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Junges Ausnahmetalent überzeugt an der Violine

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Rendsburger Geiger Lennart Pries spielte mit dem Orchester der Musikschule in der Christkirche

von
erstellt am 22.Mär.2015 | 13:00 Uhr

Zwei Werke um das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy präsentierte das Orchester der Rendsburger Musikschule „collegium musicum“. Mit Lennart Pries stand wieder einmal ein sicherer Anwärter auf einen Studienplatz an der Musikhochschule vor dem Orchester. Nach bestandenem Abitur wird er zum Studieren Rendsburg verlassen. So war dieses Konzert auch ein Abschiedsgeschenk des Ensembles an ihn als langjähriges Orchestermitglied.

Nach Erfolgen und Spitzenplatzierungen bei „Jugend musiziert“-Wettbewerben zeigte Lennart Pries, ein überdurchschnittliches Klavier- und Geigentalent, eines der erfolgreichsten und beliebtesten Violinkonzerte überhaupt – alles auswendig. Ebenso dirigierte Christian Gayed ohne vor sich liegende Partitur, an sich ein Wagnis. Weil Mendelssohns Violinkonzert so bekannt und beliebt ist, war es auch eine Mutprobe und deutliches Zeichen für besondere Ansprüche. Das Experiment gelang. Das ist schon deshalb bewundernswert, weil die meisten Mitspieler des „collegium musicum“ keine Profis sind.


Spielen ohne Noten, Dirigieren ohne Partitur


Vor und nach seinem Soloauftritt saß Lennart versteckt an seinen Platz inmitten der Orchesterviolinen. Auch ein Zeichen dafür, dass er aus eigener Erfahrung die Rolle von Orchestermusikern zu schätzen weiß. Wie auch das Publikum in der gut besetzten Christkirche, das sich nach der Ouvertüre zu Robert Schumanns einziger Oper „Genoveva“ (vom Orchester noch etwas müde und unsicher wirkend, teils mit deutlichen technischen Schwächen) auf eine erfrischende Wiedergabe des Mendelssohn-Konzertes freute. So wie Lennart es spielte, enthielt es auch eine Mitteilung ans Publikum: „Ganz im Dienste der Musik werde ich mich den Inhalten widmen, mich weiterhin ernsthaft und tief um die Werke bemühen.“ So jedenfalls kam sein bewundernswerter Auftritt an. In der Person zurückhaltend, in der Sache überzeugend durch Können und viel versprechender Kombination aus Musikalität und Virtuosität.

Schlusspunkt des Konzertes bildete ein weiterer Beweis außergewöhnlichen Einsatzes und Könnens: Christian Gayed hatte das Es-Dur-Streichquartett von Fanny Hensel, kurzerhand zu einer Orchesterfassung erweitert und die Originalvorlage für vier Solisten zu einer viersätzigen Sinfonie hochinstrumentalisiert. So raffiniert, dass man schwerlich auf die Idee kommen konnte, dass dieses Werk in der originalen Spar-Fassung sehr viel trockener und spröder klingen würde. In dieser Uraufführung zeigte Christian Gayed, wie viele weitere Ausdrucksmöglichkeiten er in den Streichquartettnoten entdeckt hatte und wie sie mit den Mitteln eines vielfach besetzten Orchesters hörbar werden können. Der gelungene Schluss eines Konzertes, das zugleich den Anfang einer möglichen Solistenkarriere markierte. Man darf gespannt sein, wo und womit Lennart Pries in den nächsten Jahren noch überrascht.


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