Junge Laubfrösche erobern neue Tümpel

Auf dem Sprung in die Freiheit: Nachdem Heiko Grell die Frösche aufgezogen hat, setzt er sie in den Projektgebieten aus. Foto: Privat
1 von 2
Auf dem Sprung in die Freiheit: Nachdem Heiko Grell die Frösche aufgezogen hat, setzt er sie in den Projektgebieten aus. Foto: Privat

Kieler Biologe hat 500 handaufgezogene Laubfrösche auf den Flächen der Stiftung Naturschutz am Bistensee und Wittensee ausgesetzt

Avatar_shz von
16. Juli 2013, 03:59 Uhr

Ahlefeld-Bistensee | Eilig hatten es die jungen Laubfrösche nicht mit ihrem Sprung in die Freiheit. 300 von Hand aufgezogene Jungtiere setzte der freiberufliche Biologe Heiko Grell auf den Flächen der Stiftung Naturschutz am Bistensee aus. 200 kleine Hüpfer brachte der Kieler an den Wittensee. Pro Jahr werden mehrere tausend Jungfrösche ausgesetzt.

Seit 2006 beteiligt sich der Biologe aus Kiel an dem Artenschutzprojekt der Stiftung Naturschutz, das mit Mitteln des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und dem EU-Förderprogramm "Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums" (ELER) finanziert wird. "Das Land hat sich verpflichtet, die heimische Tierwelt nachhaltig zu unterstützen", berichtet Grell von der Idee, Tierarten in Gebieten anzusiedeln, in denen sie eigentlich schon ausgestorben sind. Seit zwei Jahren ist Grell in den Hüttener Bergen aktiv. "Drei Jahre dauert das Programm im Schnitt in einer Region."

Der Aufwand, der betrieben wird, um die Tiere am Bistensee, am Wittensee und in den Duvenstedter Bergen wieder heimisch zu machen, ist immens: Die Fläche zwischen Holzbunge und Bistensee war eine Ackerfläche. Die Stiftung Naturschutz hat sie erworben und 15 gut besonnte Flachgewässer angelegt. Jedes 1000 bis 1500 Quadratmeter groß.

Die Flächen werden extensiv mit Robustrindern und Pferden beweidet und bieten ideale Bedingungen für die Amphibien: Im Wasser laichen die Frösche, sie leben später in Brombeergestrüpp und in Büschen. Im Winter ziehen sie sich in den Wald zurück. Alle Stationen des Jahreslebensraums sind gefahrlos zu erreichen, ohne dass die Tiere Straßen überqueren müssen.

Bis Heiko Grell aber mit seinen mit Wasser und Ästen gefüllten Transportkisten die Frösche in ihr neues Zuhause bringt, muss er sie aufziehen. Im Mai sammelt er in Tümpeln in den Hüttener Bergen, aber auch in Geltorf und Lehmberg Laich ein und zieht die Frösche in einer Aufzuchtstation auf. "Dass die Tiere aus der Region kommen, in der sie später auch ausgesetzt werden, ist wichtig", betont Grell. Es sollen nur die genetisch lokal angepassten Populationen gefördert werden. Sonst könnte es zu unkontrollierter Verdrängung lokaler Bestände kommen.

In 20 bis 30 Grad Celsius warmen Wasser schwimmen die Tiere in der Aufzuchtstation. Täglich schwankt die Temperatur - wie in der Natur auch. Gefüttert werden sie mit Fischfutter, aber auch Bananenscheiben essen Kaulquappen aufgrund des hohen Eiweißgehaltes gerne. Wenn sie an Land gehen, fressen sie Fliegen. 1500 Fliegen fängt und verfüttert Grell am Tag.

Etwa anderthalb Monate lang kümmert er sich mehrere Stunden am Tag um seine Frösche - und er hat Erfolg: Die Aufzuchtrate liegt bei 90 bis 95 Prozent - in der Natur liegt sie bei fünf Prozent. "Die Auslese erfolgt nach der Aussetzung", sagt Grell und betont, dass die Tiere aufgrund ihrer Instinkte sofort in der Lage seien, Fliegen zu fangen und ein Leben in Freiheit zu führen. Sie seien trotz der Handaufzucht nicht zahm.

"Die Tiere sind gut vorbereitet, gut genährt", sagt Grell, als er den letzten Fröschen mit einem Stupser den Weg in die Freiheit weist. Er wolle der heimischen Natur seine Dienste anbieten. Es gehe für ihn darum, heimische Tiere und Pflanzen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz und dem Kieler Umweltministerium zu unterstützen. "Es ist eine ganz große Befriedigung, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat", sagt er, "dass die Natur wieder ein Stück besser geworden ist."

Im Mai nächsten Jahres prophezeit Grell ein Froschkonzert am Bistensee. Auf anderen Stiftungsflächen habe die Ansiedlung schon funktioniert und auch am Bistensee habe er "gar keine Bedenken", dass auch hier bald viele Frösche leben. Ob das Projekt erfolgreich ist, zeigt sich aber erst, wenn die ersten ausgesetzten Frösche in der freien Natur Nachwuchs bekommen. Das ist frühestens zwei bis drei Jahre nach ihrer Aussetzung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen