Asylbewerber in Rendsburg : Junger Flüchtling wagt Neustart im Norden Rendsburgs

Auf dem Sofa in seiner neuen Wohnung  lernt Mohammad F. täglich Vokabeln und deutsche Grammatik.
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Auf dem Sofa in seiner neuen Wohnung lernt Mohammad F. täglich Vokabeln und deutsche Grammatik.

Für Mohammad F. (26) aus Afghanistan geht es weiter bergauf. Jetzt hat der 26-jährige Asylbewerber eine eigenen Wohnung in Rendsburg.

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09. Juli 2015, 17:00 Uhr

Ein blaues Ecksofa nimmt den Großteil des Wohnzimmers ein. Davor ein Glastisch, auf dem eine Schale mit frischem Obst steht. Die Wände sind kahl, ein Kaktus auf der Fensterbank ist bisher die einzige Deko. Durch die zwei großen Fenster wirkt das Zimmer trotzdem hell und freundlich. Freudestrahlend führt der 26-jährige Mohammad F. durch seine erste eigene Wohnung im Norden von Rendsburg.

Im April sollte der vom Krieg schwer traumatisierte Afghane noch ins 50 Kilometer entfernte Brodersby geschickt werden (LZ berichtete). Doch da ihn dieser Umstand in Panik versetzte und dadurch sein Gesundheitszustand in Gefahr geriet, hatte der Kreis eingelenkt und ihn als besonderen Härtefall eingestuft. Mohammad F. sollte nicht erneut aus seinem Umfeld gerissen werden und durfte in Rendsburg bleiben. Inzwischen hat sich der junge Mann gut eingelebt. Anfang Juni konnte der ehemalige Dolmetscher für US-Soldaten in die 37 Quadratmeter große Zwei-Zimmerwohnung einziehen. „Ich bin sehr, sehr glücklich und dankbar, dass ich diese Wohnung bekommen habe“, sagt der 26-Jährige.

Seit 2014 lebt der Asylbewerber in Deutschland. Weil er für die amerikanischen Soldaten als Dolmetscher gearbeitet hat, wollten die Taliban seine komplette Familie auslöschen. Seinen Vater haben sie ermordet, sein Bruder hat im Kampf ein Bein verloren. Durch den Iran, die Türkei, Serbien und Ungarn ist Mohammad F. geflohen. Nach Rendsburg ist er vor sechs Monaten gekommen. Hier ist er vor den Taliban sicher, doch die Bilder im Kopf bleiben. Manchmal wacht er in der Nacht auf und denkt, jemand ist vor seinem Fenster und will ihn holen, erzählt der Afghane. Es dauert einen Moment bis ihm dann klar wird: „Ich bin in Deutschland. Hier kann mir nichts passieren.“

Mohammad F. versucht alles, um sich ein neues Leben in Rendsburg aufzubauen. Täglich besucht er einen Deutschkurs beim Verein für Umwelt, Technik und Soziales. Eine Rendsburgerin finanziert ihm die Kurse. „Ich bin der Frau so dankbar. Wenn ich die Sprache nicht kann, habe ich keine Chance.“ Sobald sein Deutsch gut genug ist, möchte er eine Ausbildung beginnen. Vielleicht in einer Großküche, denn dort hat er schon in seinem Heimatland gearbeitet.

Mutter und Schwester leben noch in Afghanistan, an seine Familie denkt er täglich. „Ich wünschte, sie könnten auch hierher kommen. Aber das ist schwierig“, weiß er. Zumindest möchte er jetzt ein paar Familienfotos entwickeln lassen. Sie sollen bald die weißen Wände in seiner neuen Wohnung schmücken.

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