiligten das Gespräch suchen. „Mehr kann ich nicht machen.“

Landrat Schwemer sieht dagegen die Landespolitiker in der Pflicht und bestreitet die Aussagen der Glindemann-Geschäftsführer: „Ich habe von Anfang an gesagt, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen entlasse ich die Fläche nicht.“ Erforderlich sei eine Regelung im Landesentwicklungsplan und den Regionalplänen für Flächen mit Rohstoffen. „Die Firma Glindemann war damals sehr optimistisch, hat aber bis heute keine entsprechende Aussage von der Landesplanung bekommen. Damit sind die Voraussetzungen nicht erfüllt.“ Von einem Sinneswandel seinerseits könne nicht die Rede sein. An seiner Entscheidung könne sich nur etwas ändern, wenn sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen etwas ändere. „Das gehört zu den Themen, die nach meiner Erwartung von der neuen Landesregierung angegangen werden sollten.“ Rohstoffknappheit spiele als Argument in Schwemers Entscheidungsprozess eine untergeordnete Rolle. Der Kreis müsse benötigte Rohstoffe nicht zwangsläufig selbst generieren.

 

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