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Landeszeitung

22. September 2017 | 22:45 Uhr

Emkendorf : Junge Solisten auf altem Gut

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Wochenende fand ein Gastspiel des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Emkendorf statt. Dabei begeisterte vor allem die kommende Musiker-Generation das Publikum.

shz.de von
erstellt am 17.Jul.2017 | 10:53 Uhr

Klassische Musik und Plattdeutsch scheinen auf den ersten Blick nicht besonders viel miteinander zu tun zu haben. Doch das gilt nicht für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF): Im Rahmen des Emkendorfer Musikfestes gab es am Sonnabend bereits zum vierten Mal eine Moderation „op platt“. Am Mikrofon dabei NDR-Moderatorin Ines Barber.

Auf dem Gelände des Guts herrschte ein stimmiges Ambiente. Während die einen den Musikern hautnah in der Festscheune gegenüber saßen, genossen die anderen die musikalischen Klänge via Lautsprecher in der freien Natur – entweder an den bereitgestellten Tischen der Gastronomen oder beim Picknick auf den selbst mitgebrachten Stühlen auf dem Rasen vor dem Herrenhaus.

„Nach Hasselburg im vergangenen Jahr ist das hier die zweite Veranstaltung im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf dem Lande, durch die ich auf Plattdeutsch führe“, verriet Baber. Der besondere Reiz dabei liege darin, die „hohe Kunst“ auf ein allgemein verständliches Niveau herunterzubrechen. Zwar bereite sie sich immer dementsprechend mit jeder Menge Hintergrundinformationen auf ihre Ansagen vor, es passiere dann aber ebenso oft, dass sie – nachdem sie die Künstlerpersönlich kennengelernt hat – etwas ganz anderes erzähle. „Der Witz daran ist, dass viele der ausländischen Musiker zwar nicht verstanden was ich sagte, aber fanden, dass es sich schön anhörte“, ergänzte die Moderatorin von den Vorteilen des Platt schnackens.

Auf dem Rasen gemütlich gemacht hatte es sich unter anderem eine sechsköpfige Gruppe aus dem Itzehoer Raum. Mit Kühlboxen, Tischen und Stühlen ausgerüstet, genossen die Besucher das idyllische Ambiente in der Natur. Zum ersten Mal in Emkendorf zu Besuch, zeigten sie sich begeistert von der entspannten Atmosphäre. „Das gefällt uns hier supergut, wir kommen sicher wieder“, war die einhellige Meinung. Aber dann auch wieder in der Gruppe. „Wir genießen natürlich auch das gemeinsame Beisammensein, allein oder zu zweit ist das doch langweilig.“

Unter den SHMF-Musikern hingegen brillierten gestern die Solisten. Der kommenden Generation unter ihnen gehörte mit dem gestrigen Sonntag der zweite Tag des Festes auf dem Gut. Bieten doch die Musikfeste auf dem Land genau den passenden Rahmen für kammermusikalische Höchstleistungen. Zuerst begeisterten Karolina Errera (Viola) und Yannick Rafalimanana (Klavier), im zweiten Block dann Asaya Fateyava (Saxophon) und Valerya Myrosh (Klavier). Weiter im gestrigen Angebot fanden sich auch Sonia Achkar (Klavier), Kirill Traussov(Violine) und Jonathan Weigle (Violoncello). Doch nicht nur für für die Freunde klassischer Musik wurde gesorgt: Jantje Fischhold und Lotte Schwarz aus der Kindermusikwerkstatt studierten mit einer Handvoll Kinder im Alter zwischen drei und 13 Jahren ein Piraten-Musikstück ein. Es sollte zum Schluss des Musikfestes gefühlter Höhepunkt der tollen Tage von Emkendorf werden.

Auch wenn das Wetter am zweiten Tag nicht wirklich mitspielte – für die jungen Musiker auf der großen Bühne galt das nicht: Allesamt Entdeckungen, die man gern wieder erleben möchte. Darin Karolina Erreras samtweiches, intensives Violaspiel, Yannick Rafalimananas einfühlsames Klavierspiel, das mehr ist als nur wundersam gelungene Begleitung. Ebenso begeisterte Valeriya Myrosh als Begleiterin von Asaya Fateyeva und solistisch am Klavier. Ihre Programme: selten gehörte Kammermusik des 20. Jahrhunderts und mindestens ein Werk des SHMF-Jahrgangskomponisten Maurice Ravel war auch dabei. Als einzigartig kann Asaya Tateyeva bezeichnet werden: Sie spielte sowohl klassisch als auch jazz-inspiziert, moderierte dazu noch perfekt mit Einführungen in die Geschichte des Saxofons. Gekrönt wurde der frühe Nachmittag durch drei Preludes für Klavier und Saxofon, komponiert von George Gershwin.

Und Begleiterin auch durch den zweiten Tag blieb Ines Barber, der die Moderation an beiden Tagen bestens gelang. Mit ihren launigen Sprüchen trug sie dazu bei, die elegante Musik aus französischen Salons im feuchtkalten Klima Schleswig-Holsteins, dazu noch in einer großen Scheune, einem großen Publikum nahe zu bringen.

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