Rendsburg : Kanaltunnel: Oströhre wird doch nicht im Sommer fertig

Blick aus nördlicher Richtung: Seit dreieinhalb Jahren wird an der Oströhre des Kanaltunnels gearbeitet.
Blick aus nördlicher Richtung: Seit dreieinhalb Jahren wird an der Oströhre des Kanaltunnels gearbeitet.

Neue Probleme bei den Arbeiten am Rendsburger Tunnel: Die Baufirmen geraten zunehmend in den Fokus der Kritik.

shz.de von
15. Mai 2015, 05:43 Uhr

Mitte dieses Jahres sollten durch die Oströhre des Kanaltunnels nach dreieinhalbjährigen Bauarbeiten wieder Autos und Laster rollen – so der offizielle Zeitplan der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Doch daraus wird nichts. Probleme mit der Montage der Entwässerungssysteme an den Einfahrten des Tunnels verzögern den Sanierungsfortschritt. Eingeweihte halten einen Zeitverlust von mehreren Monaten für denkbar. Damit ist fraglich, ob der gesamte Tunnel Ende 2016 fertig wird.

Einer der Gründe für die aktuelle Verzögerung: Für die Gitterroste, die quer zur Fahrbahn zur Aufnahme des Regenwassers installiert werden sollen, haben sich die Bauvorschriften geändert. Um nach den neuesten Vorgaben zu bauen, müssen Statiker neue Berechnungen anstellen. Die Schwierigkeit: Die Roste sind sehr großen Belastungen ausgesetzt. Tausende von Autos und Lastern werden täglich über sie hinwegrollen. Die Gitter dürfen sich in ihrem Stahlrahmen dennoch keinen Millimeter bewegen. Deswegen wird ihr Stahlrahmen mit Ankern arretiert, die Roste wiederum müssen punktuell verschweißt werden. Erst wenn das abgeschlossen ist, können die nächste Betonschicht und die abschließende Asphaltschicht eingebaut werden.

„Wir können noch keinen neuen Fertigstellungstermin für die Oströhre nennen, aber wir arbeiten daran, die Verzögerungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Sönke Meesenburg, der bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung für den Ausbau des Kanals und damit auch die Sanierung des Kanaltunnels zuständig ist. Er ist auch gegenüber Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, in der Pflicht. Dieser hatte im Februar bei einem Besuch im Rendsburger Kreishaus versprochen, dass die komplette Tunnelsanierung Ende 2016 abgeschlossen sein wird. Dazu Meesenburg: „Der Staatssekretär hat das Ziel vorgegeben, und das haben wir zu beachten.“

Doch offenbar ist das Ziel nicht von allen verinnerlicht worden. Insider, die auf der Kanaltunnel-Baustelle tätig sind, klagen seit Längerem darüber, dass sich die Firmen untereinander nicht genügend abstimmen würden. „Wenn das vom Staatssekretär vorgegebene Ziel nicht von allen Beteiligten in den Firmen geteilt wird, wird es schwierig“, sagt ein Ingenieur. Auch die Forderung, den beteiligten Firmen zu kündigen, sei als Drohkulisse formuliert worden. Doch das würde einen mindestens einjährigen Baustopp bedeuten. Entsprechend reserviert reagiert die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Meesenburg: „Wir wollen den Firmen nicht kündigen, sondern das Projekt mit ihnen zu einem guten Abschluss bringen.“

Von den auf der Tunnel-Baustelle vertretenen Firmen war keine offizielle Stellungnahme zu erhalten.

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