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Alt Duvenstedt : Junkers-Kaserne: Pläne für Asyl-Lager

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Land nimmt Teil der Bundeswehr-Liegenschaft in Alt Duvenstedt unter die Lupe. Erstaufnahme-Einrichtung für bis zu 2000 Flüchtlinge möglich.

In die Hugo-Junkers-Kaserne in Alt Duvenstedt könnten schon bald bis zu 2000 Flüchtlinge einziehen. Wie Bürgermeister Peter Orda während des Jahresempfangs seiner Gemeinde (siehe Bericht unten rechts) gestern mitteilte, prüfe das Land derzeit, ob sich der Standort für ein Erstaufnahme-Lager eigne. Das Innenministerium in Kiel bestätigte die Pläne gegenüber der Landeszeitung. Eine Entscheidung liege jedoch noch nicht vor.

Am Ende seiner Rede sprach Orda die Neuigkeit an. Er sei vom Ministerium informiert worden, dass in dieser Woche eine Begehung der Liegenschaft stattgefunden habe. Es sei von 1200 bis 2000 Asylbewerbern die Rede gewesen. Die Einrichtung eines Erstaufnahme-Lagers in der Kaserne sei nach Angaben aus dem Ministerium „relativ wahrscheinlich“. Ihm sei es wichtig, die Bürger seiner Gemeinde so früh wie möglich über die Entwicklung in Kenntnis zu setzen. „Nichts ist schlimmer, als überrascht zu werden“, sagte Orda.

Laut Denise Friedrich aus dem Innenministerium seien „die notwendigen Gespräche geführt“ worden. Eine nähere Prüfung werde „in Kürze erfolgen“. Es handele sich jedoch nicht um einen direkten Ersatz für die Rendsburger Erstaufnahme-Einrichtung an der Büsumer Straße. Die wird zur Mitte kommender Woche aufgelöst. „Ersatzmöglichkeiten werden überall im Land geschaffen“, sagte Friedrich.

Das Lufttransportgeschwader (LTG) 63 hat in der Hugo-Junkers-Kaserne an der Straße Krummenorter Heide seinen Sitz. Kommodore Oberst Hartmut Zitzewitz bestätigte die Begehung durch Vertreter des Landes in dieser Woche. Sein Verband habe nach einer Anfrage des Landeskommandos der Bundeswehr schon vor Monaten eine Fläche innerhalb der Kaserne gemeldet, die sich zur Unterbringung von Flüchtlingen eigne, das LTG in seiner Arbeit aber nicht einschränke. Konkret handele es sich um einen ungenutzten Exerzierplatz und um eine Sporthalle auf einem rund 10  000 Quadratmeter großen Areal im östlichen Teil der Kaserne an der Bundesstraße 77. Die Fläche lasse sich mit einem Zaun vom Rest der Bundeswehr-Liegenschaft abgrenzen. Ein eigener Zugang sei von der B77 aus möglich. Zitzewitz betonte, dass noch keinerlei Anträge für eine solche Nutzung vorliegen.

Im Fall einer positiven Entscheidung des Innenministeriums kommen für das Lager in der Kaserne wohl nur Container in Frage. Der große, asphaltierte Exerzierplatz bietet den Platz dazu. „Es handelt sich um eine plane Fläche – keine Matschwiese wie an der Büsumer Straße“, sagte Peter Orda. Dass eine mögliche Einrichtung dort Auswirkungen auf den Alltag in Alt Duvenstedt haben werde, glaubt er nicht. „Die Kaserne liegt fünf Kilometer von der Ortsmitte entfernt.“ Dennoch seien 1200 Asylbewerber in einer Gemeinde mit 1900 Einwohnern verhältnismäßig viel. Die geplante Fläche liegt zudem nah an der Standort-Schießanlage, die sich auf der anderen Seite der B77 befindet. Dort finden täglich Schießübungen statt. Dass vom Krieg in ihrer Heimat traumatisierte Flüchtlinge dadurch leiden, glaubt Oberstleutnant Thies Voigt nicht. Der stellvertretende LTG-Kommodore sagte, dass Erfahrungen aus den Einsatzgebieten der Bundeswehr, etwa in Afghanistan, zeigten: Wenn den Betroffenen bewusst sei, dass es sich lediglich um Übungen handele, gebe es keine Probleme damit. Die Übungen auf der Schießanlage müssen ihm zufolge nicht eingestellt werden, sollte ein Erstaufnahme-Lager in die Kaserne kommen.

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erstellt am 08.Nov.2015 | 06:00 Uhr

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