Literaturwettbewerb : Junge Wienerin holt ersten Schimmelreiterpreis

„Storm wäre entzückt“ von den Preisträgerinnen Sarah Fiona Gahlen (von links), Irene Diwiak, Ronja Storck und Isabelle Grupe. So sehen es jedenfalls die  Initiatoren des Schreibwettbewerbs Hartmut Schalke (rechts) und Martin Marcus Vollert (links), hier mit Kreispräsident Lutz Clefsen (zweiter von rechts).
„Storm wäre entzückt“ von den Preisträgerinnen Sarah Fiona Gahlen (von links), Irene Diwiak, Ronja Storck und Isabelle Grupe. So sehen es jedenfalls die Initiatoren des Schreibwettbewerbs Hartmut Schalke (rechts) und Martin Marcus Vollert (links), hier mit Kreispräsident Lutz Clefsen (zweiter von rechts).

70 Nachwuchsautoren versuchten, Theodor Storms „Sylter Novelle“ ein eigenes Gesicht zu geben. Vier Gewinnerinnen nahmen in Hanerau-Hademarschen Auszeichnungen entgegen.

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09. Juli 2014, 12:00 Uhr

Was das Gewinnen von Literatur-Preisen angeht, ist Irene Diwiak aus Wien mit ihren 22 Jahren bereits ein alter Hase. Fünf erste Preise hat sie in Österreich für ihre Geschichten erhalten. Der mit insgesamt 3000 Euro dotierte Schimmelreiterpreis in Hanerau-Hademarschen ist ihre erste Auszeichnung im deutschsprachigen Ausland. Bei der feierlichen Verleihung des Preises im Landgastof Köhlbarg nahm sie ihre Auszeichnung entgegen.

Als eine von 70 Bewerbern aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und Schweden überzeugte die junge Österreicherin mit ihrer Geschichte „Die Brautnacht“, ausgehend von einem der fünf Motive aus Theodor Storms unvollendeter „Sylter Novelle“. Ausgewählt wurde sie von einer prominent besetzten Jury aus den schleswig-holsteinischen Schriftstellern Andrea Paluch, Anja Marschall und Heiner Egge.

Der zweite Preis ging an Ronja Storck aus Bremen mit der Geschichte „Das Geheul“ und der dritte Platz an Sarah Fiona Gahlen aus Hamburg mit „In den Dünen“. Darüber hinaus wurde ein Nachwuchspreis für die beste Schülergeschichte vergeben, gestiftet vom Verein zur Förderung der Jugendarbeit in Hanerau-Hademarschen. Dieser ging an Isabelle Grupe aus Einbeck mit ihrem Text „Zerbrochene Spiegel“. Die Initiatoren des Schreibwettbewerbs, Hartmut Schalke (Autor und Stormexperte in Hanerau-Hademarschen) und Martin Marcus Vollert (Architekt und Künstler aus Albersdorf), sandten der Jury 15 der 70 Texte zur Auswahl zu. Allerdings ohne zu wissen, welche Autorin sich dahinter verbirgt. Erst nachdem die Siegertexte ausgewählt waren, wurden die Verfasserinnen bekannt.

Der Schreibwettbewerb richtete sich an Auszubildende, Studenten und Schüler der gymnasialen Oberstufen. Aufgabe war es, aus einem der fünf Szenen in Storms Entwurf zu einer Sylter Novelle eine eigene Geschichte zu verfassen. Die Beiträge der meist weiblichen Teilnehmer zeigten, wie aufregend ein Theodor Storm noch sein könne, sagte Schriftstellerin Anja Marschall. Vier junge Preisträgerinnnen, die jede auf ihre Weise mit ihren Texten dazu beigetragen hat, Storms Entwurf der Novelle mit Leben zu füllen: „Storm wäre entzückt. Bis ins hohe Alter erfreute ihn die Begegnung mit Mädchen und jungen Frauen, besonders genoss er es, wenn sie sich für seine Dichtung interessierten oder seinen Lesungen lauschten“, so Stormexperte Hartmut Schalke. Mit dem Schreibwettbewerb und den eingesandten Geschichten sei die „Sylter Novelle“ vor unverdienter Nichtbeachtung und Vergessenheit bewahrt worden. Einmal mehr rücke der Storm- und Schimmelreiterort Hanerau-Hademarschen in den Fokus eines überregionalen und kulturellen Geschehens. Alle vier Gewinnerinnen überzeugten mit ihren Ideen, ihrer Erzählkunst und eigener Stimme, die an Storms bildhafte Sprache anzuknüpfen vermochte. Laudatorin Andrea Paluch gefiel an der Siegergeschichte „Brautnacht“ von Irene Diwiak besonders das „Jetzt“ als das durchgängige Thema der Erzählung und als Schnittstelle zwischen der Vergangenheit, versinnbildlicht vom Vater der Braut und der Zukunft, dargestellt durch den unattraktiven Bräutigam. „Mit ihren genauen, detailreichen Beschreibungen, der bildhaften Sprache und dem subtilen Humor zeigt Irene Diwiak, dass sie eine talentierte Erzählerin ist“, so Andrea Paluch.

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