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Handy-Verbot : Kampf gegen Spanner-Fotos in Freibädern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Schwimmzentrum in Rendsburg gelten besonders strenge Regeln.

Niemand möchte unwissentlich fotografiert werden – erst recht nicht leicht bekleidet in Badehose oder Bikini. Vor allem mit dem Smartphone ist es einfach, unbemerkt Fotos zu schießen. Keiner kann auf den ersten Blick sagen, ob jemand nur auf seinem Handy spielt, eine Nachricht verschickt oder (heimlich) die Kamera-Funktion geöffnet hat.

Im Raum Rendsburg ist dieses Problem schon etwas länger bekannt. An den meisten Badestätten herrscht ein striktes Fotografierverbot, ob mit Digitalkamera oder Handy. An der Untereider ist man noch ein wenig strenger: Das gesamte Rendsburger Schwimmzentrum wurde zur „handyfreien Zone“ erklärt. Dort sollte man das Handy für den Badeaufenthalt in den Spind einschließen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Lediglich im Bistro kann man sein Mobiltelefon nutzen. Im gesamten Innenbereich und auch in der Halle hängen Schilder, die darauf hinweisen, dass das Fotografieren verboten ist.

Sollte das jemand übersehen, wird er von der Badeaufsicht darauf hingewiesen und bei weiterer Missachtung des Grundstücks verwiesen. Und wenn man als Großeltern seinen Enkel bei den ersten Schwimmversuchen ablichten möchte? „Natürlich kann man seine Familie fotografieren, zum Beispiel, wenn jemand auf dem Zehn-Meter-Turm ist. Es muss lediglich vorher Bescheid gegeben werden und darauf geachtet werden, dass sich keine anderen Personen im Hintergrund befinden“, heißt es von Seiten des Schwimmzentrums.

In den anderen Freibädern in der Umgebung gibt es ähnliche Anordnungen, die ein striktes Fotografierverbot beinhalten. Im Fockbeker Freibad sind Handys zwar erlaubt, allerdings weisen dort auch Aufkleber auf das Fotoverbot hin. „Es geht nicht in allererster Linie um Spanner-Bilder, es geht um die Persönlichkeitsrechte am eigenen Bild“, erklärt Andreas Gädigk vom Freibad Fockbek. Kleine Aufkleber, die auf die Linse geklebt werden, wie es in den ersten Freibädern getestet wird, hält er für nicht notwendig. Meistens trifft man bei einem klärenden Gespräch auf viel Verständnis. Auch im Naturerlebnisbad Büdelsdorf, im Osterrönfelder Freibad sowie in Kropp setzt man auf klärende Gespräche. Im Kropper Freibad hängen Piktogramme schon seit der Flüchtlingswelle vor zwei Jahren aus. „Das ist schon ein sehr sensibles Thema, wer will schon fotografiert werden, ohne dass man davon weiß?“, erläutert Volker Schulze das Problem. Er ist Leiter der Einrichtung und hat das Verbot schon in seiner Haus- und Badeordnung stehen.

Lediglich im Westerrönfelder Naturbad ist das Fotoverbot noch kein Thema. Dort findet man keine Hinweise oder Aufkleber zu dem Thema, allerdings sind hier auch noch nicht Vorfälle mit unerlaubten Fotos bekannt geworden. „Das ist in anderen Bädern vielleicht ein viel größeres Problem als bei uns“, sagt Michael Rudolph vom Naturbad Westerrönfeld. „Aber es gilt natürlich auch hier im Freibad das Recht am eigenen Bild“, erklärt er.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen rät von generellen und strikten Handy-Verboten ab. Argument: Die Schwimmaufsichten hätten in einem gut besuchten Freibad nicht die Kapazitäten, auch noch die Handynutzung der Badegäste im Blick zu behalten. Viel wichtiger und effektiver sei es, in der Haus- und Badeordnung einen Paragrafen einzuführen, der das unfreiwillige Fotografieren anderer Badegäste untersagt. Dann habe die Leitung des Freibades bei Verweigerung und wiederholtem Verstoßen das Recht, Strafantrag zu stellen und die Polizei zu rufen. Die Druckvorlage für die Vervollständigung der Hausordnung gibt es auf der Seite www.baederportal.com und wird dort Bäderbetreibern kostenlos zur Verfügung gestellt.

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erstellt am 17.Jun.2017 | 10:00 Uhr

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