Theaterstück : Kauzige Typen und ein tödlicher Plan

Rüschen, wallende Kleider, feine Anzüge: Die Achtklässler brachten britisches Flair aus dem viktorianischen Zeitalter auf die Bühne.
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Rüschen, wallende Kleider, feine Anzüge: Die Achtklässler brachten britisches Flair aus dem viktorianischen Zeitalter auf die Bühne.

Waldorfschüler überzeugen in Kriminalkomödie / Geschichte um Erbschleicherei auf englischem Schloss im 19. Jahrhundert

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26. März 2018, 12:58 Uhr

Rendsburg | Die Aufführung eines abendfüllenden Theaterstücks bildet nach acht Jahren mit einem Klassenlehrer an den Waldorfschulen den Abschluss dieser gemeinsamen Zeit. Die gesamte Klasse wird mit Aufgaben von der Schneiderei der Kostüme über die Auswahl der Musik bis zum Bühnenbau und dem Schauspiel selbst an den meist vier Aufführungen beteiligt.

Am Freitag zeigte die Klasse 8 der Waldorfschule Rendsburg die Kriminalkomödie „Zum Teufel mit den Geistern“, ein Stück in vier Akten nach Horst Helfrich (1939–2006). Es spielt 1893 auf einem Schloss in England. Dort treffen sich die erbberechtigten Verwandten der Schlossherrin, die zum Leidwesen der Nachkommen immer noch unverwüstlich gesund ist. Um früher an ihr Vermögen zu gelangen, haben Schwager, Nichten und Neffen einen tödlichen Plan ausgeheckt. Doch Butler Stanley durchkreuzt ihre Pläne. Die Lady überlebt und jagt ihren Erben im Geisterkostüm einen Schrecken ein. Ein Stück, das Verwandlungskünste von den Schülern forderte: In ihren Rollen verkörperten sie Charaktere aus anderen Zeiten. Hilfreich erwies sich das aufwändige Bühnenbild. Es versetzte mit dem Öffnen des Vorhangs das Publikum sekundenschnell ins viktorianische England. Die Damen trugen Rüschen und wallende Kleider, die Herren Landlord-Stil und sorgfältig ergraute Haare. Kauzige Engländer wie aus dem Bilderbuch.

Gar nicht so einfach, die Lady Emily Luttrell, Herrin von Huntingcourt, als resolute Frau mit hintergründigem Humor zu spielen. Oder ihren Diener Stanley: Mit steifem Bein und dadurch typischem Gang – eine Paraderolle. Erinnerungen an die Rolle des James aus „Dinner for one“ wurden wach. Neureich die Nichte Georgia Trimble: Aufgedonnert, von unechter Eleganz und dumm. Sie will gebildet wirken, meint alles besser zu wissen, kritisiert überall und verwechselt dabei immer wieder zum großen Spaß des Publikums Fremdwörter. Ihr Ehemann Captain Gordon Trimble ist im Dienst ein guter Soldat, privat aber schwach: Er versucht zu retten, was möglich ist, entschuldigt das peinliche Verhalten seiner Frau.


Darsteller verkörpern ihre Rollen glaubwürdig

Lady Karen Moreham fällt bei den kleinsten Ahnungen von Tod oder Sterben in Ohnmacht. Ganz anders ihr robuster Gatte Sir Richard Moreham, der immer auf der Suche nach etwas Trinkbarem ist. Der Königstreue Lord Cedric Brummel wiederum führt penibel Tagebuch und verlangt bei allen Vorschlägen Abstimmung.

Enttäuschter Bestatter erntet Lacher

Rollen, die die jungen Schauspieler im Verlauf des Abends immer glaubwürdiger verkörperten. In dem mit feinem Humor gewürzten Stück gab es oft erkennende Lacher. Unvergesslich der Beerdigungsunternehmer mit seinem: „Wir hörten einen Schrei, und da dachten wir…! Nun denn!“ Jedes Mal eine Steigerung, wenn er wieder vergebens mit seinem Sargträger auf der Bühne erschien, um die Leiche Lady Elily Luttrells abzuholen. Zwei feine Stunden Schul-Theater.
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