Konzert-Projekt : „Kanalrocker“ entern das Martinshaus

Musik fördert Toleranz: Die „Kanalrocker“ und die Band Godewind freuen sich auf das Festival „Musik in uns“, bei dem Musiker mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf der Bühne stehen.
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Musik fördert Toleranz: Die „Kanalrocker“ und die Band Godewind freuen sich auf das Festival „Musik in uns“, bei dem Musiker mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf der Bühne stehen.

„Musik in uns“: Bühnenreif nach drei Tagen Workshop.

shz.de von
04. April 2018, 10:53 Uhr

Rendsburg | Konzentriert schaut Daniel Lubitz auf das Notenblatt, während Sven Zimmermann mit ihm die Akkorde durchgeht: Zimmermann ist Bassist bei der Band Godewind, Lubitz einer von 16 Teilnehmern des diesjährigen Workshops von „musik in uns“, der in der vergangenen Woche im Martinshaus stattgefunden hat.

Organisiert wird der Workshop von Birgit Schatz und ihrem Team. „Diesen Workshop bieten wir seit elf Jahren an. Drei Tage lang bringen die Bandmitglieder von Godewind unsere Musikerinnen und Musiker zur Bühnenreife,“ erklärt die Leiterin der Werkstätten Rendsburg-Fockbek. „Sie erarbeiten gemeinsam die Lieder, und die vier erfahrenen Profi-Musiker geben den Neulingen Tipps, wie man sich auf ein Konzert vorbereitet und wie es ist, vor Publikum auf einer Bühne zu stehen.“ So neu ist das für manche der Teilnehmer gar nicht, denn die meisten spielen in einer Werkstattband, singen im Chor oder hatten schon eigene Musikprojekte. Die Herausforderung liegt eher darin, aus den 16 Frauen und Männern innerhalb kurzer Zeit eine Band zu machen, denn sie lernen sich erst hier im Martinshaus kennen.

Wenn sie nicht gerade singen, Gitarre, Keyboard oder Schlagzeug spielen, arbeiten die Teilnehmer in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Rendsburg, Fockbek, Hohenwestedt, Schleswig, Eckernförde und Glückstadt. Nicht nur in ihrem Heimatort, auch in Alter und natürlich Musikgeschmack unterscheiden sie sich: So kennt Daniel Lubitz mit seinen 29 Jahren den „Goldenen Reiter“ nicht, eine der älteren Band-Kolleginnen fragt vorsichtig nach der Schreibweise von Mark Forsters Namen.

Aus allen Vorschlägen für Lieder, die eingeübt werden sollen, werden acht ausgewählt und am Ende des Workshops vor Publikum bei einem Abschlusskonzert gespielt: Freunde und Familie kommen dann, um den Auftritt der „Kanalrocker“ mitzuerleben, und auch Kollegen und Betreuer aus der Werkstatt sind neugierig.

„Kanalrocker“, den Namen haben sich die Workshop-Teilnehmer aufgrund der Lage des Probenortes selbst gegeben. Der Workshop findet traditionell im Martinshaus statt, Veranstalter von „musik in uns“ ist die Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie. Seit 15 Jahren gibt es das Musik-Projekt inzwischen, bei dem es darum geht, Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen auf die Bühne zu bringen – und das Publikum an der Freude zur Musik teilhaben zu lassen. Neben dem Workshop gehört ein großes Konzert dazu, bei dem auch prominente Künstler auftreten. In diesem Jahr sind es Gustav Peter Wöhler und seine Band. Der Schauspieler und Sänger war bereits 2011 auf der „musik in uns“-Bühne und hat für eine ausverkaufte Halle gesorgt. Karten für das Konzert, das am Sonntag, 2. September, in der Nordmarkhalle stattfindet, sind jetzt schon erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.reservix.de sowie ohne Vorverkaufsgebühren in den Werkstätten RendsburgFockbek, im Bonhoeffer-Haus und im Café Tagespost in der Bahnhofstraße.

Ein ganz besonderer Auftritt erwartet die „Kanalrocker“ jedoch schon im nächsten Monat: Im Rahmen der „Special Olympics“, die Mitte Mai in Kiel ausgetragen werden, hat Ministerpräsident Daniel Günther die Band zu einem Empfang eingeladen, bei dem sie dann vor über 400 geladenen Gästen das Landeshaus rocken wird.

> Informationen auch unter: www.musik-in-uns.de oder auf Facebook „Festival musik in uns“.


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