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„Neue Heimat“ Rendsburg : Appell der Altbürgermeister

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Gegner der Teilprivatisierung des städtischen Seniorenheims bekommen prominente Unterstützung. Gleich drei ehemalige Verwaltungschefs melden sich zu Wort.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 09:57 Uhr

Die ehemaligen Rendsburger Bürgermeister Dr. Hans Speck, Rolf Teucher und Andreas Breitner bekennen in der Diskussion um die Zukunft der „Neuen Heimat“ Farbe. Sie und vier weitere prominente Verbündete aus der Stadt fordern, die kommunale Seniorenwohnanlage als vollständigen Eigenbetrieb der Stadt Rendsburg zu belassen. Heute ab 17 Uhr soll die Ratsversammlung darüber entscheiden, ob die „Brücke Rendsburg-Eckernförde“ das Management in dem 100-Betten-Haus an der Schleswiger Chaussee übernehmen darf. Der Schritt käme einer Teilprivatisierung gleich, auch wenn die Einrichtung als Eigenbetrieb weitergeführt werden würde.

Die Belegschaft ist gegen die „Brücke“ als Mitbetreiber, befürchtet Entlassungen und sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Mit dem daraus resultierenden Bürgerentscheid könnte die Ratsentscheidung  aus dem Juli gekippt werden. Der mit knapper Mehrheit gefällte Beschluss beauftragt die Verwaltung, mit der „Brücke“ bis zum Jahresende zu einem Ergebnis zu kommen. 

Neben den drei ehemaligen Verwaltungschefs Speck, Teucher und Breitner unterstützen die früheren Bürgervorsteher Eberhard Goll und Uwe Meise sowie die ehemaligen Senatoren Günter Neugebauer und Wolfgang Majer das geplante Bürgerbegehren. Alle genannten Rendsburger Größen haben oder wollen sich in die Unterschriftenlisten eingetragen. Speck, Bürgermeister von 1981 bis 1987, bezeichnete die andauernde Diskussion um die „Neue Heimat“ als kommunalpolitisches Trauerspiel. Ein geprüftes und tragfähiges Eigenkonzept sei den Gremien frühzeitig vorgelegt worden. Es sieht die schrittweise Erweiterung der Anlage von derzeit 92 belegbaren Betten auf 140 Plätze vor. Die voraussichtlichen Kosten für den Umbau, der den Plänen zufolge von 2019 bis 2022 erfolgen soll, liegen zwischen 9,5 und 10,5 Millionen Euro. „Die Aufgaben und Tätigkeiten im Bereich der Pflege sind eine Schwerpunktaufgabe, die die Stadt Rendsburg eigenständig wahrnehmen sollte, also ohne Partner“, begründete Speck seine Initiative. Die hohen Ausgaben für den Um- und Ausbau des Konplexes seien gerechtfertigt. „Eine solche Investition tätigt man, um anschließend zu wirtschaften.“ Dr. Hans Speck ist der Vater von Marcus Speck, der den Eigenbetrieb leitet.

Andreas Breitner, Chef im Rathaus von 2003 bis 2012 und jüngster der drei Altbürgermeister, ist ebenfalls der Meinung, dass jetzt das Volk direkt entscheiden sollte.  „Ich finde nach Jahren des ergebnislosen Ringens um die Zukunft der städtischen Seniorenwohnanlage ist es der richtige Zeitpunkt, die Bürgerinnen und Bürger zu befragen“, sagte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. „Soll die Stadt das Alten- und Pflegeheim behalten oder nicht? Einfache Frage, vielleicht keine leichte Antwort. Aber an der Zeit dafür.“

Die „Neue Heimat“ schreibt rote Zahlen, unter anderem weil nur noch 92 von 100 Betten belegt werden können. Der erwartete Jahresverlust beträgt 1,175 Millionen Euro. Zur Minusbilanz tragen die Kosten für eine Beraterfirma bei. Sie begleitet das Transaktionsverfahren und kassierte von April 2016 bis Juli 2017 rund 300.000 Euro. Hinzu kommen 55.500 Euro für zusätzliche Dienstleistungen anderer Unternehmen.

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