Aukrug : Kälte macht Auerochsen nichts aus

Erst ein paar Tage alt: Das Heckrind-Kälbchen bekommt in Kürze seine obligatorischen Ohrmarken.
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Erst ein paar Tage alt: Das Heckrind-Kälbchen bekommt in Kürze seine obligatorischen Ohrmarken.

Der Naturschutzring Aukrug freut sich über unerwarteten Nachwuchs bei den ERNA-Rindern. Dank der „Landschaftspfleger“ fühlen sich auch Seeadler und Kraniche hier wohl.

shz.de von
04. Januar 2015, 08:00 Uhr

Zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt ist das kleine Kälbchen auf die Welt gekommen, das seit ein paar Tagen die Auerochenherde an der Bünzau verstärkt. „Normalerweise bekommen unsere Heckrinder ihre Kälber von März bis Juni“, stellt Naturschutzring-Geschäftsführer Niklas Zander fest, „wie genau es dazu gekommen ist, wissen wir auch nicht.“ Wegen des unerwarteten Nachwuchses wird die Herde in den nächsten Wochen noch aufmerksamer beobachtet als gewohnt. „Das Kalb dürfte keine Probleme kriegen, denn es bekommt ja genügend Milch“, erklärt Zander, „aber falls der Winter lang wird, könnte es für die Mutter schwierig werden, weil die ja all ihre Energie in die Milch steckt.“

Grundsätzlich macht den Auerochsen winterliches Wetter nichts aus, denn die Tiere sind überaus robust. „Die Temperaturen sind überhaupt kein Problem“, meint Zander, „aber sie müssen halt an das Futter rankommen.“ Weshalb hoher Schnee die einzige Wetterlage wäre, in der in verstärktem Maße Heu zugefüttert werden müsste. Im Göpelschauer liegt trotzdem schon Heu bereit, denn es wird Extrafutter gebraucht, um die Tiere anlocken und inspizieren zu können. „Man kontrolliert die Herde regelmäßig, damit man nicht den Zeitpunkt verpasst, wo das Tierwohl in Gefahr wäre“, erläutert Zander.

Dass beim Verein für „Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug“ (Erna) das Tierwohl an erster Stelle steht, zeigt eine bemerkenswerte Bilanz. „Wie schon 2013 haben wir auch im vergangenen Jahr wieder in einer insgesamt 100-köpfigen Herde kein einziges Tier durch Krankheit verloren“, berichtet Zander. Auf knapp 100 Heckrinder kommt man, wenn man die Erna-Herden an der Bünzau (31 Auerochsen), an der Buckener Au in Homfeld (40), an der Bünzer Burg (sieben) und in Fitzbek (20) zusammenzählt. Überzählige Tiere werden mit Erfolg vermarktet. 2014 war in dieser Hinsicht ein Rekordjahr: Insgesamt 24 Auerochsen wurden geschlachtet und zu Gulasch, Mettwurst oder Hackfleisch verarbeitet. Ein Schicksal, das nun auch zwei Zuchtbullen im Alter von sechs Jahren ereilt hat. Deren Nachfolger kommen aus Niedersachsen: aus dem Naturschutzgebiet Emsauen. „Die Bullen werden geliefert, sobald sie dort eingefangen werden“, sagt Zander. Ein Emsauen-Bulle kommt zur Herde an die Bünzau, der zweite nach Fitzbek. Der neue Bünzau-Zuchtbulle wird schnell feststellen, wie vorteilhaft die Viehroste sind, die hier 2012 errichtet wurden. Wenn die Bünzau über die Ufer tritt, können die Auerochsen dank der „cattle grids“ (so die englische Bezeichnung) selbständig zu den höher gelegenen trockenen Weideflächen am Glasbek hinüberwechseln. Dass die Heckrinder ihren Job als Landschaftspfleger bestens erledigen, zeigt die positive Entwicklung der Kleingewässer, die ebenfalls 2012 an der Bünzau angelegt wurden. „Durch die extensive Beweidung können Biotope entstehen, die für Amphibien interessant sind“, erklärt Zander. Auch die Rotmilane, Stare und Dohlen in den benachbarten Wäldern profitieren davon, dass die Auerochsen die Wiesen an der Bünzau so kurz halten, dass die Vögel auf Beutejagd gehen können. Seeadler und Kraniche haben in diesem Teil des Naturparks Aukrug ebenfalls ein Zuhause gefunden. An der Buckener Au in Homfeld schaffen die Auerochsen geeignete Lebensbedingungen für Wiesenbrüter. Auch das mit Erfolg, wie eine Exkursion im vergangenen Mai zeigte, als die Teilnehmer Braunkehlchen, Rohrweiden, Kiebitze und Wachteln beobachten konnten.

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