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Rade bei Rendsburg : Kanalfischer stellt Nachfolger vor

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hans Brauer gibt seinen Betrieb nach fast einem halben Jahrhundert zum 1. Juli ab. In Familienhand bleibt das Geschäft dennoch.

Der Kanalfischer Hans Brauer hört auf. Nach fast einem halben Jahrhundert übergibt er seinen Betrieb an Tochter Claudia Pfalzgraf und Thomas Philipson, den Partner einer weiteren Brauer-Tochter.

„Ich habe gleich nach der Schule mit 15 Jahren in der Fischerei angefangen. Meine Mutter war krank, mein Vater schon alt. Mit 20 Jahren habe ich alles alleine gemacht“, berichtete der 63-Jährige von seinen Anfängen als Kanalfischer. Damals habe die Familie Landwirtschaft und Fischfang betrieben. Im Zuge der zweiten Kanalerweiterung 1965 fielen zwei Hektar Ackerland weg. „Da habe ich mich ganz auf die Fischerei konzentriert, und die lief gut“, berichtete Brauer. Damals habe er jährlich 6000 bis 7000 Zentner Heringe gefangen, dazu Aale und Zander. Vier Angestellte beschäftigte der Betrieb. Ab 1985 ging es rapide abwärts mit den Aalen. „Vielleicht lag es am Kormoran, der damals auftauchte“, vermutet Brauer. Ab 1995 gingen auch die Fangmengen beim Hering zurück. Da kam als Geschäftsidee des jährlichen Heringsfestes auf, um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Und das Fest hat sich seit seinem Bestehen zu einer überaus beliebten Veranstaltung entwickelt, die viele Besucher an den Nord-Ostsee-Kanal zieht. Zudem setzte Brauer verstärkt auf die Selbstvermarktung der gefangenen Fische und baute eine Hälterungsanlage für die gezielte Fischzucht im Kanal.

Mit dem Bau von sieben Ferienwohnungen machten sich Hans Brauer und seine Frau Gerda unabhängiger von der Fischerei. „Die Nachfrage von Touristen wird immer stärker“, freut sich der Fischermeister. Ein drittes Standbein ist die 1995 eröffnete „Brauers Aalkate“. Das Restaurant bietet unter anderem die selbst gefangenen Fische an.

Hans Brauer bewirtschaftet eine Fläche von 400 Hektar auf einer 16 Kilometer langen Kanalstrecke von Schacht-Audorf bis Königsförde. Der Nord-Ostsee-Kanal zählt zu einem der artenreichsten Gewässer in Deutschland. Er beheimatet Aale, Barsche, Zander, Plötze und Heringe, die jährlich im Frühjahr durch den Kanal ziehen, um dort zu laichen. Es sehe so aus, als ob sich der Fischbestand erhole, besonders der Aal, meint Brauer. „Und der wird fast wie Gold gehandelt, 49 Euro das Kilo Räucheraal.“

Er hofft, „dass die jungen Leute von der Fischerei leben können“. Für ihn sei es wichtig, früh genug aufzuhören, damit Thomas Philipson und Claudia Pfalzgraf ihre Ideen verwirklichen können. Philipson ist in Hamburg aufgewachsen und hat bei Brauer nach einem Praktikum auch die Ausbildung zum Fischer gemacht. Seit dem Frühjahr ist der 25-Jährige Fischwirtschaftsmeister. Brauers Tochter Claudia Pfalzgraf ist ebenfalls ausgebildete Fischerin. Zusätzlich ist die 33-Jährige als Berufsschullehrerin für Land- und Fischwirte tätig. Gestern, anlässlich des Richtfestes für ein neues Wirtschaftsgebäude mit Fischladen und Räucherei, stellte Hans Brauer seine Nachfolger vor. Für ihn steht fest: „Ab dem 1. Juli bin ich kein Fischer mehr.“

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erstellt am 04.Jun.2017 | 09:00 Uhr

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