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Hohenwestedt : Katzenbabys aus Gestrüpp gerettet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mitten in Hohenwestedt leben dutzende schwarzer Katzen. Das Kreisveterinäramt hat keine Handhabe gegen den Grundstücksbesitzer.

Alle Hände voll zu tun hat Tierärztin Elisabeth Stemmler mit vier kleinen Katzenbabys, die im Moment ihre ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. Alle zwei Stunden wollen die verwaisten Winzlinge gefüttert werden – und das rund um die Uhr. „Tagsüber helfen mir meine Mitarbeiterinnen, abends nehme ich die Katzenwelpen dann mit nach Hause“, erklärt Elisabeth Stemmler.

Das schwarze Kätzchenquartett wurde am vergangenen Freitag von einer Passantin gefunden: in einer Hecke am Rande eines Parkplatzes in unmittelbarer Nachbarschaft der Kleintierpraxis. Die Katzenbabys waren zu diesem Zeitpunkt erst eine Woche alt, total ausgehungert, hatten Katzenschnupfen und wurden von allen möglichen Parasiten geplagt: Flöhen, Milben, Würmern und Haarlingen. „Die Welpen sind noch ein bisschen schwach, aber wir kriegen sie über den Berg“, meint Stemmler. Zwei weitere Wochen sollen die Kätzchen noch hochgepäppelt, dann am liebsten paarweise vermittelt werden. „Zwei sind schon so gut wie vergeben“, freut sich die Tierärztin.

Im gleichen Gestrüpp am gleichen Parkplatz waren vor anderthalb Monaten schon einmal vier schwarze Katzenbabys gefunden worden: frisch geborene Welpen, bei denen sich die Nabelschnüre so in den Extremitäten verheddert hatten, dass die Beinchen bereits abgestorben waren. „Zwei haben wir gleich eingeschläfert, zwei haben wir versucht durchzubringen, aber die sind leider trotz aller Bemühungen doch nach zwei, drei Tagen gestorben“, berichtet Stemmler.

Mehr Erfolg hatte die Tierärztin mit einem vier Wochen alten schwarzen Kätzchen, das am 1. August mitten auf der Straße „Am Matthof“ aufgegriffen worden war, wo es aufgrund eines schlimmen Katzenschnupfens blind umhertapste: „Diesen Welpen haben wir vier Wochen lang mit allem Pipapo aufgepäppelt, und er hat mittlerweile tatsächlich in Hohenwestedt ein neues Zuhause gefunden.“ Schwarz war auch eine Katzenmutter, auf die Passanten die Tierärztin vor etwa einem Dreivierteljahr aufmerksam machten. „Die Leute sagten: Hier läuft eine Katze rum, der hängt ein totes Junges hinten raus“, erzählt Stemmler, „wir sind sofort raus und haben versucht, das Tier einzufangen, aber das ist uns nicht gelungen, also ist es vermutlich wohl gestorben.“

Als Tierärztin im ländlichen Raum sei es für sie ganz selbstverständlich, dass sie sich um hilfsbedürftige Tiere kümmere, die ihr von Passanten gebracht werden, betont Stemmler. Und das gelte nicht nur für Katzen, sondern auch für Wildtiere wie Igel. Beim Kätzchenquartett mit den abgestorbenen Beinchen sei ihr dann aber endgültig „die Hutschnur geplatzt“ und sie alarmierte das Ordnungsamt und das Kreisveterinäramt. Zusammen mit Tierhelfern der „Arche Noah“ aus Rendsburg nahmen die Behördenvertreter Kontakt zum Besitzer des Grundstücks mitten im Ort auf, wo Dutzende schwarze Katzen leben. Ein paar verwilderte und kranke Jungtiere konnten eingefangen werden, aber seitdem boykottiert der Grundstückseigentümer weitere Tierschutzmaßnahmen.

„Also passiert jetzt weiter nichts“, stellt Elisabeth Stemmler enttäuscht fest, „und das will mir nicht in den Kopf: Es muss doch möglich sein, all die kranken Katzen auf diesem Grundstück einzufangen, um sie zu behandeln und zu kastrieren.“ Die Tierärztin weiß, dass sich mindestens zwei trächtige Katzen in dem verwahrlosten Rudel befinden: „Zwei weitere Würfe sind also demnächst zu erwarten, und das Wetter wird jetzt deutlich kälter.“ Aus Sicht der Tierärztin eine unhaltbare Situation: „Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll.“

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erstellt am 24.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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