Nord-Ostsee-Kanal : Kanalfähren-Knigge: Handy weg, Blick auf den Schiffsführer

Fährstelle Nobiskrug: Hier verkehren gleich zwei Schiffe über den Kanal zwischen Rendsburg und Schacht-Audorf.
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Fährstelle Nobiskrug: Hier verkehren gleich zwei Schiffe über den Kanal zwischen Rendsburg und Schacht-Audorf.

Warum kostet die Überfahrt nichts, wer wird vorgelassen und darf man während der Fahrt aus dem Auto aussteigen?

shz.de von
28. Juli 2015, 06:00 Uhr

Sie verkehren Tag und Nacht. Der Nord-Ostsee-Kanal wäre nicht komplett ohne seine 16 Fähren. An 14 Standorten sind sie im Dauereinsatz. Für die Einheimischen ist die Passage von Ufer zu Ufer alltäglich, für viele Gäste jedoch stellt sie ein Erlebnis dar. Wie verhält man sich richtig? Was ist an Bord erlaubt, was nicht? Zu Beginn der Reisezeit klären wir einfache, aber wichtige Fragen am Beispiel der Fährstelle Nobiskrug.

Was sind die häufigsten Fehler und Nachlässigkeiten auf den Fähren?
Vorweg die vier goldenen Grundregeln für Lkw- und Autofahrer: Motor aus, Bremsen fest, Gang rein, Licht aus. Vor allem den letzten Punkt vernachlässigen viele Autofahrer in der Dunkelheit. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal darf durch Lichter, die nicht zum Schiff gehören, nicht gestört werden. Auch beim Anlegemanöver sollte zunächst nur Standlicht eingeschaltet werden – sonst kann der Schiffsführer durch die Reflexionen der Lichtstrahlen bei Regen oder Nebel die letzten Meter bis zum Andocken schlecht erkennen.

Darf man während der Fahrt aussteigen, um Fotos zu machen?
Das ist erlaubt – sofern man nach dem Anlegen schnell genug wieder am Steuer seines Fahrzeugs ist. Motorradfahrer sollten jedoch lieber auf ihrer Maschine sitzen bleiben, Füße fest am Boden, damit der „Bock“ nicht umfällt.

Kann man beim Fahren auf der Fähre überhaupt etwas falsch machen?
Eigentlich nicht. Und doch verhalten sich viele nicht richtig. Denn viele Autofahrer behalten den Mann, der die Fahrzeuge einweist, nicht im Auge oder beachten seine Handzeichen nicht. Tipp eines erfahrenen Schiffsführers: „Auf den Decksmann achten und das Smartphone besser aus der Hand legen.“

Warum ist die Fahrt über den Kanal kostenlos?
Vereinfacht gesagt: Als die Wasserstraße gebaut wurde, waren die Menschen schon da. Deshalb verlangt der Staat für die Passage kein Geld. Kaiser Wilhelm II. hatte beim Bau verfügt, dass die Kanalquerungen kostenfrei sein sollten. Daran halten sich die Behörden bis heute und nehmen nicht nur Fußgänger und Radfahrer, sondern auch Autos und Einzelfahrzeuge bis zu einem Gewicht von 38 Tonnen grundsätzlich kostenlos mit.

Welche Fahrzeuge werden vorgelassen?
Nähert sich ein Rettungsfahrzeug der Kanalfähre, wird der Schiffsführer vorher von der zuständigen Leitstelle informiert. Dann wird eine Spur für die Nothelfer freigehalten. Fährt das Einsatzfahrzeug unter Blaulicht, muss die Kanalfähre sofort ablegen – sofern es natürlich der Schiffsverkehr erlaubt. Aber auch leere Krankenwagen werden vorgelassen, damit sie schnell wieder an ihrem Standort und einsatzbereit sind. Vorfahrt haben auch die Schulbusse. Lastwagen mit Gefahrgut wie zum Beispiel Heizöl oder Treibstoff werden grundsätzlich alleine gefahren.

Warum gehen die Schiffsbesatzungen nicht strenger gegen Vordrängler vor?
An Bord gilt die Fährbetriebsverordnung, an Land die Straßenverkehrsordnung. Die Schiffsbesatzung ist nur für das zuständig, was sich in ihrem Verantwortungsbereich abspielt. Wenn Autofahrer an Land gegen Regeln verstoßen, ist das Sache der Polizei. „Das dauert viel zu lange, wenn wir uns damit aufhalten würden“, sagt ein erfahrener Kanal-Kapitän. Dennoch gibt es Schiffsführer und Decksmänner, die Autofahrer, die sich an der Schlange vorbei an Bord gemogelt haben, zur Rede stellen.

Eine Ampel regelt den Verkehr an den Zufahrten zur Nobisfähre. Müssen Pkw-Fahrer, die es trotz Grünlichts nicht an Bord schaffen, weil sich erst im letzten Moment herausstellt, dass kein Platz ist, wieder ganz ans Ende der Warteschlange?
Nein. Sie dürfen die Abkürzung zur benachbarten Spur nehmen und vor den anderen an Bord rollen, wenn der Decksmann das entsprechende Handzeichen gegeben hat.

Wie groß muss der Abstand zu den großen Pötten auf dem Kanal sein?
„Das hätte er doch noch schaffen können“ – diesen Satz hören die Decksleute viele Male täglich. Dabei gibt es klare Abstandsregeln, an die sich die Kapitäne halten müssen. Ein vorbeifahrender Frachter muss noch mindestens 600 Meter vom Anleger entfernt sein. Dann ist gewährleistet, dass noch etwa 250 Meter Platz bis zum großen Schiff ist, wenn sich die Fähre in der Mitte des Kanals befindet. Ist der Abstand geringer, müssen alle warten. Bei Segelbooten ist der Sicherheitsabstand halb so groß.

Wie viel Mensch und Material darf eine Kanalfähre transportieren?
Erlaubt sind maximal 45 Tonnen Zuladung. In den meisten Fällen ist Platz für acht Pkw. Die höchstzulässige Personenzahl an Bord beträgt 116.

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