Gemeindevertretung : Kampf gegen die Windmühlenflügel

Im Ausbauprogramm für 2014: Die Landesstraße 123 wird im kommenden Jahr vom Ortsausgang Meezen bis zur Kreisgrenze nach Steinburg auf 350 Metern Länge saniert.
Im Ausbauprogramm für 2014: Die Landesstraße 123 wird im kommenden Jahr vom Ortsausgang Meezen bis zur Kreisgrenze nach Steinburg auf 350 Metern Länge saniert.

Die Gemeindevertretung Meezen verabschiedete nach kontroverser Diskussion ihre Stellungnahme zur Poyenberger Sondergebiet für Windenergie. Alternative Wählergemeinschaft konnte nicht punkten.

LZHans-JuergenKuehl1.jpg von
07. November 2013, 17:09 Uhr

„Wir sind hier zwar im Gemeinderat in der Minderheit, aber wir vertreten eine Mehrheit, und deshalb müssen wir für deren Interessen kämpfen“, sagte Jörg Janoschek von der AWG (Alternative Wählergemeinschaft), nachdem die von ihm formulierten Stellungnahmen zum „Sondergebiet Windenergie“ der Gemeinde Poyenberg wieder von der Mehrheitsfraktion der AMW (Aktive Meezener Wählergemeinschaft) abgelehnt worden waren. „Wir wollen die Natur schützen“, betonte Janoschek, „und wir verfechten diese Ansicht, weil die Mehrheit keine Windkraftanlagen will.“

Am 11. November 2012 hatten sich bei einem Bürgerentscheid 53,5 Prozent der Einwohner von Meezen gegen die Ausweisung von Windenergie-Eignungsflächen auf ihrem Geebiet ausgesprochen. Da dieser Bürgerentscheid aber nach Ablauf des Beteiligungsverfahrens zur Teilfortschreibung der Regionalpläne erfolgte, hatte das Abstimmungsergebnis vom 11. November keine Wirkung mehr und interessiert nun kaum noch jemanden: nicht die Landesplaner, nicht die in Meezen und Poyenberg aktiven Windkraftbetreiberfirmen und auch nicht die AMW-Fraktion von Bürgermeister Karl-Friedrich Wehner und Ex-Bürgermeister Heinrich Bednarz.

„Wir wollen ein verträgliche Bebauung mit Windkraftanlagen und eine Wertschöpfung für das Dorf“, erklärte Bednarz. „Wenn wir hier in Meezen Windmühlen kriegen, wollen wir auch was davon haben fürs Gemeindesäckel“, sagte Wehner, als er den Tagesordnungspunkt einleitete, für den die außerplanmäßige Gemeindevertretersitzung erforderlich geworden war: die Stellungnahme zum Bebauungsplan „Sondergebiet Windenergie“ der Nachbargemeinde Poyenberg.

Schon mit ihrem Antrag, die Plankarten für die über 30 Einwohner im Gemeindehaus an eine Leinwand zu projizieren, scheiterte die vierköpfige AWG-Fraktion an den fünf Gegenstimmen der AMW-Mehrheit. Egal ob die AWG auf einen Bach als „gefährdete Nebenverbundachse eines Biotopverbundsystems“ hinweisen, die Bedeutung von Kies-Seen als Nahrungsquelle für Fledermäuse hervorheben, Niedermoorbereiche schützen oder eine Verlängerung des Beobachtungszeitraums der regionalen Vogelwelt fordern wollte: Die Vorschläge der AWG wurden von der AMW fast alle mit 5:4 Stimmen abgelehnt. „Das betrifft nicht direkt Meezen, das würde nur unsere Stellungnahme verwässern“, meinte Bürgermeister Wehner. „Damit überschreiten wir unsere Kompetenzen“, pflichtete ihm sein designierter Nachfolger Dietrich Ebeling bei.

„Ich finde es nicht klug, dass wir bei all diesen Punkten in vorauseilendem Gehorsam sagen ‚Das lassen wir lieber’“, kritisierte Janoschek, „wir sollten darauf achten, dass die Natur keinen Schaden nimmt.“ In der auf lediglich 14 Tage befristeten Vogelbeobachtung auf dem Gebiet des Poyenberger Sondergebiets, wo zehn 150 Meter hohe Windkraftanlagen gebaut werden sollen, wurden 71 verschiedene Vogelarten gezählt. „All diese Vögel würden auf jeden Fall von den Windmühlen benachteiligt“, merkte Janoschek an, ehe die AMW auch diesen Einwand der AWG gegen den Poyenberger Bebauungsplan abschmetterte.

Die Gesamtstellungnahme der Gemeinde Meezen, in der unter anderem der Verzicht auf die am dichtesten an die Meezer Gemeindegrenze platzierte Poyenberger Windmühle gefordert wird, wurde mit 7:2 Stimmen verabschiedet. Mit „Nein“ stimmten der stellvertretende Bürgermeister Hartmut Ralf und Jörg Janoschek (beide AWG).

In der Einwohnerfragestunde hatte sich Christa Limmer zu Wort gemeldet und von „diskriminierenden Äußerungen vereinzelter Einwohner Meezens über sogenannte Zugezogene“ berichtet. „Erst werden uns Grundstücke und Resthöfe angeboten, und wenn wir dann heimisch werden, werden wir als Zugezogene herabgewürdigt“, regte sich Christa Limmer auf, die seit 1988 in Meezen lebt, auf, „da steht vor allem der Bürgermeister in der Pflicht! Wie will er dafür sorgen, dass sich Neu-Meezener willkommen fühlen?“

Sowohl er selbst als auch sein Stellvertreter und sein Amtsvorgänger seien „Zugezogene“, entgegnete Bürgermeister Wehner: „Ich habe schon bei meiner Antrittsrede im Juni betont, dass wir diesen Tendenzen entgegenwirken und diese Diskussion unterdrücken müssen, und es tut mir Leid, wenn da einige Äußerungen aus dem Ruder gelaufen sind.“


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen