zur Navigation springen

Jugendkriminalität: 19 Intensivtäter im Visier der Polizei

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Experten: Untersuchungshaft kann Umdenken bewirken

Es lockte das schnelle Geld. Zu verlockend war es, sich moderne Mobiltelefone kaufen zu können, ab und zu einen teuren Mietwagen zu ordern oder mit den Kumpanen Party zu machen. 19 Jugendliche und Heranwachsende aus der Region Rendsburg stehen aktuell auf der Intensivtäter-Warnliste des Landeskriminalamtes. Sie sind verantwortlich für mehrere Einbruchsserien, für Körperverletzungen und Raubüberfälle. „Die Täter haben uns zum Teil über Jahre beschäftigt“, zog Hans-Peter Sievers, Leiter der Abteilung Jugendkriminalität bei der Rendsburger Polizei, jetzt gegenüber dem Verein zur Förderung der Kriminalitätsverhütung Bilanz.

Was in Rendsburg besonders auffällt: Das Klischee, dass die Täter vor allem aus sozial schwachen Familien stammen, hat mit der Wirklichkeit nicht viel gemein. Einer der Problemfälle, mit denen Sievers und seine Kollegen zu tun hatten, kam aus einem gut situierten Elternhaus. Der Junge langweilte sich, er traf auf Kleinkriminelle, die er von der Schule kannte, und dann – so der Jargon des Millieus – „wurde es ganz lecker“. Er wurde Teil eines selbstinszenierten Gangsterfilms und lernte von den anderen , wie man durch Einbrüche schnell zu Geld kommt, „für ihn war’s geil, er war auf einmal wer.“

Streetworkerin Andrea Wieczorek hat mit diesen Jugendlichen zu tun. Sie schilderte, wie ein Intensivtäter schließlich festgenommen werden konnte und von einem Richter in Untersuchungshaft gesteckt wurde. Aus eigener Kraft wäre der Jugendliche aus dem Teufelskreis der Kriminalität nicht herausgekommen. Die U-Haft, so machte es die Streetworkerin deutlich, habe ein Umdenken ausgelöst. „Die U-Haft ist richtig eklig, man ist isoliert, hat nur wenig Ausgang und ist die meiste Zeit des Tages allein in der Zelle.“ Zudem sehen die Jugendlichen, was sie in ihrem eigenen Umfeld bewirken: Die Eltern eines der Inhaftierten wurden aus Kummer über die Taten ihres Kindes krank. Und die Polizei verstärkt das schlechte Gewissen dadurch, dass sie den Tätern erklärt, wie die Opfer unter den Einbrüchen leiden. Kripo-Mann Sievers: „Den Jugendlichen ist überhaupt nicht klar, was es heißt, in die Privatssphäre anderer einzudringen und Erbstücke zu stehlen, an denen das Herz hängt.“ Seit sich der betreffende Jugendliche wieder auf freiem Fuß befindet, hat er nichts mehr angestellt.

Die intensive Ermittlungsarbeit der Polizei und das Engagement der Streetworkerin tragen Früchte. „Im Moment ist die Lage ruhig“, sagte Sievers. Das mag auch daran liegen, dass sich einer der Haupttäter seit Ende vergangenen Jahres in Untersuchungshaft befindet. Sein Prozess soll im April beginnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen