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Hütten : Kälberstall: Kehrtwende im Bauamt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kreisverwaltung genehmigt Bauvorhaben in Hütten nach erster Ablehnung nun doch. Anwohner bezweifeln Rechtmäßigkeit der Entscheidung.

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2016 | 09:30 Uhr

Mit dieser Wendung hatten Hendrik Walliser und Peter Nass nicht gerechnet. Nachdem der Kreis Rendsburg-Eckernförde Ende 2014 dem Bauantrag des Hüttener Landwirts Manfred Möller-Boldt für einen Kälberstall für rund 130 Tiere sowie eine Güllelagune mit einer Kapazität von rund 3500 Kubikmetern zunächst eine Ablehnung erteilt hatte, liegt dem 58-Jährigen nun die Genehmigung vor. Möller-Boldts Nachbarn Walliser und Nass haben daraufhin Widerspruch eingelegt. Denn die Argumentation Möller-Boldts für die Rechtmäßigkeit des Bauvorhabens, das auf einer rund 1600 Quadratmeter großen Fläche an der Kreisstraße 55 schräg gegenüber seines Hofes entstehen soll, und die Vorgehensweise der Behörden stoßen bei Walliser auf Unverständnis. „Das Bauvorhaben ist einfach nicht genehmigungsfähig“, betont er.

Die Behörde hatte 2014 erhebliche Zweifel an der Privilegierung des Kälberstalls im „sensiblen Außenbereich“. Entscheidendes Kriterium dafür ist eine eigene Futtergrundlage. So muss der überwiegende Teil des benötigten Futters der Tiere auf zum Betrieb gehörenden Flächen wachsen. Nach Aussage des Kreises von damals hätte Möller-Boldt 172 Hektar nachweisen müssen. Das sei ihm nicht gelungen. Kehrschluss: Wer seine Tiere nur mit gekauftem Futter großzieht, ist im strengen Sinn kein „Landwirt“ und kann deshalb auch nicht im Außenbereich bauen.

Außerdem zweifelte das Kreisbauamt an der Dauerhaftigkeit des Betriebes. So müsse es eine Planung geben, dass die Weiterführung gesichert ist. Auch dafür konnte der Antragsteller keine plausiblen Angaben machen. Zudem beeinträchtige der Bau Belange des Naturschutzes, so das Kreisbauamt in seiner Ablehnung damals. Der Standort des Stalls befindet sich mitten im Landschaftsschutzgebiet „Wittensee, Hüttener und Duvenstedter Berge“. Diese Ablehnungsgründe hat Manfred Möller-Boldt nun wohl aus dem Weg räumen können. Nachdem er Widerspruch gegen den negativen Bescheid eingelegt hatte, hat er im November 2015 die Baugenehmigung erhalten. Gegenüber der Landeszeitung wollte sich Möller-Boldt dazu nicht äußern.

Auf seine Nachfragen habe ihm der Kreis immer mitgeteilt, dass es „nichts Neues“ in dem Verfahren gebe, so Hendrik Walliser. Dabei hätte er als Verfahrensbeteiligter informiert werden müssen, wenn nachträgliche Unterlagen von dem Landwirt eingereicht wurden. „Wir wurden bewusst ausgeklammert“, wirft Walliser dem Kreis vor. Nicht nachvollziehen kann Walliser, dass das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) die eigene Flächenberechnung für die nachzuweisende Futtergrundlage inzwischen von 172 auf 100 Hektar korrigiert hat. Dabei wurde lediglich die Anzahl der Mutterkühe einbezogen, die Nachzucht spielte keine Rolle. Durch nachträgliche Pachtverlängerung konnte Möller-Boldt schließlich die reduzierte Fläche nachweisen. Ursprünglich hatte er das nur für 25 Hektar geschafft.

Zudem werde die Schutzzone des FFH-Gebietes verletzt, ist sich Hendrik Walliser sicher. Die in der Baugenehmigung angegebenen Entfernungen vom Neubau entsprechen ihm zufolge nicht den Tatsachen. Er und seine Mitstreiter wollten keineswegs dem Landwirt Knüppel zwischen die Beine werfen und seine Existenz gefährden. „Aber der Bau ist absolut überdimensioniert“, sagen sie, und die Genehmigung beruhe auf falschen Grundlagen. Sollte das Vorhaben tatsächlich realisiert werden, würde sich das Leben im Dorf Hütten durch die zunehmenden Transportfahrten sowie Geruch und Lärm komplett verändern, sind sich Walliser und Nass sicher.

Dem Bauantrag liegt nur eine Stellungnahme der Landwirtschaftskammer bei. Die ist nach Meinung Wallisers fehlerhaft und voller Ungereimtheiten – ein Gefälligkeitsgutachten der Kammer für einen ihrer Leute, lautet sein Verdacht. Die Kritik Wallisers an fehlender Transparenz kann der Kreis nicht nachvollziehen. „Wir waren im ständigen Dialog“, sagt Bauamtsleiter Dr. Martin Kruse. Das Verfahren sei komplex, aber transparent. Mit dem Widerspruch sei der positive Bescheid nun nicht rechtskräftig. 

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