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Amtsgericht : Kein Fisch, kein Fleisch: Zwei vorbestrafte Angler im Pech

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

An der Eider erwischt: Zwei Maurer aus Neumünster mussten sich wegen Fischwilderei vor Gericht verantworten.

Ein lauer Sommerabend im Juli 2012 – zwei Maurer aus Neumünster packen am Ufer der Eider das Angelgeschirr aus. Sie sind mit dem Auto gerade aus Dänemark gekommen und haben noch Grillfleisch an Bord. Als sie die Eider bei Flintbek passieren, halten sie spontan an. Grill raus, Bier raus, Angeln raus – mal sehen, was der Tag noch hergibt. Doch er bringt nur: Ärger.

Aus dem Grillabend wird nichts. Kein Fisch, kein Fleisch. Ein Autofahrer sieht die Szene und ruft die Polizei. Beamte überprüfen die Männer. Fischereiberechtigungsschein? Haben sie nicht. Mitglied im Angelverein Eider? Sind sie auch nicht. Also erstattet der Polizist Anzeige wegen Fischwilderei. Und wegen Beleidigung. „Wichser“, hat der Ältere den Polizisten beschimpft. Gestern müssen sich die 36 und 47 Jahre alten Angeklagten vor dem Amtsgericht Rendsburg verantworten. Das Verfahren wird gegen Auflagen eingestellt. Die beiden Maurer müssen 30 bzw. 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Dass sie selbst ziemlich dicke Fische sind, dass ihr Vorstrafenregister zusammen 28 Eintragungen umfasst, spielt für die Richterin keine Rolle. „Hier geht es um was ganz anderes.“ Um kleine Fische.

Vor allem nämlich um die Frage, ob die Männer wirklich angeln wollten. Waren Wurmköder an der Angel befestigt, als die Polizisten eintrafen? Die Maurer streiten das ab, doch die Beamten haben das so im Bericht notiert. „An beiden Angeln wurde mit Wurm geangelt.“ Auf dem Zeugenstuhl konnte sich ein Polizist an das Detail nicht erinnern.

Für die Beleidigung entschuldigt sich der ältere Neumünsteraner bei ihm. „Das tut mir wirklich leid. Ich war an dem Abend betrunken und genervt“, sagt der Maurer. „Wir hätten gleich nach Hause fahren sollen. Aber hätten wir das ganze Grillfleisch einfach wegschmeißen sollen?“ Kein Verständnis zeigt der 47-Jährige, der inzwischen arbeitslos ist und von Hartz IV lebt, für den Vorwurf der Fischwilderei. „Es war kein Köder an der Angel. Wir wollten gar nicht angeln. Wir wollten die Angeln nur aushängen.“ Das mache man so, damit die Schnur sich nicht verdrehe und die Ausrüstung länger funktionstüchtig bleibe.

Der 36-Jährige schließt sich den Aussagen des 47-Jährigen an. „Ich persönlich habe mit Angeln nichts zu tun. Ich habe mich nur um das Grillen gekümmert.“ Vielmehr habe er noch beruhigend auf seinen aufgebrachten und betrunkenen Kumpel eingewirkt, als es zum Streit mit den Polizisten kam. Vom Angeln habe er gar keine Ahnung, versichert der Jüngere, der zum letzten Mal im Juni 2012 vor Gericht verurteilt wurde, wegen eines Hitler-Grußes, die Geldstrafe stottert er noch immer ab. Jetzt sagt er: „Wenn’s hochkommt, kenne ich zehn Fischsorten.“

 

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erstellt am 11.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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