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Geschäftsaufgabe : „Kaffee Paulsen“: Aus nach 103 Jahren

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Traditionsgeschäft in der Nienstadtstraße schließt Anfang Januar. Wer die letzten röstfrischen Bohnen aus Rendsburg genießen will, muss sich beeilen.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2013 | 17:58 Uhr

Der ehrenwerte Laden hat zwei Weltkriege, drei Besitzerwechsel und diverse Moden überstanden. Selbst die Konkurrenz aus dem Internet muss „Kaffee Paulsen“ nicht fürchten. Und dennoch ist für das Traditionsgeschäft in der Nienstadtstraße bald Schluss. Voraussichtlich Mitte der zweiten Januarwoche wird die letzte Ware verkauft. Danach gehen die Lichter für immer aus, einen Nachfolger gibt es nicht.

Mehrere Gründe zwangen Inhaber Rainer Albrecht zu diesem Schritt. Den Ausschlag gab ein deutlicher Umsatzrückgang seit dem hundertjährigen Jubiläum vor drei Jahren. Vor allem in der Zeit fern von Ostern und Weihnachten kamen immer weniger Kunden in das Spezialitätengeschäft. Ein großer Verlust für die bereits arg vom Leerstand gezeichnete Altstadt – zumal die Tage weiterer Adressen in der Nienstadtstraße gezählt sind (siehe eigener Artikel).

Aus Sicht von Rainer Albrecht war das Aus nach 103 Jahren unvermeidbar. „Ich habe vergeblich nach einem Nachfolger gesucht. Wäre ich zehn Jahre jünger, würde ich mit ,Kaffee Paulsen‘ an den Schiffbrückenplatz wechseln. Doch mit 62 Jahren ist das nicht mehr drin“, sagt der aus dem Münsterland stammende und seit 38 Jahren in Rendsburg tätige Geschäftsmann. Neben den rückläufigen Kunden- und Umsatzzahlen führt er den harten Preiskampf und das veränderte Sortiment im Lebensmittel-Einzelhandel als Gründe für das Ende an. Als ein Beispiel nennt er das Marzipan von Weltruf aus Lübeck. „Vor 20 Jahren waren wir für dieses Produkt noch einer der umsatzstärksten Fachhändler in Norddeutschland. Heute kriegen sie das Marzipan an jeder Ecke.“ Es gebe kaum noch Marken, die ein Fachhändler exklusiv anbieten könne.

Ein Unikat ist nach wie vor der röstfrische Kaffee aus dem Hause Paulsen. Den im Vergleich zum Massenprodukt fast doppelt so hohen Preis nehmen die Stammkunden gerne in Kauf. Hausgemachte Qualität hat eben ihren Preis.

1983 schaffte Rainer Albrecht jene Röstmaschine an, die noch heute ihren Dienst tut und in diesen Tagen die letzten Kaffeebohnen verarbeitet. Wie früher lagert das grünliche Rohmaterial in dicken Jutesäcken, wie früher handelt es sich ausschließlich um Arabica-Bohnen aus Guatemala, Nicaragua, Kenia oder Mexiko. Das Rösten übernehmen zwei der Verkäuferinnen, von denen Monika Mai am längsten dabei ist. Die 73-Jährige fing 1979 an. Damals führte noch Familie Nacken – als Nachfolger des Namensgebers Rudolf Paulsen – das Geschäft. „Wenn man seine Arbeit gerne macht, und das ist bei mir der Fall, dann fällt der Abschied schwer“, sagt sie. „Wir haben sehr nette Kunden gehabt.“

Auch Rainer Albrecht richtet einen „herzlichen Dank an meine Kunden für die 30-jährige Treue“. Leidenschaftlicher Kaufmann wird der 62-Jährige auch nach Ladenschluss bleiben – und das erfolgreich. Die Firma „Rudolf Paulsen“ unter seiner Leitung handelt mit Tee-Raritäten. Von einer Lagerhalle in der Büsumer Straße aus beliefert Albrecht Groß- und Einzelhändler in ganz Deutschland und Österreich. 250 Tonnen setzt das Unternehmen jedes Jahr um. Das entspricht immerhin einem Marktanteil von knapp einem Prozent in Deutschland.

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