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Sanierungsarbeiten : Kanaltunnel Rendsburg: Nachtsperrung für Pkw?

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Die Arbeiten am Tunnel unterm Nord-Ostsee-Kanal gehen Kritikern zu langsam voran. Im Kieler Ministerium erwägt man eine nächtliche Sperrung für Autos, damit Schwertransporte rollen können.

Westerrönfeld | Die steile Böschung oberhalb der Oströhre des Kanaltunnels ist nicht abgesperrt. Kein Bauzaun und kein Verbotsschild hindert einen daran, hier durch hohes Gras spazieren zu gehen. Ab und an verirren sich Hundehalter in diesen Winkel von Westerrönfeld. Oder Neugierige, die den Arbeitern auf Rendsburgs größter Baustelle bei der Arbeit zusehen wollen. Wenn denn Arbeiter bei der Arbeit zu sehen wären.
Zu sehen sind Arbeiter bei der Pause. Vier Männer mit Leuchtwesten und gelben Helmen stehen unter einem zusammengezimmerten Unterstand. Sie rauchen, trinken Wasser aus der Flasche, einer hat ein Handy am Ohr. Mehr Männer sind am Donnerstag gegen 14 Uhr nicht zu sehen. Immerhin dringt Lärm aus der seit Monaten gesperrten Röhre des Kanaltunnels. Es wird also offenbar doch gewerkelt am Nadelöhr des Nordens.

Falsches Vorgehen? Zu wenig Bauarbeiter?

Vielen geht es allerdings viel zu langsam voran. Dr. Kai Dolgner zum Beispiel. Der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion hinterfragt in einem offenen Brief an die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung das Vorgehen der Behörde. Das Donnerstag abgeschickte Schreiben richtet sich an den Präsidenten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord, Dr. Dr. Hans-Heinrich Witte. Drei von fünf Fragen lauten: Welche Möglichkeiten zur Beschleunigung wurden geprüft? Wie hoch wären die geschätzten Mehrkosten einer Beschleunigung? Wurden diese im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse den volkswirtschaftlichen Schäden der fortdauernden Tunnelsanierung gegenübergestellt?
Anruf beim Bauleiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) in Kiel, Frithjof Garrn. Was sagt er zu Informationen, die dem sh:z zugespielt wurden? Stimmt es, dass zeitweise nicht mehr als neun Arbeiter auf der Baustelle tätig sind? "Das kann nicht sein. Etwa 20 Männer halten sich hier immer auf", antwortet Garrn. Gearbeitet werde in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr. Ein Baustellenbetrieb nachts sei schon während der Planungsphase verworfen worden. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, um die Lärmbelästigung für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten, so Garrn. Einen Streit zwischen dem Wasser- und Schifffahrtsamt und der Bietergemeinschaft Züblin/Wisag angesichts der Verzögerungen habe es nicht gegeben, so Garrn. Auch diese Information war der sh:z-Redaktion in Rendsburg zugetragen worden.

Kosten derzeit 14 Millionen über geplanter Summe

Am Abend bestätigt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Garrns Angaben: "An der Kanaltunnel-Baustelle sind Donnerstag 27 Personen der Baufirmen tätig", mailt Sprecherin Claudia Thoma. "Seitens der Baufirmen schwankt die Zahl der Arbeiter auf der Kanalbaustelle je nach Arbeitsschritt. Im Schnitt sind dort 40/45 Personen beschäftigt. Es können aber auch bis zu 60 Personen sein." Bezüglich der Anzahl der Personen gebe es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Ferienzeiten und Zeiten außerhalb. Eine konkrete Höhe der Baukosten könne derzeit noch nicht gegeben werden, da "die großen Nachträge noch in Verhandlung" seien. Nach Informationen des sh:z bewegen sie sich mittlerweile in der Größenordnung 38 Millionen Euro - statt der angepeilten 24 Millionen Euro.
Unterdessen war der Kanaltunnel Thema eines Arbeitstreffens im Kieler Verkehrsministerium. Neben Staatssekretär Dr. Frank Nägele und Vertretern der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nahm Landrat Rolf-Oliver Schwemer daran teil. Ein Thema: Wie können tonnenschwere Turmteile, die im Rendsburg Port liegen und für Dänemark bestimmt sind, auf die Nordseite des Kanals gebracht werden? Der Weg durch den Tunnel tagsüber ist undenkbar. Ergebnis der Runde im Meyer-Ministerium: Nach einem Vorschlag des Kreises soll der Kanaltunnel nachts phasenweise für den Pkw-Verkehr gesperrt und der Schwertransport Richtung Norden durch den Tunnel, die Stadt Rendsburg selbst sowie Büdelsdorf ermöglicht werden. "Am Sonnabend wird zunächst geklärt, ob dieser Weg überhaupt technisch möglich ist", so der Landrat. Voraussichtlich in den Abendstunden des morgigen Sonnabend müsse die Weströhre für die Voruntersuchungen kurzzeitig gesperrt werden.
Zweites Thema der Unterredung in Kiel war der Fortgang der Tunnelsanierung. Auch hier haben sich die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und das Ministerium nach Schwemers Schilderung kooperativ gezeigt. "Man ist dabei, den Zeitplan zu überarbeiten", sagt der Landrat. "In drei Wochen soll ein Sachstandsbericht vorliegen." Für die kommende Woche sei zudem ein Ortstermin auf der Baustelle geplant.

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erstellt am 16.Aug.2013 | 05:05 Uhr

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