Rendsburg : Kanaltunnel-Sanierung könnte sogar bis 2018 dauern

Die Mittelleitplanke zwischen den Fahrtrichtungsspuren wird um eine Schrankenanlage ergänzt. Sollte eine Tunnelröhre blockiert sein, lenken die Schranken den Verkehr in die andere Röhre, in der dann für jede Fahrtrichtung nur eine Spur zur Verfügung steht. Das technische Prinzip ist identisch mit der Anlage am Elbtunnel.
Die Arbeiten könnten sich erneut verzögern.

Experten fürchten weitere Verzögerungen. Der Bund erarbeitet jetzt einen Zeitplan.

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07. Juni 2015, 10:28 Uhr

Rendsburg | Das Bundesverkehrsministerium will offenbar in der kommenden Woche einen neuen Zeitplan für die Sanierung des Kanaltunnels vorlegen. Wie die Landeszeitung aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, soll das Ministerium den Fertigstellungstermin für den gesamten Tunnel um ein halbes Jahr verschoben haben. Demnach können Autofahrer erst ab Sommer 2017 mit einer freien Fahrt durch beide Tunnelröhren rechnen. Experten, die mit dem Projekt vertraut sind, aber anonym bleiben möchten, halten diese Kalkulation für zu optimistisch. Sie gehen davon aus, dass die Bauarbeiten bis 2018 dauern werden.

Mitte Mai war bekannt geworden, dass die Oströhre entgegen aller Beteuerungen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung doch nicht zur Jahresmitte 2015 fertig wird. In dem neuen Zeitplan des Verkehrsministerium soll jetzt konkretisiert werden, mit welcher Verzögerung in der Oströhre zu rechnen ist. Die Baufachleute gehen davon aus, sechs Monate länger zu brauchen als erwartet. Das heißt: Erst Ende Dezember kann die Verkehrsfreigabe erteilt werden. Sollte diese Prognose zutreffen, hätten die Bauarbeiter an der Oströhre insgesamt vier Jahre gewerkelt, viermal länger als in der Ursprungskalkulation vorgesehen.

Immerhin sollen jetzt die statischen Probleme gelöst sein, die sich beim Übergang zwischen den Tunnelrampen und der Tunneleinfahrt ergeben hatten. Dies ist die Voraussetzung dafür, um die Asphaltschicht auf die Fahrbahn aufbringen zu können. Letzter Schritt wäre der Einbau der kompletten Sicherheitstechnik. Dazu zählen Schalträume, Notrufsäulen und die Verkehrsleitsysteme. Im Falle von Verkehrsstörungen soll die Technik später ferngesteuert funktionieren. Wegen der aufwändigen Schaltungen muss das Zusammenspiel der einzelnen Elemente vor der Verkehrsfreigabe aufwändig getestet werden.

Im Anschluss wird die Weströhre saniert. Das Ministerium erwartet eine Bauzeit vom eineinhalb Jahren. Damit wäre der gesamte Tunnel im Sommer 2017 fertig. Doch die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich das als Wunschdenken erweist. In den Planungsabteilungen der Behörden geht man nicht davon aus, dass die Baufirmen mit eineinhalb Jahren auskommen werden. Hier ist bereit von einem Ende der Bauarbeiten im Jahr 2018 die Rede.

Immer stärker rückt die Frage nach den Verantwortlichen und den wahren Gründen der Bauverzögerungen in den Mittelpunkt. Der wiederholte Hinweis der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, dass neue Bauvorschriften etliche Neuplanungen erforderlich machten, scheint nur ein Teil der Wahrheit zu sein. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass bereits bei der Ausschreibung des Bauprojekts sowie den Vertragsverhandlungen mit den Baufirmen massive Versäumnisse beziehungsweise Fehler begangen worden seien. Doch auf kritische Fragen gab es in der Vergangenheit nur ausweichende oder gar keine Antworten, so auch in dieser Woche. Die Pressestelle des Bundesverkehrsministeriums, die von der Landeszeitung am Donnerstagabend schriftlich um eine Stellungnahme zu den Bauarbeiten am Kanaltunnel und den Ursachen der Verzögerungen gebeten wurde, reagierte nicht.

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