Rekord bei Nachwuchs : Kauzhochburg in Bendorf-Oersdorf

Misserfolg: Das Uhu-Weibchen, das Dirk-Peter Meckel Mitte August in Aukrug-Böken auswilderte, überlebte nur fünf Wochen.
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Misserfolg: Das Uhu-Weibchen, das Dirk-Peter Meckel Mitte August in Aukrug-Böken auswilderte, überlebte nur fünf Wochen.

Zahl der Schleiereulen-Brutpaare fast verdoppelt. Maisanbau macht Eulen und Käuzen das Überleben schwer.

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11. Januar 2013, 11:05 Uhr

RENDSBURG | Die Schleiereulen- und Steinkauzvorkommen im Kreis Rendsburg-Eckernförde leiden nach wie vor unter den Auswirkungen der schneereichen Winter 2009/10 und 2010/11. Trotzdem hat Dirk-Peter Meckel vom Landesverband Eulenschutz in seinem Jahresbericht für 2012 endlich auch mal wieder Positives zu melden: Landesweit einen neuen Rekord beim ausgeflogenen Steinkauznachwuchs und im Kreisgebiet fast doppelt so viele Schleiereulen-Brutpaare wie im vergangenen Jahr.

Die Jahresberichte 2012 für die Artenschutzprogramme Schleiereule und Steinkauz sind ein Mix aus negativen und positiven Mitteilungen. "Für die Schleiereulen war 2012 landesweit das schlechteste Jahr seit der Gründung unseres Landesverbands Eulenschutz im Jahr 1981", muss Meckel feststellen. 122 nachgewiesene Bruten mit 399 erfassten Jungvögeln bedeuten einen neuen Negativrekord für Schleswig-Holstein. Der Vizevorsitzende des Landesverbands Eulenschutz diagnostiziert eine "desolate Gesamtsituation" mit nur ganz wenigen Lichtblicken, zu denen eine erfreuliche Bestandszunahme im Kreis Rendsburg-Eckernförde gehört: 2012 wurden im Kreisgebiet 18 Bruten (2011: 11) mit insgesamt 53 Jungeulen (2011: 32, 2010: 38, 2009: 151, 2008: 204, 2007: 286) registriert. Zehn der 53 Jungvögel kamen im Steenfelder Ortsteil Liesbüttel zur Welt.

"Südlich von Rendsburg haben wir eine ganz tote Ecke", sagt Meckel und verweist auf den verstärkten Maisanbau in diesem Bereich: "Zwischen Jevenstedt und Hohenwestedt haben wir gar keine Schleiereulen nachweisen können." In Maisfeldern finden die Eulen keine Nahrung. "In der Hauptbrut- und Aufzuchtszeit ist der Mais schon so hoch, dass die Schleiereule nicht an Mäuse rankommen würde, wenn da überhaupt Mäuse im Mais wären", erklärt Meckel.

Die wenigen Jungvögel wurden vom ersten Schnee überrascht: "Da Anfang Dezember die zum Teil wühlmausarmen Dauergrünlandbereiche für einige Wochen mit Schnee bedeckt wurden, kann davon ausgegangen werden, dass bei minimiertem Nahrungsangebot die ausgeflogenen Jungvögel keine hohe Überlebensrate hatten." Dennoch beschließt Meckel seine insgesamt katastrophale Gesamtbilanz mit einem hoffnungsvollen Ausblick: "Wir haben 2012 sehr viele Einzeleulen beobachtet, so dass es - wenn es zu Verpaarungen kommt - im nächsten Jahr ein paar mehr Bruten geben sollte."

Sehr viel erfreulicher lesen sich die Bestandszahlen beim ebenfalls bedrohten Steinkauz. 2012 haben die Eulenschützer landesweit so viele ausgeflogene Jungkäuze registriert wie noch nie, nämlich 426 (2011: 387). Im Kreis Rendsburg-Eckernförde gingen die nachgewiesenen Bruten zwar zurück, die Zahl der flüggen Jungvögel blieb aber annähernd konstant. 2012 gab es im Kreis 18 Bruten (2011: 27, 2010: 19, 2009: 24, 2008: 20) mit insgesamt 67 ausgeflogenen Jungkäuzen (2011: 68, 2010: 31, 2009: 55, 2008: 44).

Zu einem "Steinkauz-Dorf" (Meckel) hat sich Bendorf-Oersdorf gemausert, wo fünf Brutpaare ihren Nachwuchs großzogen. Auch in den Nachbardörfern Bornholt und Thaden gab es Steinkauz-Bruten. "Dagegen haben wir in den Bereichen Breiholz, Hohn und Rendsburg überhaupt keine nachgewiesenen Brutpaare mehr", bedauert der Projektleiter des Steinkauz-Artenschutzprogramms, "auch die Region Beringstedt, Hohenwestedt, Wapelfeld ist völlig verwaist, genauso wie Rendsburg-Nord mit Alt Duvenstedt, Owschlag und Brekendorf."

Die Steinkauzeltern im Kreis Rendsburg-Eckernförde hatten bei der Aufzucht viel Erfolg. Pro Gelege flogen im Schnitt 3,7 Jungvögel aus, was im Vergleich der Kreis-Bestände eine Bestmarke für Schleswig-Holstein darstellt. "Das ist die höchste Steinkauz-Ausflug rate aller schleswig-holsteinischen Kreise", freut sich Meckel.

Die landesweiten Artenschutzprogramme für Schleiereule und Steinkauz sind notwendig, weil es sich in beiden Fällen um bedrohte Eulenarten handelt. Nicht bedroht ist dagegen der Uhu, von dem es landesweit etwa 400 Brutpaare gibt. Mitte August hatte Meckel in Aukrug ein Uhu-Weibchen ausgewildert, das nach einer Verletzung hochgepäppelt worden war (wir berichteten). "Dieser Uhu wurde fünf Wochen später in geschwächten Zustand von Reitern gefunden und zum Tierarzt nach Wasbek gebracht", berichtet Meckel. Das Uhu-Weibchen, das unter einem massiven Parasitenbefall im Magen- und Darmbereich litt, wurde nach der Erstversorgung durch den Veterinär in den Wildpark Eekholt gebracht. "Da hat es nur noch ein paar Tage überlebt und ist dann gestorben", so Meckel, "das tut einem natürlich leid, denn das war ein sehr schönes Tier."

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