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Böse Bilanz : Katastrophales Jahr für die Eulen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Langer Winter, Verlust an Dauergrünland und Ausweitung der Maisanbauflächen machen nachtaktiven Tieren im Kreis Rendsburg-Eckernförde zu schaffen.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Wegen des langen Winters und akuten Mäusemangels war 2013 für alle schleswig-holsteinischen Eulen ein katastrophales Jahr. Hauptsorgenkind des Landesverbands Eulen-Schutz bleibt die Schleiereule, bei der abermals neue Minusrekorde zu verzeichnen waren. Im ganzen Land wurden im vergangenen Jahr lediglich 70 Schleiereulen-Bruten mit insgesamt 202 Jungeulen gezählt, im Kreis Rendsburg-Eckernförde sechs Bruten mit nur 13 Jungeulen. „Das ist sowohl kreis- als auch landesweit das desolateste Ergebnis seit Bestehen des Artenschutzprogramms“, sagt Dirk-Peter Meckel, der stellvertretende Vorsitzende des 1981 gegründeten Landesverbands Eulen-Schutz in Schleswig-Holstein: „Das war ein ganz schlimmes Jahr für die Eulen.“

Schon zu Beginn des schneereichen Winters 2012/13 wurden kaum Schleiereulen gesichtet, lediglich ein paar Todfunde gemeldet. „Nach ersten entmutigenden Bestandserhebungen zum Winterende und Frühlingsanfang, die mit einer Schneeperiode und Kälte einhergingen, gab es in der Balz- und Hauptbrutzeit im April/Mai und dann von Juni bis September 2013 bei den Kontrollen viele enttäuschte Gesichter bei den Gebietsbetreuern“, schreibt Projektleiter Meckel in seinem Jahresbericht für das Artenschutzprogramm Schleiereule: „Großflächiger Wühlmausmangel selbst in den Dauergrünlandbereichen der Flussniederungen, fortschreitender Strukturwandel in der Landwirtschaft mit dem Rückgang von extensiv genutztem Dauergrünland und der gleichzeitigen Vermehrung der Maisanbauflächen sowie schlechte Witterungsbedingungen ließen schlimmste Befürchtungen wahr werden.“

Die Schleiereule ist ziemlich fixiert auf ihr Hauptbeutetier, die Feldmaus, und deren Bestände waren in vielen Bereichen völlig zusammengebrochen. „Sehr früh zeichnete sich ab, dass es kaum zu erfolgreichen Bruten der Schleiereule im Land kommen würde“, berichtet Meckel, „und so war es dann auch.“ Nur sechs Brutpaare brachten im Kreis Rendsburg-Eckernförde Jungvögel zur Welt: in Hohenwestedt, Elsdorf-Westermühlen, Haale, Holtsee, Quarnbek und Groß Buchwald. Ob von den 13 kleinen Schleiereulen, die 2013 im Kreisgebiet ausflogen, überhaupt noch welche am Leben sind, ist sehr fraglich. „70 Prozent der Jungvögel gehen grundsätzlich drauf“, weiß Meckel. Wie katastrophal diese Kreis-Bilanz ist, verdeutlicht ein Blick auf die Jungvogelzahlen (siehe Infokasten). Die Zukunftsperspektiven für die schleswig-holsteinischen Schleiereulen sehen ganz düster aus. „Bei den Schleiereulen gibt es zwar immer mal wieder Einflüge aus anderen Ländern“, vermerkt Meckel, „aber es herrscht für die Eulen großflächiger Nahrungsmangel in ganz Mitteleuropa: Wo sollen die Einflüge nach Schleswig-Holstein also herkommen?“ Auswilderungsaktionen seien deshalb ebenso aussichtslos: „Wenn die Lebensgrundlagen nicht stimmen, bringt das nichts.“

Als „generell schlecht“ beurteilt Meckel auch die landesweite Situation der Steinkäuze, deren Artenschutzprogramm er ebenfalls leitet. Wobei die Steinkäuze im Kreis Rendsburg-Eckernförde für die so ziemlich einzige positive Nachricht sorgten, indem sie im Gegensatz zum landesweiten Abwärtstrend die Zahl der kreisweiten Brutpaare von 16 (2012) auf 20 steigerten. Dass durchschnittlich nur 2,5 Jungkäuze pro Gelege (2012: 3,6) registriert wurden, weist auf ein grundsätzliches Problem im vergangenen Jahr hin: eine schlechte körperliche Verfassung in der Balz- und Brutzeit. „Der März und der April waren viel zu kalt, und zudem war die wühlmausarme Landschaft teilweise mit einer Schneedecke von über 20 cm bedeckt“, schreibt Meckel in seinem Steinkauz-Jahresbericht: „Viele Brutpaare gingen deshalb mit einer geringen Fitness in die Balz- und Brutphase.“ Bei der Kontrolle der Nistkästen wurde festgestellt, dass der Brutbeginn zwei Wochen später als üblich erfolgte und dass es viel weniger Bruten gab. Folgen einer existenzbedrohlichen Nahrungsverknappung, die auch beim Uhu zu verzeichnen war. „Selbst der Uhu, der als Generalist gilt und viele verschiedene Beutetiere fängt, litt an offenbar an Nahrungsmangel“, erklärt Meckel. „Christian“ und „Xaver“ taten ein Übriges. „Viele Horstbäume wurden zerstört, so dass es eventuell an Brutmöglichkeiten fehlt“, sagt Meckel, „das war ein sehr schlechtes Uhu-Jahr.“



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