Rendsburg : Kanaltunnel-Sanierung: Bundesregierung dementiert „Stillstand“

Fertig und doch nicht freigegeben: Die Sanierung der Oströhre ist seit Monaten abgeschlossen, der Verkehr könnte problemlos fließen. Darf er aber nicht, weil sich die Nachbereitung der Grundinstandsetzung auf dem Papier in die Länge zieht.
Fertig und doch nicht freigegeben: Die Sanierung der Oströhre ist seit Monaten abgeschlossen, der Verkehr könnte problemlos fließen. Darf er aber nicht, weil sich die Nachbereitung der Grundinstandsetzung auf dem Papier in die Länge zieht.

Die Arbeiten in der Oströhre hätten eigentlich 2013 fertig sein sollen – aber Unterbrechungen habe es nicht gegeben, heißt es aus Berlin.

shz.de von
03. August 2016, 07:38 Uhr

Rendsburg | Die Bundesregierung hat bestritten, dass es bei der Sanierung des Straßentunnels unter dem Nord-Ostsee-Kanal in den vergangenen Jahren zu Unterbrechungen gekommen ist. „Es hat auf der Baustelle keine Stillstandszeiten gegeben. Die Baufirma hat keine solchen Zeiten geltend gemacht“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Der Baufortschritt war jedoch wiederkehrend in der vollumfänglichen Ausführung geplanter Leistungen behindert. Durch Umstellungen im Bauablauf konnte stattdessen in ungestörten Bereichen gearbeitet werden.“

Der Kanaltunnel soll laut aktuellen Planungen erst 2019 komplett saniert sein (ursprünglich war 2013 anvisiert). Ende Mai machte Ministerpräsident Torsten Albig die Dauerbaustelle übrigens zur höchsten Chefsache. Am Rande eines Treffens mit Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab er ihr einen Brief mit der Bitte, sich für einen möglichst raschen Fortschritt der Arbeiten an diesem wichtigen Verkehrsprojekt einzusetzen.

Die Grünen-Abgeordnete Valerie Wilms aus Pinneberg, Verkehrsexpertin ihrer Fraktion im Bundestag, hatte zusammen mit anderen Grünen-Abgeordneten 18 Fragen zu den „Verzögerungen von Bauarbeiten am Kanaltunnel Rendsburg“ an die Bundesregierung gerichtet (Drucksache 18/9213). Mit den Antworten ist die Politikern unzufrieden. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung habe den Überblick verloren. „Sie hat ein Verwaltungsproblem und scheint vollkommen überfordert. Als Bauherrin müsste sie eigentlich wissen, wie viele Tage die Baustelle an der Oströhre stillstand, stattdessen flüchtet sie sich in Ausreden. Das ist nicht mehr nachvollziehbar.“

Die Grünen-Verkehrsexpertin verlangt von der Bundesregierung eine klare Aufstellung, bis wann die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wieviel sie insgesamt kosten werden und welche Mehrkosten damit gegenüber ersten Planungen verbunden sein werden. In der Kleinen Anfrage blieben die „Preisfragen“ unbeantwortet. „Die Gesamtkosten stehen noch nicht fest.“ Die für die Sanierung verantwortlichen WSV-Ingenieure hatten im Mai indes eine voraussichtliche Summe von 63 bis 64 Millionen Euro genannt. Angestrebt werde eine Fertigstellung bis Anfang 2019. Nach den ersten Plänen sollte die Erneuerung des vierspurigen Kanaltunnels bereits Ende 2013 abgeschlossen sein und lediglich 25 Millionen Euro kosten.

Autofahrer haben mittlerweile die Nase voll und umfahren einfach die Absperrungen – zwei Fälle sind mit Videos dokumentiert.

„Hier ist doch alles fertig, oder?“ wundert sich ein Autofahrer in diesem Video.

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